…Eva Jacob?
…Eva Jacob?
9. Juni 2017

Die vier Jacob-Sisters waren in den 60er-Jahren in Deutschland Schlager-Superstars und feierten auch inter­national Erfolge. Nachdem Hannelore und Johanna bereits verstorben sind, bilden Rosi und Eva den ver­bliebenen Teil des Geschwister-Quartetts. Eva Jacob steht noch auf der Bühne und unterhält ehrenamtlich Patienten im Krankenhaus.

Dass Hunde die Eigenschaften ihrer Besitzer annehmen, deckt sich für Eva Jacob mit ihrer Erfahrung. Nach dem Tod ihrer Schwestern Hannelore (2008) und Johanna (2015) hat sie deren Pudel Alexa und Athena übernommen und konnte immer wieder erstaunliche Parallelen zwischen den Tieren und deren einstigen Frauchen feststellen. „Es ist, als wären die Seelen unserer Schwestern in ihre Pudel gefahren. In ihnen leben Johanna und Hannelore weiter“, ist sich Eva Jacob sicher. Ihr eigener Pudel und der von Schwester Rosi sind inzwischen verstorben, gerade musste Eva sich auch von Athena verabschieden: „Das hat mich sehr traurig gemacht.“ Die vier Pudel waren in den 60er-Jahren zum Markenzeichen der Sängerinnen geworden, weil jede beim Auftritt ihren Hund im Arm hielt. Wenn Eva heute auf der Bühne steht, ist die 14-jährige Alexa aus der inzwischen fünften Pudel-Generation weiterhin dabei: „Alexa will unbedingt mit, sie genießt das genauso wie ich. Ich brauche die Nähe und das Lächeln des Publikums, dann geht es mir gut“.

„Ich brauche die Nähe des Publikums“

Während Rosi, dreifache Mutter und vierfache Oma, nur noch gelegentlich bei Auftritten dabei ist, fühlt sich Eva noch fit und unternehmungslustig genug, bei Veranstaltungen die Hits der Jacob Sisters zum Besten zu geben. „Wenn ich unterwegs bin, überrascht es mich immer, wie oft ich auf der Straße noch erkannt werde. Selbst wenn ich eine Mütze aufhabe.“ Eva hält noch gute Kontakte zu Kollegen und wird oft zu Festen eingeladen, um gemeinsam von alten Zeiten zu schwärmen. Auch an das Saarland hat sie schöne Erinnerungen, besonders an eine Teilnahme am Saarlouiser Fastnachtsumzug. Mit der ehemaligen SR-Maskenbildnerin Hilde Thiesen ist sie bis heute befreundet. Gerade war Eva Jacob in Berlin auf einer großen Fete zu Gast und konnte dort der Politik- und Szene-Prominenz Liedwünsche erfüllen. An ihrem eigenen 70. Geburtstag wurde sie mit Auftritten von Show-Kollegen und zwei Riesentorten überrascht: „Danach wurde dann ausgiebig bis morgen um vier gefeiert“, erzählt sie.


Im aktuellen Fernsehprogramm vermisst Eva Jacob Unterhaltungssendungen, wie sie früher von Peter Frankenfeld oder Lou van Bourg angeboten wurden. „Auch sogenannte Bunte Abende gibt es heute kaum noch“, bedauert sie fehlende Auftrittsmöglichkeiten. „Denn mein Lebensmotto lautet: Wer rastet, der rostet. Ich genieße lieber jeden Tag, statt Trübsal zu blasen“. Umtriebig wie sie ist, macht sie immer noch musikalische Pläne: „Man soll ja vorher nicht zu viel verraten, aber vielleicht könnte es noch mal eine CD von mir geben.“

Die aus Sachsen stammende Eva Jacob lebt heute in Neu-Isenburg und fühlt sich dort pudelwohl, weil die Hessen „richtig nett und lustig“ seien und damit gut zu ihr passten. Trotz ihrer 73 Jahre („Ich fühle mich 30 Jahre jünger!“) ist die Sängerin, die eigentlich Konditorin werden wollte, immer noch sehr fit und quirlig. „Ich müsste ruhiger werden und mich manchmal etwas mehr zusammenreißen“, beschreibt sie sich heute.

Leider seien viele ihrer Bekannten inzwischen schon tot, wobei sie natürlich besonders bedauert, dass ihre jüngste Schwester Hannelore 2008 und die älteste, Johanna, 2015 schon verstorben sind. Während der Betreuung ihrer zuletzt dementen Schwester Johanna hat Eva das Leben in einem Pflegeheim kennengelernt und sich zu weiterem sozialem Engagement entschlossen. Regelmäßig geht sie heute in ein Krankenhaus, um dort den Patienten etwas Abwechslung zu verschaffen. „Ich singe mit ihnen, oder wir machen Ballspiele. Das macht mir und ihnen sehr viel Freude. Vor allem der Kontakt mit meinen Hunden gibt ihnen viel“, beschreibt Eva ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Ihr Herz für Tiere beschränkt sich nicht nur auf Hunde: „Der liebe Gott will wohl, dass ich immer verwundete Tiere finde. Die schleppe ich dann zum Tierarzt und päppele sie wieder auf.“ An ihr Grundstück kommende Wildhasen füttert sie ebenso gerne wie die Kohlmeisen an ihrer Terrasse. „Und wenn in der Nachbarschaft mal jemand Hilfe braucht, bin ich zur Stelle. Ich habe jedenfalls nie Langeweile.“

Sie fährt Fahrrad und joggt regelmäßig

Für ihr weiteres Leben wünscht Eva Jacob sich vor allem Gesundheit: „Auch für meine Kinder Angela (44) und René (35), die mich regelmäßig besuchen und die ich dann mit einem Drei-Gang-Menü verwöhne“. Um fit zu bleiben, ist sie regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs oder joggt rund um einen benachbarten See, begleitet natürlich von ihren drei Hunden. Außerdem schwimmt sie gerne und macht schon morgens beim Aufstehen ein kleines Gymnastikprogramm. „Aber man soll das in meinem Alter natürlich auch nicht übertreiben“, bremst sie sich selbst, um dann aber zu ergänzen: „Ich tanze für mein Leben gern. Deshalb hätte ich am liebsten schon bei ‚Let’s dance‘ mitgemacht. Aber da bin ich noch mit mir am Kämpfen“. Angeblich sei beim Sender ihre Teilnahme schon mehrfach angedacht worden.

Peter Schmidt

 

Zur Person:
Eva Jacob, geboren am 8. Juni 1943 in Schmannewitz in Sachsen, begann ihre Karriere mit ihren Schwestern Johanna, Rosi und Hannelore im Gesangsquartett Schmannewitzer Heidelerchen, anfangs im elterlichen „Café Jacob“, im Raum Leipzig und nach der Umsiedlung 1958 in Westdeutschland. In der TV-Sendung „Zum Blauen Bock“ begann in den 60er-Jahren die erfolgreiche Phase des Quartetts. Größter Erfolg war 1963 „Adalbert, schenk mir einen Gartenzwerg“. 1966 belegten die Geschwister bei den Deutschen Schlagerfestspielen mit „So ist ein Boy“ Platz acht. In den 60ern waren sie als Jacob Sisters auch international erfolgreich und traten in Las Vegas mit Louis Armstrong, Sammy Davis, Jr. und Duke Ellington auf. Hannelore und Johanna sind bereits verstorben, Eva lebt heute im hessischen Neu-Isenburg, Rosi (76) etwa 20 Kilometer entfernt.

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