…Petula Clark?
…Petula Clark?
7. April 2017

In den 40er-Jahren war sie in England ein Kinder-Filmstar und verkaufte als Teenager fast 70 Millionen Platten in verschiedenen Sprachen. Weltbekannt wurde sie mit Hits wie „Downtown“ (1964) und „This is my Song“ (1967). Mit 84 Jahren steht sie noch regelmäßig auf der Bühne und hat vor fünf Monaten ein neues Album herausgebracht.

Erom now on“ (Von jetzt an) heißt Petula Clarks neuestes Album, das eindrucksvoll unterstreicht, dass die 84-Jährige vom Rentnerdasein nichts wissen will, sondern noch nach vorne schaut. Für sie ist es selbstverständlich, die aktuellen Songs auch live vor Publikum zu präsentieren, wie etwa im Vorjahr in Berlin. Zu hören ist dabei keineswegs betuliche Oldie-Musik, sondern eine frisch klingende Mischung aus Rock, Country, Musical und sogar Electro. Sie habe allerdings nicht bewusst ein modern klingendes Album machen und wie eine junge Sängerin singen wollen. Sie singe einfach so, wie sie eben immer singe. Dass das Album modern klinge, liege an den überwiegend selbst geschriebenen Songs: „Beim Komponieren schaue ich aber nicht zu sehr auf die aktuelle Pop-Musik, weil mich das zu sehr beeinflussen würde“, betont Clark, die bei vielen Titeln des Albums selbst Klavier spielt: „Es ist ein ziemlich organisches, intimes Album.“ Besonders mag sie ihre Cover-Version des Beatles-Songs „Blackbird“, zu dem sie sich von Paul McCartneys Akustik-Version inspirieren ließ. Die Musikkritik bescheinigt Petula Clark immer noch eine große Stimmkraft. „Meine Stimme ist noch gut in Schuss! Ich mache gar nichts dafür. Ganz offensichtlich hab ich einfach Glück.“ Die Kraft, mit 84 noch auf Tournee zu gehen, schreibt Clark neben „gutem Kaffee“ vor allem ihrer Liebe zu Liveauftritten zu und dem guten Gefühl, das diese ihr vermitteln: „Ich sehe es als großes Privileg, dass ich das nach der langen Zeit immer noch machen kann. Schon als kleines Mädchen hatte ich diese große Liebe zur Musik, und die legt man im Alter nicht ab.“

Schon mit sieben
auf der Bühne

Petula Clarks Karriere ist ungewöhnlich: Schon mit sieben stand sie auf der Bühne, hatte mit elf eine eigene Radiosendung und mit zwölf ihren ersten Filmauftritt. Bis 1950 wirkte sie in über 50 Filmen mit und hatte bis 1957 schon sieben Titel in den englischen Charts. Weil sie sich in England nicht mit 25 Jahren noch als „jugendliche Sängerin“ vermarkten lassen wollte, zog sie 1957 nach Frankreich um. Dort war sie durch einige französische Lieder und ein Konzert im Pariser „Olympia“ keine Unbekannte mehr. In den folgenden Jahren hatte Clark mehr Hits in Frankreich als in ihrer Heimat und produzierte zeitgleich auch erfolgreich Platten in deutscher, spanischer und italienischer Sprache. Ab 1961 bediente sie auch wieder den englischen Markt und landete mit einem Cover von Lolitas „Seemann“ (Sailor) erstmals auf Platz 1. Ihre Zusammenarbeit mit dem Produzenten und Songwriter Tony Hatch ab 1964 leitete ihre erfolgreichste Phase ein. Vor allem mit „Downtown“ gelang ihr der weltweite Durchbruch. In England nur auf Platz 2, schaffte es der Ohrwurm in den USA, in Deutschland und vielen anderen Ländern ganz an die Chartspitze. Dafür gab es den Grammy für die beste Rock’n’Roll-Single. Bis heute singt Petula Clark „Downtown“ noch sehr gern in ihren Konzerten: „Es ist ein wichtiger Song für mich und ein verdammt guter. Wenn ich irgendeinen dämlichen Song Nacht für Nacht singen müsste, wäre das was anderes.“ Clark kam bis 1982 noch mit 22 Titeln in die amerikanischen Top 100, erhielt noch einen weiteren „Grammy“ und wurde in den USA als erste britische Sängerin zum Superstar. Viele ihrer Titel wurden internationale Hits und auch in der jeweiligen Landessprache veröffentlicht, etwa „I know a Place“, „My Love“ und „This is my Song“ (So heißt mein Song), dem Titelsong aus Chaplins letztem Film „Die Gräfin von Hongkong“. Insgesamt brachte Clark 159 Singles in die Top 40.

„Keine Zeit, mich einsam zu fühlen“

Gerne erinnert sie sich heute zurück an Begegnungen mit großen Stars ihrer Zeit: Sie hat mit Fred Astaire getanzt, mit John Lennon und Yoko Ono „Give Peace a Chance“ und mit Harry Belafonte ein Duett gesungen, für Charles Aznavour komponiert und heftige Flirts von Elvis Presley abwehren müssen. Froh ist Clark darüber, dass zu ihrer Zeit Sängerinnen sich noch nicht zu Promotion-Zwecken leicht bekleidet in Videoclips räkeln mussten: Manches grenze da heute schon an Porno, klagte sie kürzlich: „Wäre ich dazu bereit gewesen? Vermutlich nicht. Aber es wurde auch von mir nicht erwartet.“ Zudem hätte ihr recht eifersüchtiger Mann Claude Wolff wohl etwas dagegen gehabt. Das seit 56 Jahren verheiratete Paar ist zwar schon länger getrennt, wohnt aber in Genf immer noch in einem gemeinsamen Appartement. „Wir sind immer da füreinander, aber er hat sein Leben, ich meines“, erzählt Clark. Sie könne aber auch gut alleine sein und habe immer etwas zu tun: „Ich schreibe, ich lese, ich gehe zu Shows, besuche Kunstgalerien, und ich liebe die Oper.“ Außerdem besuche sie oft ihre drei Kinder, die in aller Welt leben: Eine Tochter wohnt in Paris, die andere mit Kindern in New York und der Sohn in Kalifornien. „Ich habe gar keine Zeit, mich einsam zu fühlen.“

Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Petula Clark, geboren am 15. November 1932 in Epsom/GB, stand schon mit sieben Jahren auf der Bühne, hatte mit elf eine eigene Radiosendung und mit zwölf ihre erste Filmrolle. 1950 bekam sie einen Plattenvertrag und landete 1953 ihren ersten Chart-Erfolg mit „Where did my snowman go“, bis 1957 folgten vier weitere. Danach siedelte sie nach Frankreich um und hatte dort mehrere französischsprachige Hits. In Deutschland erreichte sie 1962 mit „Monsieur“ Platz Nr. 1 und eine Goldene Schallplatte. Bis 1971 erschienen 22 Singles in deutscher Sprache. „Downtown“ wurde 1964 zum Welt-Hit, dem dann „My love“ (1966) und „This is my song“ (1967) folgten. Zwischen 1945 und 1980 wirkte sie in rund 60 Filmen und in den 90er-Jahren auch in Broadway-Musicals mit. Von der Queen wurde sie 1998 zum Commander of the British Empire ernannt. Sie ist seit 1961 mit dem französischen Journalisten Claude Wolff verheiratet und hat mit ihm drei Kinder. Sie lebt in Genf und in London.

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