…Sabrina Setlur?
…Sabrina Setlur?
5. Mai 2017

Mehr als durch ihre kurze Liaison mit Boris Becker machte sie vor gut 20 Jahren durch ihre Rap-Erfolge im Umfeld von Xavier Naidoo und Moses Pelham von sich reden. Als erste deutsche Rapperin erhielt sie zwischen 1995 und 2007 zahlreiche Musikpreise. Seitdem arbeitet sie als Event-Managerin. Ab September ist die Sängerin in einer Bülent-Ceylan-Komödie im Kino zu sehen.

Auf ihre frühere Karriere als Pop-Star angesprochen, sagt Sabrina Setlur heute: „Pop-Star? Das Wort mochte ich noch nie. Ich werde auch älter. Daher sind meine Ziele heute auch anders.“ Seit ihrer letzten Plattenveröffentlichung 2007 hat sich die 43-Jährige aus dem Musikgeschäft zurückgezogen und arbeitet weitgehend außerhalb der Öffentlichkeit als Event- und Party-Managerin. In dieser Funktion hat sie 2013 erstmals den Sportpresseball in Frankfurt mitorganisiert. Sie war für die Abendgestaltung in der Mitternachtsdisco zuständig und hat dort selbst Musik aufgelegt. Setlur hat sich mit ihrer neuen Rolle längst identifiziert, auch wenn sich ihr Leben dadurch deutlich von ihrem Popmusik-Dasein unterscheidet.

„Ich konnte mir eine Auszeit erlauben“

„Neben dem künstlerischen Dasein gibt es auch eine private Sabrina Setlur. Und die hat sich nun wiedergefunden in dieser neuen Aufgabe.“ Sie sei glücklich mit ihrem neuen Job: „Ich bin wieder selbstständig und kann kreativ arbeiten.“ Gerade den Sportpresseball mag die Rapperin ganz besonders und ist dort regelmäßig zu Gast. Eine Ball-Premiere feierte sie dagegen kürzlich in Dresden beim festlichen Semperoper-Ball. „Ich bin das erste Mal hier und bin sehr stolz und aufgeregt. Das, was ich heute erlebe, ist für mich was ganz, ganz Neues“, betonte sie in einem Statement vor Ballbeginn. Zuvor hatte sie sich jahrelang weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, vor allem, nachdem ihre Karriere im Jahr 2000 einen Knick bekam. Einige Plattenveröffentlichungen floppten, eine Tournee wurde 2008 wegen mangelnder Nachfrage abgesagt. Mediales Echo fanden dann nur noch nicht-musikalische Ereignisse. 2001 hatte sie eine Affäre mit Boris Becker. „Ich habe aber keinen Grund, meine Lebensgeschichte an Boris Becker festzumachen. Ich habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt und bin im Nachhinein zum Schluss gekommen, dass es Schwachsinn war“, blickt sie auf die nur 70 Tage währende Beziehung zurück. Damals soll sie allerdings unter Depressionen gelitten haben, es war von Magersucht und Drogen die Rede, von finanziellen Problemen und alkoholbedingtem Führerscheinentzug. Sie habe diese erfolglose Zeit als „schweren Rückschlag“ erlebt: „Ich war enttäuscht und habe überlegt, woran es liegt. Aber es war nicht so, dass man an sich gezweifelt hat: Die Zeiten ändern sich halt“, rätselt sie immer noch über das schnelle Aus.

Als 2007 ein Comeback-Album floppte, gab Setlur ihre Musikpläne zumindest vorerst auf. „Ich konnte mir eine Auszeit erlauben. Ich habe mir gesagt, ich atme mal durch und ziehe mich zurück. Ist vielleicht auch gut, wenn es nicht wieder so ein Trubel wird.“ Mit ihrer Schwester Yvonne bezog sie eine Mietwohnung im Reihenhaus und hat eine Zeit lang auch als Model-Scout gejobbt. Heute hat sie genug Abstand zum Starrummel und zu der nachfolgenden erfolglosen Phase gewonnen. „Ich bin einer der normalsten Menschen der Welt. Ich stehe im Lebensmittelladen in der Schlange, ich mache meine Wäsche, treffe Freunde, gehe ins Kino.“

