Deutschland ist das kleinere Übel
Deutschland ist das kleinere Übel
20. April 2013

Die Wirtschaft in Frankreich kriselt: verkrusteter Arbeitsmarkt, hohe Jugendarbeitslosigkeit, schwächelnde Exportwirtschaft. In Deutschland zu arbeiten wäre gerade für Lothringer eine gute Alternative. Die Organisation V.I.E. kann hierbei helfen.

Während der deutsche Adler derzeit einen ungeahnten Höhenflug erlebt, lässt der französische Hahn die Flügel hängen. Trotz Eurokrise befindet sich die deutsche Wirtschaft im Aufwind. Und die Franzosen? Ihre Wirtschaft befindet sich im Sinkflug und muss mehr und mehr Federn lassen. Seit Jahren steigen die Arbeitslosenzahlen vor allem bei den jungen Menschen und die Defizite in der Leistungsbilanz sowie im Haushalt. Das beunruhigt in zunehmendem Maße die EU. Gelten doch die beiden größten Volkswirtschaften und Nettozahler der EU in Europa als Triebfeder für mehr Wachstum schlechthin.

Doch triumphales Gehabe des deutschen Adlers ist genauso fehl am Platze wie überzogenes Mitleid. Zu eng sind die beiden Länder verflochten, die Probleme des einst so stolzen französischen Hahns gelten als hausgemacht. Die höchste Staatsquote unter den Euroländern, ein rigider, ja verkrusteter Arbeitsmarkt und eine chronisch schwächelnde Exportwirtschaft sind selbstverschuldet. Dabei halten die Franzosen jede Menge Trümpfe in der Hand: eine gute Vernetzung in der ganzen Welt, die zweithöchste Geburtenrate in Europa mit 2,01 Prozent, innovative Unternehmen, eine gut ausgebaute Infrastruktur und viele sehr gut ausgebildete junge Menschen. Das Dilemma: Sie finden keinen Arbeitsplatz. Die Jugendarbeitslosigkeit (15 bis 24 Jahre) liegt bei durchschnittlich 23 Prozent – in Lothringen sind es 21 Prozent – und in manchen Städten erreicht sie sogar beängstigende 30 Prozent.

Die Franzosen haben eigentlich alle Trümpfe in der Hand

Zum Vergleich: In Deutschland sind es 8,6 und im Saarland 10 Prozent nach Angaben der Interregionalen Arbeitsmarktbeobachtungsstelle. Während hierzulande über Schulschließungen debattiert wird und den Unternehmen über kurz oder lang die Fachkräfte ausgehen, bietet Frankreich jungen Menschen wenig Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Ein Pulverfass, das sich von Zeit zu Zeit immer wieder mal durch massive Proteste

entzündet.

Wie gut, dass es das Ausland gibt. Zum Beispiel Deutschland: dort haben Ingenieure, Techniker und Vertriebsleute gute Karten. Nur: Sie müssen Deutsch sprechen und mobil sein. Und da hapere es bei vielen Franzosen gewaltig, wie Generaldirektor Patrick Imbert von der staatlichen Frankreich-Vertretung Ubifrance in Düsseldorf erklärt.

Eine Möglichkeit, dem französischen Hahn einen neuen Flügelschlag zu verleihen, bietet jungen Leuten das internationale Freiwilligenprogramm Frankreichs (V.I.E). 40.000 junge Menschen haben V.I.E. als Sprungbrett zur Karriere schon genutzt, auch in der Großregion. Der Erfolg zeigt, dass junge Menschen Europa durchaus als Chance verstehen, vorausgesetzt, sie sind offen für fremde Kulturen und mobil.

 
Armin Neidhardt

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