…Jasmin Wagner?
…Jasmin Wagner?
3. März 2017

Unter dem Namen „Blümchen“ war sie als Pop­sängerin in den 90er-Jahren die erfolgreichste deutsche Solo­künstlerin, hat 30 Millionen Platten verkauft und viele Musikpreise eingeheimst. Zu­­dem war sie bei verschiedenen Sendern als TV-Moderatorin tätig. Heute ist die 36-Jährige eine vielbeschäftigte Theater- und Musicalschauspielerin.

Hartnäckig hielt sich schon in den Anfangszeiten der Karriere das Branchengerücht, Jasmin Wagner verleihe dem Musik-Projekt „Blümchen“ nur das Gesicht und habe ihre Hits gar nicht selbst gesungen. 2012 frischte der Musiker Jan Delay dieses Gerücht erneut auf und nannte die Studiomusikerin Alexandra Prince als tatsächliche Blümchen-Stimme. Wagner ließ das unkommentiert, während ihr Management solche Behauptungen erneut als „völligen Unsinn“ zurückgewiesen hat. Wie dem auch sei: Das Projekt Blümchen bekam für seinen deutschen Techno-Pop fünf Goldene Schallplatten und zwei Echo-Preise und landete mehrere Top-Ten-Hits in Deutschland und Nachbarländern. Noch heute ist Wagner eine der populärsten deutschen Künstlerinnen außerhalb des deutschen Sprachraums, vor allem in Skandinavien. Dass sie durchaus selbst singen kann, wird durch ihre Mitwirkung an einigen Sampler-Alben oder eigene Songs belegt, die in Kinofilmen und bei Großereignissen zu hören waren. Wagner, seit 2007 mit eigener Schallplattenfirma, betätigte sich auch erfolgreich als Songschreiberin, etwa für Christina Stürmer und Gitte Haenning. Zudem war sie zwischen 1998 und 2011 in Werbespots verschiedener Labels zu sehen.

„Ich habe eine neue Form gefunden“

Längst abgeschüttelt hat Jasmin Wagner ihre Kunst-Rolle der 90er-Jahre als süßes „Blümchen“, auch wenn sie heute manchmal noch mit diesem Namen angesprochen werde. Den meisten Leuten sei das aber dann unangenehm, denn „sie haben begriffen, dass ich längst nicht mehr Blümchen bin. Klar, es hat einen Nostalgie-Faktor: Ich bin die Frau, die früher auf Postern in ihrem Kinderzimmer hing.“ Für sie selbst sei diese Zeit abgeschlossen: „Ich setze mich nicht in Konkurrenz zu dem Erfolg, den ich damals hatte. Ich habe für mich eine neue Form gefunden, auf der Bühne zu bestehen“, bekennt sie sich zum Theaterspielen. Sie habe heute das Gefühl, einen tollen Job und ein gutes Leben zu haben.

Dazu gehört auch ihre glückliche Ehe, die sie seit Februar 2015 mit dem Schweizer Immobilienunternehmer Frank Sippel (44) führt: „Wir sind noch in der Phase, in der es sehr leicht ist, glücklich miteinander zu sein, weil wir bisher noch nicht herausgefordert wurden“, betont Wagner. Ihre vorherige Beziehung mit einem Düsseldorfer Unternehmersohn war nämlich nach vier Jahren zerbrochen. Das Jung-Ehepaar Sippel schließt Nachwuchs nicht aus: „In meiner Lebensvision sehe ich Kinder. Aber mein Mann und ich haben keine große Eile damit“, verrät Wagner, die mit ihrem Mann aber schon bei jeder Gelegenheit das Eltern-Sein übt: „Wir sind momentan sehr für unsere Freunde da, die kleine Kinder haben. Wir helfen, dass die Eltern mal zum Schlafen oder Ausgehen kommen.“