Zwischenzeitlich hatte Setlur 2009 an der Sat1-Sendung „Die Promi-Singles – Traumfrau sucht Mann“ teilgenommen, die jedoch wegen schlechter Quoten schnell eingestellt worden ist. Fünf Jahre lang war sie danach nicht mehr auf dem Bildschirm und nur selten in den Medien zu sehen. Erst im November 2014 stand sie dann wieder in der Vox-Show „Grill den Henssler“ am Herd und im September 2015 konnte sie bei der „Promi-Shopping-Queen“ ihre Outfit-Mitbewerberinnen ausstechen. Ab 2014 gab Setlur auch ihre Zurückhaltung in den Sozialen Netzwerken wieder auf und ist heute bei Facebook und Instagram präsent. Auch bei Events oder Fashion-Weeks konnte man sie ab und zu treffen. Obwohl Sabrina Setlur derzeit mit der Veranstaltungsorganisation und Show-Moderationen ihr Auskommen hat, ist sie noch nicht ganz weg von der Musik: „Ich würde mir wünschen, nochmal ein Album zu machen. Aber ich kann nicht sagen, es passiert dann und dann“, verriet sie kürzlich. Vielleicht hat zu diesem Wunsch ja beigetragen, dass vor einem guten Jahr der Refrain ihres ersten Nummer-Eins-Hits „Du liebst mich nicht“ in dem gleichnamigen Song von Ado Kojo und der Youtuberin Shira David wieder aufgetaucht ist? Vorerst versucht Setlur sich aber auf einem ganz anderen und für sie noch einmal ganz neuen Terrain: Sie spielt in der Film-Komödie „Verpiss dich, Schneewittchen“ des Mannheimer Comedians Bülent Ceylan eine Nebenrolle. Die Dreharbeiten des von Oliver Berben produzierten Streifens fanden im vergangenen Jahr statt und sind seit September 2016 beendet. Setlur-Fans dürfen sich nun auf das Leinwand-Debüt der ersten deutschen Rapperin freuen: Der Kinostart ist für den 21. September vorgesehen.

Urheberrechte-Streit geht vor Gericht

Immer noch nicht ausgestanden ist auch ein alter Urheberrechtsstreit, der den Setlur-Song „Nur mir“ betrifft, weil Produzent Moses Pelham eine kurze Tonfolge eines „Kraftwerk“-Titels eingebaut hat. Die Angelegenheit beschäftigt nun zum dritten Mal den Bundesgerichtshof und eventuell auch den Europäischen Gerichtshof. Viel Aufwand für eine „geklaute“ Zwei-Sekunden-Sequenz.

Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Sabrina Setlur, geboren am 10. Januar 1974 in Frankfurt, wurde während ihrer Gymnasialzeit entdeckt und wirkte 1993 als Rapperin bei einer Produktion des Rödelheim-Hartreim-Projektes mit. Sie brach ihr BWL-Studium ab und unterschrieb einen Plattenvertrag. Als „Schwester S“ gelang ihr 1995 der Durchbruch mit ihrer zweiten Single „Ja klar“ und dem Album „S ist soweit“. 1996 erhielt sie den Musikpreis Echo und eine Hip-Hop-Sendung beim Radiosender HR3. Mit dem zweiten Album „Die neue S-Klasse“, das sich 300.000 mal verkaufte, und der Auskopplung „Du liebst mich nicht“ landete sie 1997 auf Platz 1 der deutschen Charts. Mit „Glaubst du mir?“, „Nur mir“ und „Folge dem Stern“ hatte sie weitere Hits. Auch die Alben „Aus der Sicht …“ (1999) und „Sabs“ (2003) wurden beachtliche Erfolge und brachten ihr weitere Musikpreise ein. Mit dem wenig erfolgreichen fünften Album „Rot“ (2007) endete die Pop-Karriere. Seitdem arbeitet Setlur als Event-Managerin.

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