Was macht eigentlich… …Esther Ofarim?
Was macht eigentlich… …Esther Ofarim?
17. März 2017

Zusammen mit ihrem Mann eroberte sie in den 60er-Jahren die Musikwelt. Das israelische Duo Esther & Abi Ofarim bekam für seine Welthits fünf Goldene Schallplatten. Esthers Schauspielkarriere führte sie 1984 nach Deutschland, wo die 75-Jährige heute noch lebt und bei Konzerten immer wieder mal auf der Bühne steht.

Immer noch gelingt es Esther Ofarim, ihr Publikum zu verzaubern. Ob bei der Gala zum 175-jährigen Bestehen des Hamburger St. Pauli-Theaters im Vorjahr oder gerade bei ihrem jüngsten Gastspiel dort am 28. Januar: Die Israelin überzeugt mit einer immer noch starken und glockenhellen Stimme. In ihrem Konzert „I‘ll see you in my dreams“ gab sie neben jüdischen Evergreens und Songs von Kurt Weill, den Beatles oder Leonhard Cohen natürlich auch zwei ihrer Klassiker zum Besten: „Morning of my life“ bildete den Schlusspunkt, aber ohne die Zugabe „Cinderella Rockefella“ ließ das Publikum sie nicht von der Bühne. Immer noch wirkt Esther Ofarim zart und zerbrechlich. Sie bekennt, sehr schüchtern zu sein und bis heute bei jedem Auftritt unter großem Lampenfieber zu leiden. Wohl wegen dieser Schüchternheit blieb ihr trotz vielversprechender Anfänge eine große Filmkarriere verwehrt.

Für die Schweiz trat sie beim Eurovision Song Contest an

1960 stand sie als Esther Reichstadt (der Name ihres Mannes Abi) gleich bei ihrer ersten Rolle in dem oscar-prämierten Historien-Streifen „Exodus“ mit Stars wie Paul Newman vor der Kamera. Ihre einzige Hauptrolle spielte sie 1963 in dem deutschen Film „Es war mir ein Vergnügen“. Danach war sie noch in einigen TV-Produktionen wie „Die große Glocke“ und „Festival der Stars“ (beide 1969) oder dem dreiteiligen Thriller „11 Uhr 20“ zu sehen. Ein Theatererfolg in Berlin und Hamburg wurde dann 1984 ihre Rolle als jüdische Sängerin Chaja in der Peter-Zadek-Erstaufführung von „Ghetto“. Wegen Zadeks Angebot und des Theatererfolges siedelte Ofarim 1987 mit ihrem zweiten Mann Philipp von Sell von New York nach Deutschland um, wo sie seitdem in dem Hamburger Grindelviertel wohnt. Eine richtige Heimat hat die vielgereiste Sängerin aber nicht: „Wenn man das daran misst, wo mein Supermarkt, meine Ärzte, die Bank und der Steuerberater sitzen, dann ist mein Zuhause eigentlich Hamburg.“ Aber egal, ob in Tel Aviv, Paris, München oder Hamburg, eigentlich fühle sie sich überall als Touristin: „Den wirklichen Heimatboden suche ich mir selbst, und diesen physischen Boden kann ich überall auf der Welt finden.“

Ihre musikalische Karriere begann Ofarim noch als Esther Zaied, ihr Geburtsname, mit Siegen beim israelischen Lieder-Festival (1961), beim Song-Festival im polnischen Zoppot (1962) und einem zweiten Platz beim Eurovision Song Contest 1963, wo sie die Schweiz mit „T‘en vas pas“ vertrat. 1965 absolvierte das Duo Esther & Abi Ofarim bereits 45 Konzerte in 32 Städten. Mit dem von den Bee Gees komponierten Titel „Morning of my life“ wurde das Paar 1967 weltbekannt und landete 1968 mit „Cinderella Rockefella“ einen weiteren Riesenhit. Unmittelbar nach einer großen Welttournee trennen sich Esther und Abi Ofarim 1970 nach neunjähriger Ehe. Esther konnte 1972 mit ihrer ersten Solo-LP „First Album“, das Lieder in hebräischer, französischer und deutscher Sprache enthielt, noch mal einen Achtungserfolg erzielen. Ende der 70er-Jahre wurde es dann ruhiger um die zierliche Israelin, auch weil sie sich allem Schlagermäßigen verwehrte. 1982 sang sie noch für ein Album Lieder von Eberhard Schöner ein und veröffentlichte in Israel ihr „Hebrew Album“ mit neu arrangierten israelischen Evergreens. Internationale Erfolge wurden beide nicht.

Auch ihr Sohn ist als Musiker erfolgreich

Ein Comeback-Angebot des Komponisten Ralph Siegel, 1997 beim deutschen ESC-Vorentscheid mit einen deutsch-israelischen Versöhnungslied aufzutreten, lehnte Esther Ofarim ab, weil Siegel eine Gagenzahlung verweigerte. Erst nach über 15 Jahren Pause trat sie anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung des Staates Israel 1998 in Hamburg erstmals wieder mit einem Liederabend auf die Bühne. Dieses inzwischen zum regelmäßigen Jahresprogramm gehörende Event fand zuerst in den Kammerspielen statt. Seit 2003 ist Ofarim ins traditionsreiche St. Pauli-Theater umgezogen, wo sie bis heute für ausverkaufte Häuser sorgt. Gastspiele führten sie ab 2003 – nach 20 Jahren Tourneepause – auch nach Dessau, Berlin, München, Bochum, Stuttgart und Düsseldorf. „Ich bin froh und glücklich, dass ich doch mit Musik zu tun gehabt habe und noch habe. Ich bin sicher, dass Musik zwar ziemlich abstrakt ist, aber doch höchste Form der Kunst“, sagte Ofarim kürzlich in einem Interview.

Die Sängerin lebt außerhalb ihrer Bühnenauftritte zurückgezogen und verzichtet bewusst auf Handy und Computer. Mit Interesse verfolgt sie aber die Karriere ihres 36-jährigen Sohnes David von Sell, der in den USA als Musiker erfolgreich ist. „Sie ruft mich jeden zweiten Tag an und ist immer professionell besorgt, wie eine jüdische Mutter eben. Aber sie schimpft, wenn ich sie so nenne“, verrät David, der zugibt, bei den emotionsgeladenen Auftritten seiner Mutter immer weinen zu müssen.

Von Peter Schmidt


Zur Person:

Esther Ofarim,

geboren am 13. Juni 1941 in Safed/Galiläa, strebte früh den Schauspielerberuf an. Ende der 50er war sie am Nationaltheater Tel Aviv tätig und lernte dort den Tänzer Abi Reichstadt kennen, den sie 1961 heiratete. Ihre erste Filmrolle bekam sie 1960 in „Exodus“. Bis 1970 folgten noch eine Hauptrolle in „Es war mir ein Vergnügen“ und einige kleinere Film- und Fernsehrollen. Nach zwei Siegen bei Song-Festivals (1961/62) bedeutete ihr zweiter Platz beim Eurovision Song Contest den Beginn einer internationalen Karriere. Erfolgreich wurde sie vor allem Ende der 60er zusammen mit ihrem Mann als Duo unter dem Künstlernamen Esther & Abi Ofarim und Hits wie „Cinderella Rockefella“. Nach der Scheidung 1970 heiratete sie Philipp von Sell und zog nach New York, wo der gemeinsame Sohn zur Welt kam. Sie arbeitete als Solo-Künstlerin weiter und zog wegen einer Theaterrolle 1984 nach Deutschland. Seit 1998 steht sie öfter wieder bei Liederabenden auf der Bühne.






Merken

Merken

Bild der Woche