…Stephan Remmler?
…Stephan Remmler?
13. April 2017

Der „Trio“-Hit „Da da da“ startete in den frühen 80er-Jahren seinen Siegeszug rund um den Globus und genießt auch heute noch Kultstatus. Sänger Stephan Remmler, einziger Überlebender der Band, arbeitet heute als Musikproduzent und hat 2015 ein Kinderbuch veröffentlicht.

Fast hätte es demnächst im Fernsehen ein Wiedersehen mit Stephan Remmler gegeben. Der clowneske Trio-Frontmann mit dem unbeweglichen Gesichtsausdruck war eigentlich als Teilnehmer des populären Tauschkonzertes „Sing meinen Song“ vorgesehen, wurde kürzlich aber von Vox ohne Angabe von Gründen zugunsten von Rapper Gentleman von der Besetzungsliste gestrichen. Dabei wäre „Da da da“ in der Version etwa von Lena Meyer-Landrut sicher ein Hinhörer geworden. Nun kann Stephan Remmler in seinem Haus in Lanzarote seinem Nachfolger entspannt im Liegestuhl lauschen. Auf die Kanaren-Insel hatte er sich vor einigen Jahren mit seiner Frau, einer brasilianischen Innenarchitektin, zurückgezogen, als die Erfolge seltener wurden und er an der Fortsetzung seiner Karriere auch nicht mehr wirklich Interesse zeigte.

„Das Lied bezahlt mir meine Miete, das Essen, die Ferien“

Remmler gehört zu den Musikern, die von einem einzigen Hit ein Leben lang zehren können: „Das Lied bezahlt mir bis heute meine Miete, das Essen und die Ferien“, gibt er offen zu. Die Entstehung von „Da da da“ entsprang einem Zufall: Remmler bekam 1982 in seiner Wohnung im niedersächsischen Großenkneten mit, dass im Stockwerk darüber sein Bandkollege Kralle Krawinkel versuchte, auf seiner Gitarre Songs im Stile von Jimi Hendrix zu komponieren. Remmler haute dazu spontan auf seinem Spielzeug-Keyboard in die Tasten, stammelte einen Nonsens-Text dazu und trommelte sofort noch Trio-Drummer Peter Behrens herbei: Schnell war „Da, da, da“ zusammengestückelt und eroberte bald weltweit die Charts. Obwohl dann noch einige weitere erfolgreiche Songs folgten, stellt „Da da da“ das frühe Meisterwerk der Großenknetener Band dar, das mit seinem Minimalismus Musikgeschichte geschrieben und auch heute längst noch nicht ausgedient hat. Remmler sang den Titel 2010 mit dem Rapper Sido und später auch noch mit Senor Coconut und vermarktete ihn geschickt für Werbespots von Volkswagen, Pepsi, Microsoft und eine österreichische Supermarktkette. In neuerer Zeit hört man ihn damit bei einer Smartphone- und einer Payback-Werbung und in der Schweiz bei einem Carsharing-Spot. „Zweckentfremdete Brauchbarkeit“ habe schon immer zur Trio-Musik gehört, kommentiert Remmler solche Song-Verramschung.

Keine neue CD
zum 70. Geburtstag

Ganz lassen konnte Remmler aber nie von der Musik: Mal veröffentlichte er ein Album mit Freddy-Quinn-Titeln, mal verkörperte er bei Peter Maffays „Tabaluga“ den Kratermann, mal komponierte er mit seinen drei Söhnen Cecil, Jonnie und Lauro ein Album, das dann nie veröffentlicht wurde. Erfolge wurden sie alle nicht, denn Remmler orientiert sich nicht am Markt, sondern produziert nur Musik, die ihm selbst gefällt: „Ich kann mir meine Musik leisten“, verkündet der „radikale Vereinfacher“ nicht ohne Stolz. Dennoch war von der musikalischen Avantgarde der Anfangszeit bis zum Bierzelt-Schlager „Alles hat ein Ende ...“ ein Niveauverlust unverkennbar. „Durch die vielen Möglichkeiten, die wir plötzlich hatten, ging die Einzigartigkeit verloren“, gibt sich Remmler heute kritisch. 2006 versuchte er einen Neuanfang und produzierte mit seinem Sohn Cecil ein Album, das wenigstens noch mal auf hintere Chart-Plätze kam. Das Vater-Sohn-Duo sorgte 2007 auch für den Soundtrack der Tommy-Jaud-Verfilmung „Vollidiot“ und Remmler landete zusammen mit Nena und Oliver Pocher einen Top-Ten-Erfolg mit dem Cover-Song „Ich kann nix dafür“. Ansonsten steht er bei seinen Musikprojekten nicht mehr in vorderster Front. Zwischen 2013 und 16 etwa komponierte und produzierte Remmler Schlager für Sarah Jane Scott, die Lebensgefährtin seines Sohnes Cecil. 2014 kam das vorerst letzte eigene musikalische Lebenszeichen Remmlers: Der Trio-Frontmann nahm seinen Solo-Hit „Keine Sterne in Athen“ zusammen mit der Band LaBrassBanda für deren Album auf. Während Remmler sich zu seinem 60. Geburtstag noch eine Comeback-CD mit neuzeitlichen Rhythmen gegönnt hat („Einer muss der Beste sein“), blieb das vor einem halben Jahr zum 70. aus: „Eine Solo-CD von Stephan Remmler wird es nicht mehr geben. Alles, was zu erzählen war, ist erzählt. Damit bin ich durch“, verkündete der Sänger kürzlich. Eine Autobiografie will er auch nicht schreiben: „Mir ist nichts in meinem Leben peinlich. Aber ich muss auch nicht alles Erlebte skandalmäßig hochhalten! Und ich will vor allem nicht, dass meine Kinder das lesen.“ Zu seinen Kindern hat Remmler eine besondere Beziehung, nicht nur, weil sie sich das Interesse an der Musik teilen. Weil er seinen drei Jungs früher immer Stehgreif-Geschichten erzählt habe, sei ihm die Idee gekommen, selbst ein Kinderbuch zu schreiben: 2015 erschien dann „Heinrich, Schweinrich und die fliegenden Krokodile“.

Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Stephan Remmler, geboren am 25. Oktober 1946 in Witten, veröffentlichte in den 70ern als Rex Carter einige Schlager. Der Hauptschullehrer gründete mit Kralle Krawinkel und Peter Behrens 1979 die Band Trio, die 1982 mit „Da da da“ einen Welthit landete. Nach der Auflösung von Trio 1986 war er als Solist mit Titeln wie „Keine Sterne in Athen“ oder „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ erfolgreich. Von seinen weiteren Alben war nur „Lotto“ (1988) ein Achtungserfolg. 2006 veröffentlichte er dann das von seinem Sohn Cecil produzierte Album „1, 2, 3, 4…“. 2007 steuerten er und Cecil den Soundtrack zum Film „Vollidiot“ bei. Heute arbeitet er überwiegend als Musikproduzent. 2015 erschien sein Kinderbuch „Heinrich, Schweinrich und die fliegenden Krokodile“. Er ist mit der Brasilianerin Hilana Raitzik verheiratet. Das Paar hat drei Söhne, lebt in Basel und auf Lanzarote.

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