…Sidney Poitier?
…Sidney Poitier?
17. Februar 2017

Er war der erste afroamerikanische Schauspieler, der mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, und so den Weg für viele dunkelhäutige Kollegen geebnet hat. Zahlreiche Film-Hits machten ihn in den 60er-Jahren zum best­bezahlten Schauspieler. Der heutige Japan- und Unesco-Botschafter wird am 20. Februar 90 Jahre alt.

Als die weiße amerikanische Schauspielerin Anne Bancroft den jungen Poitier 1964 bei der Oscar-Überreichung küsste, war das eine Sensation. Der erste Oscar für einen Afroamerikaner galt als Symbol dafür, dass sich die rassistischen Einstellungen in den USA allmählich ändern könnten. Gut fünf Jahrzehnte später zeigt sich allerdings, dass in dieser Hinsicht noch viel zu tun bleibt.

Trotzdem wurde Sidney Poitier mit gutem Aussehen, kultivierter Stimme und großer Bühnenpräsenz zum Sympathieträger aller Amerikaner. „Er macht keine Filme, sondern Meilensteine“, jubelte ein Filmkritiker. Poitier ist stolz darauf, mit seinen Filmen gegen den Rassismus angekämpft zu haben. „Wenn man sich an mich erinnert, weil ich ein paar gute Dinge getan habe, und mein Wirken einige gute Energien entzündet hat, dann ist das eine ganze Menge“, betont der knapp 90-Jährige. „In meinen Filmen habe ich immer auch ein Stück meiner Lebensgeschichte erzählt. Damit konnte ich die Tür für afroamerikanische Talente ein wenig öffnen.“ Dieses Verdienst wurde 2016 erneut gewürdigt: Poitier erhielt die Fellowship, die höchste Auszeichnung der britischen Film- und Fernsehakademie Bafta. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Altstar die Auszeichnung nicht selbst entgegen nehmen. Anlässlich der Ehrung hatte Poitier keinen Hehl daraus gemacht, dass ihn die zuvor bekannt gewordenen sexuellen Verfehlungen seines früheren Kollegen Bill Cosby schwer angegriffen haben. Poitiers etliche Auszeichnungen wurde zuletzt noch von Barack Obama mit der Präsidenten-Friedensmedaille (2009) und von der Film-Akademie mit dem Chaplin Livetime Achievement Award (2011) ergänzt. Seit 2014 gehört der Oscar-Preisträger auch der „American Academy of Achievement“ an.

Anfang der 70er
 zog er sich wegen Kritiken zurück

Poitiers Karriere begann 1950 mit „No way out“ („Der Hass ist blind“). Erste große Erfolge kamen dann 1955 mit „Blackboard Jungle“ („Die Saat der Gewalt“), vor allem aber mit seinen Rollen als Sträfling in „Flucht in Ketten“ (1958) oder als Detektiv in „In der Hitze der Nacht“ (1967). Als erster Farbiger küsste er in einem Film („Rat mal, wer zum Essen kommt“, 1967) eine weiße Frau, auch wenn diese Szene nur im Rückspiegel eines Taxis zu sehen war. Immer wieder wurde in Poitiers Filmen das Thema „Rassendiskriminierung“ aufgegriffen, wofür er von Bürgerrechtlern gefeiert wurde, von Teilen der afroamerikanischen Bewegung aber als „angepasster weißer Schwarzer“ kritisiert worden ist.

Aufgrund solcher Kritik hatte sich Poitier Anfang der 70er-Jahre eine Zeit lang auf die Bahamas zurückgezogen, um auch als Regisseur zu arbeiten. Seine Komödie „Zwei wahnsinnig starke Typen“ (1980) knackte als erster Film eines dunkelhäutigen Regisseurs die 100-Millionen-Dollar-Marke. Nachdem 1990 sein Film „Ghost Dad“ mit Bill Cosby floppte, stellte Poitier seine Arbeit als Regisseur ein. Als Schauspieler war er schon in den 80er-Jahren wieder vor die Kamera zurückgekehrt: In „Ein mörderischer Vorsprung“ und „Little Nikita“ (beide 1988), „Sneakers“ (1992), „Der Schakal“ (1997) oder „Das Leben ist was Wunderbares“ und „Ein besseres Leben“ (beide 1999) zeigte Poitier noch mal sein herausragendes schauspielerisches Können. Zur Jahrtausendwende gab er jedoch bekannt, künftig nicht mehr als Schauspieler und Regisseur zu arbeiten: „Ich kann mir kein Drehbuch vorstellen, das mich von diesem Entschluss abbringen könnte.“ Als „kreativen Ausgleich“ hat Poitier dann einen Science-Fiction-Roman geschrieben, der in einem zweiten, von Erdlingen entdeckten Universum spielt.

„Wichtig ist mir
mein Gesamtwerk“

Für seine Rollen und sein politisches Engagement wird Poitier von vielen farbigen Kollegen als Vorbild verehrt. Bis heute fördert er afro-amerikanische Nachwuchsschauspieler und freut sich natürlich sehr, dass Oscars und Golden Globes für Farbige inzwischen keine Ausnahme mehr sind. 2012 konnte er selbst einen Golden Globe an Morgan Freeman überreichen. Damit auch andere Menschen von seinen Erfahrungen profitieren können, hat Poitier inzwischen drei Autobiografien verfasst. Für die selbstgesprochene Audio-Version seiner zweiten, „The Measure of a Man“, erhielt er 2000 den Grammy für das beste Hörbuch. Seine letzte Autobiografie erschien 2008 unter dem Titel „Life Beyond Measure –

Briefe an meine Urenkelin“. Mit seiner zweiten Frau, der Schauspielerin Joanna Shimkus, mit der er seit 1976 verheiratet ist, lebt Poitier seit 15 Jahren in einer Villa in Beverly Hills, wo er in seinem Wohnzimmer zeitgenössische Kunst zusammengetragen hat. Dort steht auch sein Oscar in einer Vitrine. „Man sollte aber diese Figur nicht überbewerten. Wichtig ist mir mein Gesamtwerk“, betont der bescheiden gebliebene Jubilar. So hat er es auch stets abgelehnt, seinen 1974 von der Queen verliehenen Titel „Sir“ zu tragen. Und bis heute fährt er mit seinem Auto noch selbst zum Tanken an die örtliche Tankstelle.

Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Sidney Poitier, am 20. Februar 1927 in Miami/Florida geboren, kam auf der Überfahrt von den Bahamas nach Florida zur Welt und wuchs in   seiner Heimat, den Bahamas, auf. Mit 15 kam er in die USA, wo er ab 1945 in New York am Negro Theatre erste Rollen spielte und den Sprung an den Broadway schaffte. 1950 bekam er seine erste Filmrolle und spielte in der Folge als erster dunkelhäutiger Amerikaner Hauptrollen in Hollywood-Produktionen. 1964 erhielt er den Oscar für die Hauptrolle in „Lilien auf dem Feld“. Film-Hits wie „Flucht in Ketten“, „Porgy and Bess“, „Rat mal, wer zum Essen kommt“ oder „In der Hitze der Nacht“ machten ihn in den 60er-Jahren zum weltweit bestbezahlten Schauspieler. Ab Anfang der 70er-Jahre war er auch als Regisseur tätig. 2002 bekam er den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Er ist seit 1997 Botschafter der Bahamas in Japan und bei der Unesco. Er ist zum zweiten Mal verheiratet und hat sechs Kinder.

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