… Shakin’ Stevens?
… Shakin’ Stevens?
12. Mai 2017

Mit Rockabilly wird er in den 80er-Jahren zu einem internationalen Teenie-Star. Hits wie „Marie, Marie“, „Oh, Julie“ oder „This ole house“ erobern weltweit die Charts, bevor es ab 1990 ruhiger um den Star wird. Erst vor wenigen Monaten erschien ein neues, sehr persönliches Album, das „Shaky“ derzeit auf einer erfolgreichen Tour durch England präsentiert.

Von einem 2010 bei der Gartenarbeit erlittenen schweren Herzinfarkt hat sich Shakin’ Stevens wieder gut erholt. Die zum 30. Jahrestag seines ersten Hits „Hot dog“ geplante Jubiläumstournee musste damals zwar ausfallen, aber heute präsentiert sich der 69-jährige Rocker wieder in guter Form. Allein im April und Mai stehen 34 Konzerte in England auf seinem Programm. Es ist die größte Gastspielreise, die er je in England gemacht hat. Die Nachfrage ist groß, und die Vorverkaufszahlen der noch folgenden Konzerte lassen sich bisher so gut an, dass das Comeback diesmal gelingen könnte.

Künstlername kommt aus der Kindheit

Die Tour trägt den Titel seines aktuellen Albums „Echoes of our Times“, das Ende 2016 erschienen ist und einen ganz neuen „Shaky“ zeigt. Fast alle zehn Songs wurden von Stevens geschrieben, der seine Karriere ja vor allem mit Coverversionen von Rock’n’Roll-Klassikern begonnen hatte. In den Texten seines zwölften Longplayers verarbeitet der Sänger einen Teil seiner Familiengeschichte. Dazu hatte er zuvor intensiv recherchiert und familiäre Dinge hervorgebracht, die ihm noch völlig neu waren. „Ich habe nicht gewusst, dass mein Vater 13 Geschwister gehabt hat.“ Er kramte familiäre Geschichten hervor von großer Armut und einem tödlichen Unfall bei einem Minenunglück, von Tapferkeit und schwerem Leid im Krieg und kombinierte sie in seinen Songs mit einem bluesigen Americana-Sound, der kaum noch an die Rockabilly-Ära erinnert. „Nie zuvor hatte ich solch persönliche Songs geschrieben. Einige Lieder beziehen sich direkt auf Situationen meiner Familiengeschichte, andere kommentieren mehr die Welt, in der meine Vorfahren, und auch ich, lebten“, beschreibt Stevens sein neuestes Werk. Er nutzt dort auch die Gelegenheit mit Instrumenten zu experimentieren, die er zwar gelegentlich auf der Bühne, aber noch nie bei Studioproduktionen verwendet hat: Harmonika, Banjo, Flöte, Harmonium oder Militär-Trommeln geben dem Album eine interessante Folk-Rock-Blues-Anmutung. „Ich bin hier zu den Wurzeln meiner Familie, aber auch zu den Wurzeln meiner Musik zurückgegangen. Shakin´ Stevens ist vom Ursprung her ein Blues-Name, wie Muddy Waters oder Lady Nesta“, verriet der Sänger kürzlich und gesteht dabei auch, dass er seinen Künstlernamen einem Spielkameraden namens Steven Vandewalker verdankt. Dieser habe damals öfters mit einem Holzstück einen Gitarristen gemimt und sich dabei immer marktschreierisch als „Shakin´ Stevens“ angekündigt.

Aus dieser Kinderzeit hat sich im Jugendalter schnell eine große Karriere entwickelt. Mit seiner Band Shakin’ Stevens and the Sunset durfte der Waliser 1969 im Vorprogramm der Rolling Stones auftreten, und 1972 wurde die Combo von einer Musikfachzeitschrift zum besten Live-Act des Jahres gewählt. Im Zuge der Disco-Welle fiel das Ensemble dann 1976 auseinander, und „Shaky“ machte als Solist weiter, wirkte aber auch in einer TV-Musiksendung über die 50er- und 60er-Jahre mit und spielte im Londoner Westend in einem Elvis-Musical 19 Monate lang die Hauptrolle. Sein am King orientierter Hüftschwung versetzte damals vor allem die jungen Mädchen in Entzücken. Sein Rockabilly-Stil kam aber in den 80er-Jahren aus der Mode. Dennoch hielt Stevens daran noch fast ein Jahrzehnt lang fest. Mitte der 90er versuchte er es dann ohne großen Erfolg mit Country-Rock, die Veröffentlichung eines Albums scheiterte mehrfach.

Ein Herzinfarkt verhinderte die Tour

Dazu kamen persönliche Krisen, die zu einem zeitweisen Rückzug aus der Musikszene führten. Ab 2000 versuchte Stevens einen Neuanfang und gewann dann 2005 die Comeback-Show eines englischen Fernsehsenders. Erneut gelang es ihm nicht, ein Album zustande zu bringen, mehrere Veröffentlichungsversuche blieben erfolglos. 2007 dann brachte der Sänger nach 17-jähriger Pause in Dänemark das Album „Now listen“ auf den Markt: Wegen fehlender Marketing-Unterstützung blieb es jedoch weitgehend unbeachtet in den Plattenläden liegen. 30 Jahre nach seinem ersten Hit „Hot Dog“ verhinderte dann 2010 sein schwerer Herzinfarkt eine Jubiläumstournee. Immer wieder hatte es seitdem Gerüchte gegeben, dass Stevens an einem neuen Album arbeitet, aber die Fans hatten schon alle Hoffnung aufgegeben, noch mal etwas Neues von ihrem Idol zu hören: Bis dann vor sechs Monaten überraschend das zwölfte „Shaky“-Album „Echoes of our Times“ erschien, das einen gereiften Interpreten präsentierte und direkt in die Top 10 der britischen Charts einstieg. Stevens stellte sein jüngstes Werk in seiner Heimatstadt Cardiff vor. „Es ist wohl sein persönlichstes Album, und er beweist damit, dass er mehr draufhat als Gute-Laune-Rock’n’Roll. Es ist ein nachdenkliches Album mit nachdenklichen Themen“, schwärmt ein deutscher Fan, der es sich nehmen ließ, zu der Plattenvorstellung und seinem Idol nach Wales zu reisen.

Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Shakin’ Stevens, geboren am 4. März 1948 als Michael Barratt in Cardiff (Wales), begann seine Karriere in den 60ern in der Live-Band „Shakin’ Stevens and the Sunsets“, bevor er seit 1976 als Solist weitermachte. In einem Elvis-Musical in London zeigte er sein Multitalent als singender Schauspieler und spielte 19 Monate lang die Hauptrolle. In den 80er-Jahren zählte er mit seinen Rockabilly-Titeln zu den großen internationalen Teenie-Idolen. Vier Nummer-eins-Hits und über 35 Charterfolge machen ihn zu einem der erfolgreichsten britischen Solisten. Einer seiner großen Hits ist das selbst geschriebene Lied „Oh Julie“ (1982). In den 90er-Jahren wechselte er zum Country-Rock, und es wird ruhiger um ihn. Nach dem Sieg in einer Comeback-Show 2005 produzierte er 2007 wieder ein Album: „Now listen“ wurde in Dänemark mit mäßigem Erfolg veröffentlicht. Das Ende 2016 erschienene Album „Echoes of our Times“ läuft jedoch erfolgreich.

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