Hauptsächlich stürzt sich Wagner aber derzeit in ihre reizvollen Theateraufgaben. Dass sie heute mit Mitte 30 auf der Bühne immer noch für jüngere Rollen besetzt wird, ist für sie kein Problem. „Ich bin eben eine Frau, die eine niedliche Ausstrahlung hat. Mittlerweile stehe ich seit gut zehn Jahren auf der Theaterbühne und bin in diesem Beruf angekommen.“ Zuletzt hatte sie vor ein paar Monaten 30 mal in dem Stück „Liebeslügen“ von Ildiko von Kürthy auf der Bühne des Hamburger Ernst-Deutsch-Theaters gestanden. Dieses Theater hat für Wagner eine ganz besondere Bedeutung: „Ich war als kleines Mädchen schon mit meinem Vater dort.“ Außerdem spiele sie ohnehin gern in Hamburg, weil sie dort zu Hause wohnen und mit dem Rad zur Arbeit fahren kann.

Silvester Stallone gab ihr Mini-Rolle

Von März bis Juni 2017 ist Wagner aber viel unterwegs und gleich in drei Theaterstücken an verschiedenen Orten zu sehen: Mit Artur Millers „Scherben“, das zuvor am Ernst-Deutsch-Theater lief, ist sie auf Tournee. Daneben spielt sie am Berliner Renaissance-Theater in der Zukunfts-Komödie „Fehler im System“ und an der Komödie Dresden in dem Karaoke-Lustspiel „Tussipark“. Trotz ihrer Erfolge will sich Jasmin Wagner nicht darauf festlegen, den Schauspielberuf dauerhaft auszuüben. „Ich weiß immer noch nicht, was ich werden will. Ich habe eine Musikkarriere gemacht, habe für andere Leute Lieder geschrieben und spiele heute Theaterhauptrollen in tollen Häusern. Ich musste nie sagen: Das mache ich jetzt mein Leben lang“, gibt sie sich offen für neue Herausforderungen. Nicht abgeneigt ist Wagner, auch wieder mal eine Filmrolle zu übernehmen, wie dies in ihren schauspielerischen Anfangsjahren schon ein paarmal der Fall war.

Noch heute erinnert Jasmin Wagner sich besonders gerne an die kleine Rolle, die ihr ihre „Zufallsbekanntschaft“ Silvester Stallone 2001 in seinem Action-Streifen „Driven“ vermittelt hat. Oder an ihre erste Hauptrolle 2006 in der internationalen Kino-Produktion „Breathfull“. Auch beim Saarbrücker Filmfestival Max Ophüls Preis 2002 war sie in dem Kurzfilm „Die Randgruppe“ zu sehen. Privat engagiert sich die Pesco-Veganerin schon seit Längerem für Kinderhilfsprojekte und den Tierschutz.

 Peter Schmidt

 

 

Zur Person;:
Jasmin Wagner, geboren am 20. April 1980 in Hamburg, bekam mit 14 Jahren einen Plattenvertrag und landete unter dem Künstlernamen „Blümchen“ 1995 mit ihrer ersten Single „Herz an Herz“ auf Chartplatz vier. Auch „Kleiner Satellit“ schaffte es in die Top Ten.
1996 bekam ihr erstes Album „Herzfrequenz“ Gold. Im gleichen Jahr moderierte sie die TV-Sendung „Heart Attack“. 1998 folgten weitere erfolgreiche Alben und Tourneen im deutschsprachigen Raum. Danach nahm sie in den USA drei Monate Schauspielunterricht. Als nach dem vierten Album 2000 der Erfolg ausblieb, wurde das Projekt „Blümchen“ beendet.
Ab 2003 veröffentlichte sie die erste Single unter eigenem Namen, zwei nachfolgende Alben floppten. Erst eine Neuauflage ihres älteren Songs „Boomerang“ kam 2010 wieder in die Charts. Seit 1996 arbeitete sie wiederholt als TV-Moderatorin (Mini-Playback-Show, Viva, Bravo-TV, Kika) und Schauspielerin. Seit 2014 steht sie überwiegend auf der Theaterbühne.

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