…Walter Momper?
…Walter Momper?
10. März 2017

Von 1989 bis 1991 war er Regierender Bürgermeister in Berlin und von 2001 bis 2011 Präsident des Abge­ordneten­hauses von Berlin. Aus der Politik hat sich der heute 72-Jährige zurückgezogen und entwickelt mit seiner Firma Projekte für Bauträger.

Er empfängt in seinem Büro in der Nähe des Axel-Springer-Hochhauses: Walter Momper – Projektentwicklungs GmbH steht auf dem Klingelschild. Er macht heute, was er auch als Regierender Bürgermeister versuchte: Unternehmen in Berlin anzusiedeln. Seine Ein-Mann-Firma entwickelt Projekte für Bauträger, vom Grundstückserwerb bis zur Baureife. Seine Kunden kommen vorwiegend aus dem Einzelhandel. Für sie sucht er baureife Grundstücke in Berlin und Brandenburg. Auf seiner Homepage steht als eines seiner Referenzprojekte: Ikea. In Sachen Immobilien ist er seit 1992 tätig. Nach der Wahlniederlage der SPD im Dezember 1990 kam es unter Eberhard Diepgen zu einer Großen Koalition. Momper verzichtete auf einen Senatorenposten, blieb aber SPD-Landesvorsitzender im vereinigten Berlin, ein unbezahltes Ehrenamt. Um sich finanziell abzusichern, bemühte er sich vergebens um den Chefposten der Berliner Olympia GmbH.

Am 1. August 1992 trat er überraschend als Generalbevollmächtigter in die Bau- und Immobilienfirma des ehemaligen Fernsehjournalisten Gert Ellinghaus ein. Das sorgte in der SPD für erhebliche Aufregung, zählte Ellinghaus doch zu einem der „Baulöwen“, der tief in politischen Skandalen steckte. Momper trennte sich im Streit von Ellinghaus, trat im August 1992 von seinem Amt als Landesvorsitzender zurück und gründete eine eigene Firma (Momper Projektentwicklungs GmbH). Natürlich kam ihm seine Erfahrung als Berliner Landespolitiker zugute: Er kannte sich auf dem Grundstücksmarkt aus, konnte abschätzen, wie sich die Stadt entwickeln würde und verfügte über ein Netzwerk von Kontakten.

Mit Berlins Entwicklung ins­gesamt zufrieden

Mit der Entwicklung, die die Stadt genommen hat, zeigt er sich insgesamt zufrieden. Der ehemalige Mauerstreifen, auf dem das Hochhaus mit seinem Büro steht, ist inzwischen zugebaut. Es entstanden Wohnungen, Geschäftshäuser und Büros – wie vieles in Berlin ist heute nichts mehr von der Vergangenheit zu sehen. Dass für Eigentümer die Kosten pro Quadratmeter mittlerweile bei rund 4.000 Euro liegen, erklärt er damit, dass Bauen einfach teurer geworden ist. „Sie müssen 1.000 Euro für das Grundstück rechnen, mindestens 2.500 Euro Baukosten – dazu noch ein Sicherheitspuffer, das ist in dieser Gegend normal“, sagt Walter Momper. Auch dass bei Mietpreisen unter zehn Euro nicht mehr zu bauen ist, findet er in Ordnung. „Wenn Sie die Miete auf 6,50 Euro für einen Teil der Wohnungen, die gebaut werden, begrenzen wollen, wie es der Senat heute tut, werden die Wohnungen im hochpreisigen Segment eben noch teurer.“ Von einer Deckelung der Mieten hält er nichts. „Das einzige Mittel gegen die Teuerung ist, viel zu bauen, also das Angebot auszuweiten.“

Seit 2011 hat sich Walter Momper aus der Politik verabschiedet. „32 Jahre Berliner Abgeordnetenhaus – das war wirklich lange genug“, seufzt er. Es war ein klarer Schnitt. „Ich bin Privatier, mit der Politik habe ich nichts mehr zu tun“. Auch als „Elder Statesman“ sah er sich nie. „Die Jungen hören sowieso nicht auf den Rat der Älteren, die müssen ihre Erfahrungen selber machen.“

Der Mauerfall, der ihn und seinen roten Schal einst berühmt machte, verblasst heute immer mehr. „Man denkt kaum noch daran, ob man im Osten oder im Westen der Stadt ist. Für die Jüngeren spielt das sowieso keine Rolle mehr, für die bin ich längst Geschichte.“ Schließlich ist das Ereignis schon 27 Jahre her. In dieser Zeit seien diejenigen, die zugezogen sind, längst erwachsen geworden. „Berlin ist die jüngste Großstadt Deutschlands“, sagt er. „Wer hätte damals gedacht, dass Berlin heute Jahr für Jahr um 40.000 bis 50.000 Menschen wächst?“

In die Innenstadt geht’s mit dem Rad

Gestalten würde er schon gerne so einiges in der Stadt. Die Gegend um das Rote Rathaus und den Fernsehturm bezeichnet er als eine einzige „Wüstenei“ – da fehle jede städtebauliche Idee. Auch der Alexanderplatz gefällt ihm so nicht. „Der gehört verkleinert.“ Der Neubau des Schlosses sei gelungen, aber um das Schloss herum sollte man lieber an eine historische Gestaltung denken als an diese „Einheitswippe“. „Das Ding ist sowieso nach einem Jahr kaputt und steht dann nur herum. Für mich ist das Symbol der Einheit das Brandenburger Tor – das war vor dem Mauerfall so, das bleibt auch so.“ Er selbst wohnt mit seiner Familie immer noch in Kreuzberg. Die zwei Töchter mit den beiden Enkelkindern (vier und eineinhalb Jahre alt) leben ganz in der Nähe, sodass er und seine Frau immer wieder beim Aushelfen gefragt sind. Spazieren geht er gern, auch mal wandern. „Und in die Innenstadt fahren meine Frau und ich mit dem Fahrrad.“

Den historischen roten Schal von 1990 hat er noch – der komme erst nach seinem Tod ins Museum. „Das war damals ein Zufall, dass ich den um hatte. Ein Gastronom, bei dem wir als Senat oft gefeiert haben, hat ihn mir geschenkt.“ Heute wechselt er alle zwei, drei Jahre den roten Schal. Die abgelegten lässt er dann versteigern – für einen guten Zweck.

Volker Thomas



Zur Person

Walter Momper, geboren am 21. Februar 1945 in Sulingen (Niedersachsen), studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft an den Universitäten Münster, München und an der Freien Universität Berlin. 1967 schloss sich Momper der SPD an, war von 1969 bis 1971 Vorsitzender der Kreuzberger Jusos. Über Kreuzberg stieg er in der Partei auf: 1974 stellvertretender Kreisvorsitzender, 1975 Kreisdelegierter, 1978 Mitglied im Landesvorstand. Dem Berliner Abgeordnetenhaus gehörte Momper seit April 1975 an. 1980 bis 1985 war er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, danach Fraktionschef und 1986 Landesvorsitzender (Spitzname „Doppelmomper“). Im Juni 1988 trat er als SPD-Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters gegen Amtsinhaber Eberhard Diepgen (CDU) an. 2001 wurde er zunächst Vizepräsident und dann Präsident des Abgeordnetenhauses (2001 bis 2011). Am 30. Juni 2010 kündigte er an, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen.



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