…Faye Dunaway?
…Faye Dunaway?
31. März 2017

Als Gangsterbraut wurde sie an der Seite von Warren Beatty 1967 in „Bonnie and Clyde“ weltbekannt, für ihre Rolle in „Network“ 1977 bekam sie einen Oscar. Ab den 80er-Jahren blieben die großen Filmerfolge aus, sie war aber noch in TV-Serien zu sehen. Im April kehrt die 76-Jährige nach längerer Pause mit „The Bye Bye Man“ wieder in die deutschen Kinos zurück.

Kurz nachdem Faye Dunaway nach siebenjähriger Pause im Januar im Horror-Streifen „The Bye Bye Man“ wieder in die amerikanischen Kinos zurückgekehrt war, sorgte sie vor wenigen Wochen bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ungewollt für einen ganz anderen Nervenkitzel: Zusammen mit Warren Beatty hatte sie irrtümlich den falschen Siegerfilm verkündet und damit Hollywoods Filmwelt kurz schockiert. Ansonsten machte die 76-jährige Dunaway auf der Bühne optisch wieder eine gute Figur, nachdem sie noch vor zwei Jahren mit ihrem von der Presse als „Gespensterlook“ bezeichneten Aussehen über den Hollywood-Boulevard „gegeistert“ war. Das einstige Sexsymbol hatte sich zuletzt längere Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und auch seit 2010 keine Film- und Fernsehrollen mehr übernommen. 2011 durfte sie sich dennoch beim Filmfestival in Cannes über die ehrenvolle Aufnahme in den französischen „Orden der schönen Künste und der Literatur“ freuen. Wahrscheinlich verdankt Dunaway es ihrer Rolle als Witwe Redman (Deutschland-Start ist am 20. April) in dem aktuellen Hollywood-Schocker „The Bye Bye Man“, dass sie wieder die Kurve gekriegt und ihre Attraktivität zurückgewonnen hat.

In den späten 60er- und frühen 70er-Jahren war Dunaway eine der gefragtesten Schauspielerinnen weltweit. Gleich für ihre erste Hauptrolle in „Bonnie and Clyde“ erhielt sie 1967 eine Oscar-Nominierung und stieg in die erste Liga Hollywoods auf. Durch ihren längsten Kuss der bisherigen Filmgeschichte mit Steve McQueen in „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ wurde sie zum Sexsymbol.

Die Kalorienwaage hat sie immer dabei

Faye Dunaway haftete schon früh der Ruf einer Diva an. Immer wieder fiel sie mit irgendwelchen Ausrastern in der Öffentlichkeit auf und rasselte öfter mit Regisseuren aneinander. Dies trug wesentlich dazu bei, dass ab den späten 70er-Jahren die guten Rollenangebote spärlicher wurden. Nur noch in „Barfly“ (Golden Globe-Nominierung 1987) und „Don Juan DeMarco“ (1995 mit Marlon Brando) trat sie noch mal stärker ins Rampenlicht. Ansonsten spielte sie in TV-Produktionen mit und arbeitete als Fotomodel.

Dunaways häufige Ausfälle gegenüber Filmcrew und Servicepersonal füllten immer wieder die Klatschspalten. Zu ihrem oft bizarren Lebensstil gehört es derzeit, immer eine kleine Kalorienwaage in ihrer Tasche mitzuführen, um in Speiselokalen jeden einzelnen Bestandteil der Mahlzeit abzuwiegen. „Sie schaufelt dann solange Essen vom Teller auf die Waage, bis die das gewünschte Gewicht anzeigt“, verrät ein Bekannter, der den Filmstar schon als Essensbegleiterin „genießen“ durfte. Auch mit ihren schrägen Outfits, die sich oft dem herrschenden Modebild wiedersetzen, lenkt Dunaway häufig die Aufmerksamkeit auf sich. Als sie 2010 beim Verlassen eines Flugzeuges eine Chirurgenmaske trug, kursierten sofort wieder Spekulationen über eine Schönheitsoperation, was die Hollywood-Diva aber bis heute bestreitet.

