…Chris Evert?
…Chris Evert?
28. April 2017

Zwischen 1974 und 1985 stand sie fünf Mal an der Spitze der Tennis-Weltrangliste und ist mit einer Siegesquote von 90 Prozent die erfolgreichste Einzelspielerin. Die vierfache US-Sportlerin des Jahres besitzt eine Tennis-Akademie, gibt ein Tennis-Magazin heraus, arbeitet als TV-Kommentatorin und vertreibt unter ihrem Namen Sportbekleidung.

Chris Evert, dieser Name bürgt für Qualität: Ein Anfang der 70er-Jahre nach dem Tennisstar benanntes Rennpferd war so erfolgreich, dass es in die Hall of Fame aufgenommen wurde und im National Museum of Racing zu bewundern ist. Evert, in der Szene meist nur Chrissie genannt, eilte im Damentennis von Rekord zu Rekord: Mit 16 Jahren war sie die jüngste Spielerin, die je in ein Halbfinale der US-Open einziehen konnte; mit 19 eroberte sie erstmals die Spitze der Weltrangliste und hielt sich dort fast ununterbrochen fünf Jahre lang; zwischen 1973 und 79 blieb sie auf Sand 125 Mal in Folge unbesiegt; als erste Profispielerin konnte sie 1.000 Siege im Einzel erringen und gewann als bisher einzige Frau sieben Mal die French Open. Ihre 90-prozentige Erfolgsquote mit 1.309 Siegen bei nur 146 Niederlagen ist bis heute unerreicht. Die „Washington Post“ schreibt über Evert: „Chrissie war eine schöne Frau, die einen schönen Sport in einer schönen Weise betrieb: Deshalb ist Amerika in sie verliebt“. Mit zum guten Image der heute 62-Jährigen trägt bei, dass sie ihre Popularität auch nutzt, um Familien und besonders Kinder in Florida vor Drogen zu warnen und Drogenmissbrauch einzudämmen. Dazu veranstaltet Evert im November dieses Jahres schon zum 28. Mal in Folge ihre jährliche „Pro Celebrity Gala“ im „Boca Raton Resort“. Zu dem Charity-Event ganz in der Nähe ihrer Tennis-Akademie werden immer namhafte Pop-Stars erwartet, sodass diese Veranstaltung in jedem Jahr in Florida zu den Höhepunkten des gesellschaftlichen Lebens zählt.

Die drei Söhne spielen kein Tennis

Ihrem Sport ist Evert eigentlich bis heute treu geblieben: „Ich spiele noch viel Tennis. Ich habe seit über 20 Jahren mit meinem Bruder eine Tennis-Akademie, die 80 Kinder aus der ganzen Welt besuchen. Ich mag es, mit ihnen zu trainieren.“ Ihre drei eigenen Söhne haben sich dem Tennis-Zirkus ferngehalten, immerhin aber alle in ihrem Highschool-Team gespielt. Ihr Vater, der Ski-Olympionike Andy Mill, habe ihnen vor allem Sportarten wie Motorradfahren oder Snowboard nahegelegt: „Alles, was eben gefährlich ist. Eines Tages stand dann die Entscheidung an, eine Sache richtig zu machen oder alles ein bisschen. Sie entschieden sich für Letzteres“, bedauert Evert, bescheinigt ihren Söhnen aber in all ihren Sportarten durchaus gute Leistungen.

Evert litt unter
dem „Eis-Mädchen“

Seit 2011 arbeitet Evert auch als Grand-Slam-Kommentatorin für den amerikanischen TV-Sender ESPN und kennt daher die Tennis-Szene immer noch genau. „Ich genieße diese Aufgabe, weil mir dieser Sport immer noch viel gibt. Ich könnte kaum glücklicher sein.“ Die jüngsten Leistungen von Angelique Kerber findet sie großartig: „Sie hat ihr Spiel angepasst, ihre Schläge haben mehr Power, sie bewegt sich gut, hat gute Winkel“, stellt sie als Expertin fest. Evert bedauert nicht, in ihrer gesamten Karriere weniger verdient zu haben als Kerber heute in einem Jahr. In ihrer Zeit habe das professionelle Frauentennis erst so richtig begonnen, und sie sei stolz, diese Ära mitgeprägt zu haben. „Und was das Geld angeht: Ich habe genug verdient. Seien wir ehrlich: Wie viel brauchen wir denn wirklich? Ich habe ein sehr gutes Leben, war 20 Jahre auf der Tour. Ich bin glücklich, zu der Zeit gespielt zu haben, in der ich gespielt habe“, blickt die Tennis-Legende zurück. Lange Zeit galten sie und der US-Topspieler Jimmy Connors als das Traumpaar ihrer Sportart. Dass nicht mehr daraus wurde, lag laut Connors Memoiren daran, dass Evert damals eigenmächtig einen Schwangerschaftsabbruch unternehmen ließ. Chrissie ist dennoch mit ihrem Privatleben zufrieden, obwohl drei Ehen mit prominenten Sport-Größen gescheitert sind: „Ich habe großartige Beziehungen zu zwei der drei Ex-Männer, und eine ist wirklich gut. Das Leben ist zu kurz, um sich ewig zu streiten. Es ist viel schöner, Freunde zu bleiben.“ Ohnehin ist sie sicher, keine Feinde zu haben: „Mich hat niemand offen gehasst, es war niemand eifersüchtig oder negativ mir gegenüber. Ein schönes Gefühl“, bekundet Evert in einem Interview. Ihr Image als kühles „Eis-Mädchen“ tat ihrer anhaltenden Beliebtheit keinen Abbruch. Sie habe aber lange unter der von den englischen Medien schon 1972 erfundenen Bezeichnung „Ice Maiden“ gelitten. Dass sie immer mit Pokerface auf dem Platz gestanden hat, sei halt ihre besondere Art der Konzentration gewesen. Ebenso wie mit ihren Ex-Männern ist Evert auch immer noch mit der früheren Dauer-Rivalin Martina Navratilova befreundet, was ein gemeinsames Foto auf dem Twitter-Account der gebürtigen Tschechin dokumentiert. Evans selbst nutzt Twitter und Facebook intensiv, um mit ihren Fans Kontakt zu halten: „Ich finde es lustig, mir macht das Spaß. Auch meine Firmen wollen, dass mein Name dort involviert ist“, präsentiert sich das ehemalige Tennis-As heute als clevere Geschäftsfrau. Schließlich ist Evert auch Autorin und Herausgeberin des „Tennis Magazine“ und hat 2015 die Tennis- und Aktiv-Kleidungsmarke „Chrissie by the Tail“ auf den Markt gebracht.

Peter Schmidt

Merken

Merken

Bild der Woche