Sie sind nicht bei ihren Leisten geblieben
Sie sind nicht bei ihren Leisten geblieben
17. Februar 2017

Dass wirtschaftliche Erfolge auf einer romantischen Begegnung beruhen, ist selten: Framas Kunst­stoff­technik ist so eine Geschichte, die mit einem Treffen zwischen Käthe Martz und dem späteren Adidas-Gründer Adi Dassler im rheinland-pfälzischen Pirmasens begann.

Ein Gespräch mit dem ehemaligen Bundespräsident Christian Wulff oder eine persönliche Unterhaltung mit dem langjährige USA-Korrespondent der ARD, Dr. Claus Kleber? Kein Problem für Kunden von Franz Martz & Söhne Private Treuhand. Eine besondere Art des Marketings für die beiden Geschäftsführer, Patrick Jann und Armin Weinsheimer. „Diese Events richten sich an unsere Kunden“, bezieht sich Jann auf die von ihnen ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe mit Prominenten, unter anderem auch aus Wirtschaft und Politik. „Damit umgehen wir die klassische Schaltung von Werbung“, erklärt Jann, „und machen uns trotzdem etwas bekannter in der Region.“ Die private Treuhandgesellschaft mit Banklizenz gibt es in Saarbrücken erst seit drei Jahren. Entstanden ist der Vermögensverwalter in Pirmasens, aus dem „Family Office“ der Gründerfamilie Martz, einer rheinland-pfälzischen Schuhdynastie.

Der erste Hinweis auf die Wurzeln des Familienkonzerns findet sich gleich im Foyer der Treuhandgesellschaft im Haus der Wirtschafsförderung Saar: eine vierstöckige Glasvitrine mit modernen Fußballschuhen. Zwischen quietschtbunten Hightech-Modellen aus Carbon präsentiert sich auch ein dunkelbrauner lederner Treter. „Ein Original aus dem Jahr 1954“, verkündet Jann stolz. Eine absolute Rarität, in der ganzen Welt gibt es nur eine Handvoll dieser Paare.

Doch was hat ein Vermögensberater eigentlich mit Schuhen zu tun? Um das zu verstehen, macht Jann einen großen Zeitsprung: „Im Jahr 1948 war der Startschuss.“ Zu diesem Zeitpunkt unterrichtet Franz Martz, Inhaber eines Schuhleistengeschäfts, an einer Schule in Pirmasens. Unter seinen Auszubildenden ist auch ein gewisser Adi Dassler – ein junger, attraktiver und ambitionierter Mann. Eine zufällige Begegnung bringen Adi und die 15-jährige Käthe, die Tochter seines Dozenten Martz, zusammen. Aus einer Schwärmerei ergeben sich eine Ehe, drei Kinder und eine berufliche Kooperation zwischen Franz Martz und Adi Dassler.

Vermögensverwaltung trifft Kunststofftechnik

„Seitdem entwickelte sich unsere Muttergesellschaft, die Framas-Gruppe, zum Weltmarktführer für Kunststoffkomponenten in der Sportschuhindustrie und zum global agierenden Konzern“, fasst Jann den Aufstieg des Unternehmens zusammen. Die Fußball-Weltmeisterschaft aus dem Jahr 1954 hilft der Marke Adidas – getragen von den deutschen WM-Siegern – zum Durchbruch. Einen Teil des Erfolgs kann die Familie Martz für sich verbuchen, schließlich lieferte sie die Gewinner-Sohlen. Mit der Weiterentwicklung von Kunststoffen kommt es zu einem entscheidenden Sprung: Das Unternehmen erwirbt seine erste Fabrik in Korea. „Das war um 1988“, berichtet Jann, „seitdem werden dort neben Schuhleisten auch Hinterkappen für Sportschuhe gefertigt.“ Mit der Zeit kommen weitere Fabriken in Indonesien, China, Vietnam und ein Entwicklungsbüro in Portland dazu. Mittlerweile beschäftigt das Familienunternehmen weltweit 3.000 Mitarbeiter und generiert einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Dollar.

Welche Fußballstars die Martz-Sohlen wirklich tragen, kann Jann gar nicht genau sagen. Zwei Namen nennt er dennoch: „Cristiano Ronaldo kickt in unseren Sohlen“, berichtet Jann. Aber auch weitere Superstars schwören auf die Pirmasenser Leisten. „Es gibt zum Beispiel einen eigenen Lionel-Messi-Schuh“, erzählt Jann und zeigt auf einen modernen Carbon-Schuh in der Vitrine. „Alle namenhaften Sportmarken nutzen Produkte der Familie“, betont der Geschäftsführer. Zum Kundenstamm zählen unter anderem Sport-Giganten wie Nike, Adidas, New Balance und Under Armour.

Aber die Framas-Gruppe ist nicht bei ihren buchstäblichen Leisten geblieben. Die Wirtschaftskrise im Jahr 2008 bringt die umtriebige Familie auf eine neue Idee. Viele machen sich Sorgen um ihre Investitionen und Vermögensanlagen. „Wir als Franz Martz & Söhne Private Treuhand sind entstanden aus dem Family Office der Gründerfamilie“, greift Jann den Ursprung des Finanzzweiges der Framas-Gruppe auf. „Zunächst wollte die Familie Martz damit lediglich eigene Konflikte zwischen Bankinteressen und eigenen ausschließen.“ Doch der Ruf der Martz‘schen Vermögensverwalter eilt dem Unternehmen bald voraus. Weitere Kunden möchten die Leistungen in Anspruch nehmen. Im Jahr 2011 wird die Treuhandgesellschaft schließlich auch für weitere Kunden operativ tätig.

„Zu unsere Schwerpunkten zählt die individuelle Vermögensverwaltung, aber auch die professionelle Vermögensberatung“, fasst Jann die Dienstleistungen zusammen. „Daneben gibt es weitere Leistungen wie Auswahl und Controlling externer Verwalter, Fondskonzeption und Kreditmanagement.“ Ab einer Summe von 100.000 Euro werden Fondslösungen angeboten, aktive Vermögungsverwaltung beginnt bei 500.000 Euro. Bereits nach drei Jahren nach dem Startschuss arbeitet die Treuhandgesellschaft kostendeckend und managt mittlerweile in enger Zusammenarbeit mit externen Beratern ein Vermögen von rund 100 Millionen Euro. „Zu unseren Depotbankpartnern zählen unter anderem Julius Bär Deutschland und die Deutsche Bank“, so Jann. Als Vermögensverwaltungspartner fungieren solche Finanzgrößen wie das Bankhaus Rothschild, das drittgrößte deutsche Privat-Bankhaus Bethmann, die BHF-Bank und die milliardenschwere Vermögensverwaltung Flossbach von Storch AG.

„Keine Provisionen
von Dritten“

Das absolute Herausstellungsmerkmal für Jann ist jedoch der Umgang mit den Kunden. „Wir vertreten einzig und allein ihre Interessen“, betont der Geschäftsführer, „somit ist es uns auch verboten, Zahlungen von Dritten wie zum Beispiel Bestandsprovisionen bei Fonds entgegenzunehmen.“ Schuhkomponenten und Vermögensverwaltung – eine Kombination, die immerhin 150 Millionen Dollar Umsatz bringt und die Framas-Gruppe neben der Treuhandgesellschaft zu einem der umsatzstärksten Traditionsunternehmen in der Region macht.


Julia Indenbaum

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