Zur Ruhe setzen will sich Dunaway mit 76 Jahren noch nicht: „Arbeit ist eine Heilung. Sie verbindet einen mit dem, was man ist.“ Sie ist sogar offen für schauspielerische Fortbildungskurse: „Ich fühle mich so, als wäre ich bei allem im Leben noch ein Anfänger“, erklärte sie dazu kürzlich. Sie plant sogar ihr Regie-Debüt, denn sie will das Leben der Sängerin Maria Callas verfilmen und sogar selbst das Drehbuch schreiben. Rückblickend auf ihre Schauspielkarriere sagt Dunaway heute, dass sie froh sei, oft „die heißen Rollen“ bekommen zu haben: „Ich habe Karriere gemacht, und ich habe sie gut gemacht.“ Was neue Rollen angeht, sieht Dunaway sich gehandicapt durch die starken Charaktere, die sie früher gespielt hat. „Sie haben mir das Image eingebracht, unverwundbar, unwirklich und wenig mitfühlsam zu sein. Das Publikum verbindet mich immer noch mit diesen starken Frauen“, klagt sie. „Ich suche Rollen, in denen ich zwar immer noch stark sein kann, aber gleichsam auch weicher und sanfter und mehr von dem wiederspiegeln kann, was ich heute bin.“ Das derzeitige Filmgeschäft sieht die Oscar-Preisträgerin aber eher kritisch, weil das Geschäftliche sehr in den Vordergrund gerückt sei: „Ein Film ist nicht mehr nur ein Film, sondern ein Franchise.“ Auch sei ein Mangel an schauspielerischem Talent bei den Darstellern kein Problem mehr.

Kein Glück mit
ihren Ehemännern

Trotz solcher Kritik ist Dunaways 36-jähriger Sohn Liam („der wichtigste Mensch in meinem Leben“) ebenfalls Schauspieler geworden. Als ihre aktuellen Leinwandlieblinge nennt Dunaway Naomi Watts, Julianne Moore, Jennifer Lawrence, Melissa McCarthy, Bradley Cooper und „den wunderbaren Christian Bale“. Mit eigenen Partnern hatte die Diva nicht sehr viel Glück. Nach zwei gescheiterten Ehen lebt sie derzeit alleine, obwohl sie Zweisamkeit für wichtig hält und glücklich wäre, wenn sie wieder jemanden fände. „Aber ich bin eine Einzelgängerin. Ich bin gern alleine und konzentriere mich auf meine eigenen Dinge.“

Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Faye Dunaway, geboren am 14. Januar 1941 in Bascorn/Florida, machte nach ihrem Kunststudium eine Theaterausbildung und hatte 1962 ihre erste größere Rolle in „A man for all seasons“. Mit der Hauptrolle in „Bonnie and Clyde“ (1967) wurde sie zum Star und spielte danach in Filmen wie „Thomas Crown ist nicht zu fassen“, „Little Big Man“, „Chinatown“ oder „Die drei Tage des Condor“. Für ihre Rolle als skrupellose TV-Produzentin in „Network“ erhielt sie 1977 den Oscar, dazu kommen insgesamt noch zehn Oscar-Nominierungen und drei Golden Globes. Sie wurde aber in den 80ern auch einmal zur „schlechtesten Schauspielerin des Jahrzehnts“ gewählt. Ab dieser Zeit wurden große Filmerfolge seltener, sie war öfter in TV-Serien zu sehen. 2011 bekam sie in Cannes den französischen „Orden der schönen Künste und der Literatur“. Von 1974 bis 1979 war sie mit dem Rockmusiker Peter Wolff und von 1983 bis 1987 mit dem Fotografen Terry O’Neill verheiratet. Mit O’Neill hat sie seit 1980 den gemeinsamen Sohn Liam.

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