…Donovan?
…Donovan?
27. Januar 2017

Mit seinen Folk-Balladen wurde er, mittlerweile 70, Mitte der 60er-Jahre zum erfolgreichen Pop-Troubadour und beeinflusste mit psychedelischen Elementen und fernöstlicher Philosophie die Rockmusik. Seine Songs wurden mehrfach auch als Filmmusik und in der Werbung eingesetzt. Zu seinem 50-jährigen Nummer-eins-Hit-Jubiläum im Vorjahr gab der Literatur-Ehrendoktor wieder ein paar Konzerte.

Das schönste Geschenk zu seinem 70. Geburtstag machte sich Donovan selbst: Am 6. Mai 2016 lud er zu einem nostalgischen „Beat Café“ ins Londoner Palladium und spielte dort mit kleiner Band seine bekannten Lieder. Außerdem trug ein Dichter Texte von Dylan Thomas vor, ein Gitarrist bot Klassisches, und das Publikum sang dem Star ein Geburtstagsständchen. „Ich darf heute einen alten Mann spielen, der sich noch an die Songs erinnert, die er als der junge Mann gespielt hat, der er damals war!“, kommentierte Donovan sein Geburtstagskonzert, das mit dem 50. Jahrestag seines Nummer-eins-Hits „Sunshine Superman“ zusammenfiel. Aus diesem Grunde erschien auch sein musikalisches Vermächtnis, die „Donovan Retrospective“, mit all seinen Liedern, Songbooks, Filmmaterial und sogar 250 bisher unveröffentlichten Titeln, seinen sogenannten verborgenen Schätzen. Zudem tourte er anlässlich des Hit-Jubiläums durch Nordamerika.

Er beeinflusste
ein Album der Beatles maßgeblich

Dass er mit seinen zeitkritischen Liedern die Welt verändert hat, glaubt Donovan nicht. Ebenso wenig, dass der Mensch die Welt immer weiter zum Besseren verändern kann. Manche hielten den Folk-Poeten damals für einen Träumer, einen Kauz, einen Kindskopf: All das bestreitet Donovan heute mit der Weisheit des älteren Mannes nicht. Auch seinen großen Einfluss auf die damalige Musik kann er trotz aller Bescheidenheit nicht leugnen. In vielem, was Mitte der 60er-Jahre an Popmusik auf den Markt kam, steckt ein gutes Stück Donovan: Er war zwar nicht der Erfinder psychedelischer Musik-Elemente und auch nicht der erste, der sich fernöstlicher Philosophie zuwandte. Aber als einer der ersten konnte er damit weltweit Plattenerfolge verbuchen. Spätestens nachdem er 1969 mit seinen Freunden, den Beatles, in Indien Maharishi Mahesch Yogi besuchte, hielten psychedelische Klänge Einzug in aktuelle Pop-Werke, und Donovans Einfluss auf andere Musiker wuchs enorm. Eigentlich habe er nur ein Volksdichter und Folksänger sein wollen. Stattdessen sei er zum „Pionier der zweiten Renaissance“ und zu einem „guten Geist der 60er-Jahre“ geworden. In diesem Sinne geht der nach wie vor politisch engagierte Donovan heute noch in Schulen, um mit armen Kindern Volkslieder zu singen und sie in die Kunst der Meditation einzuführen. Zum gleichen Zweck lässt er sich auch schon mal zu einem Benefizauftritt bewegen.

Obwohl er das „Weiße Album“ der Beatles maßgeblich beeinflusste, Paul McCartney zu „Blackbird“ inspirierte und John Lennon bei „Julia“ assistierte, hat sich Donovan eigentlich schon mit Anfang 20 in den Pop-Ruhestand zurückgezogen. In den 80er-Jahren kämpfte er allerdings noch mit Liedern gegen die Neutronenbombe und komponierte ein Singspiel zu dem Kinderbuch „Der Wind in den Weiden“. Auch dass er 1996 mit „Sutras“ noch mal ein Album veröffentlichte, will Donovan heute nicht als Comeback-Versuch gewertet wissen. Auch nach der Jahrtausendwende ließ er noch musikalisch von sich hören: In dem Disneyfilm „Atlantis“ sang er mit den No Angels seinen gleichnamigen Hit und tauchte 2002 als Onkel aus Atlantis in der TV-Serie „Futurama“ auf. Auch die Werbung greift immer wieder mal seine Songs auf, um alles Mögliche zu promoten. Donovan ist durchaus selbst geschäftstüchtig und bietet auf seiner Webseite einen mit Platten und Merchandise-Artikeln gut bestückten Shop.

Die Fans ehrten ihn vom ersten Tag an

Erst 2012 wurde Donovan als „einer der bis heute einflussreichsten Komponisten und Interpreten“ in die Rock ’n’ Roll-Hall-of-Fame aufgenommen. Schon als 19-Jähriger „initiierte er mit ‚Sunshine Superman‘ die psychedelische Revolution“, hieß es in der Begründung. Auch in die Produktionstechnik hat Donovan viele Neuerungen eingeführt. Die Frage, ob diese Ehrung nicht ziemlich spät gekommen sei, beantwortet der Sänger so: „Ich wurde schon vom ersten Tag an geehrt. Außerdem bekommt man die allerbeste Würdigung seiner Arbeit von den Fans, und die haben das immer wieder und wieder getan!“ Für ihn selbst bedeute sein Erfolg vor allem, dass er andere anleiten, viel experimentieren und auch mal die Regeln brechen konnte. Trotzdem freue er sich über die bis in jüngste Zeit anhaltenden Ehrungen. Zuletzt hat er zum Beispiel von Jimmy Page den Mojo Award und von BBC den Award fürs Lebenswerk erhalten.

Außerhalb der Musik hat Donovan weitere Ehrungen erfahren: 2003 wurde er zum Literatur-Ehrendoktor der Universität Hertfordshire ernannt und 2009 von der französischen Regierung mit dem Orden für Künste und Literatur ausgezeichnet. 2007 startete Donovan sogar die Planung einer schottischen Universität, die von Maharishi Yogi inspiriert sein soll: In dieser „Invincible Donovan University“ sollte transzendentale Meditation Pflichtbestandteil aller Lehrpläne werden.

Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Donovan Phillips Leitch, geboren am 10. Mai 1946 in Glasgow, wuchs in einer musikalischen Arbeiterfamilie auf und wandte sich schon früh der Musik und der Literatur zu. Er begann seine Karriere als Straßenmusiker und lernte dabei die britische Musik-Boheme kennen. „Rolling Stone“ Brian Jones verschaffte ihm 1964 einen Auftritt in der legendären TV-Show „Ready Steady Go“. Sein Titel „Catch the Wind“ wurde zum Überraschungserfolg. Zeitkritische Folk-Songs wie „Universal Soldier“, „Colours“ und „Turquoise“ brachten 1965 hohe Umsätze. Sein erfolgreichster Song war die Folk-Ballade „Atlantis“ (1969). Er zog sich danach immer weiter aus dem Pop-Business zurück, spielte 1972 die Hauptrolle in dem Film „The Pied Piper“, für den er ebenso die Musik komponierte wie für einige weitere Filme. Bis 2010 veröffentlichte er noch ein paar wenige Alben. Seit 2003 ist er Ehrendoktor der Universität Hertfordshire. Er lebt heute mit seiner Frau Linda Lawrence, mit der er zwei Töchter hat, in Irland. Zwei weitere Kinder hat er mit Fotomodell Enid Karl.

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