Trapp bloggt
Trapp bloggt
14. August 2014

Die Saar-Uni wollte ihn nicht mehr, die Hamburger Uni schon. Deshalb berichtet Markus Trapp jetzt von der Elbe über die Saar.

Das Schwenken, die Familie und den 1. FC Saarbrücken vermisst Markus Trapp am meisten. Doch zum Glück gibt es Trost: den FC St. Pauli, die zahlreichen Gewässer in und um Hamburg wie Alster, Elbe, Nord- und Ostsee; ganz besonders in Herz geschlossen hat der „Saar-Blogger im Exil“ aber die kleine Wandse, die dicht an seiner Wohnung im Stadtteil Wandsbek vorbeizieht und deren Uferwege sich ganz ausgezeichnet für Fahrradausfahrten eignen.

Im Mai 2005 hat es den gebürtigen Saarbrücker – geboren in Dudweiler, wie er betont – beruflich nach Hamburg verschlagen; der Hispanist und freiberufliche Übersetzer, dem die Uni Saarbrücken eine wissenschaftliche Stelle nicht verlängert hatte, war von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, kurz „Stabi“ genannt, damals für das Online-Projekt cibera.de engagiert worden. Zu dem Zeitpunkt war sein Online-Tagebuch textundblog.de, das ursprünglich auch sein Freiberufler-Projekt bewerben sollte, bereits ein halbes Jahr online. Für den Neu-Hamburger Trapp wurde textundblog.de nun plötzlich zur Verbindung in die Heimat. Und ein bisschen hatte es ihn auch für die neue Stelle in Hamburg qualifiziert, sagt Trapp: „Blogs waren damals ja noch ganz neu, von daher war das interessant für die Stabi.“

„Nach dem Lehrbuch für Blogger“, sagt Trapp, „mache ich alles falsch, blogge über die verschiedensten Themen.“ Doch in Trapps Fall funktioniert die Mischung bestens und führt Cineasten und Fußballfans – vor allem des FC St. Pauli wie auch des 1. FC Saarbrücken, Musikinteressierte, wie auch Saarländer, Exil-Saarländer und Hamburger zusammen. Und auch politisch Engagierte bekommen was geboten, schließlich hat Markus Trapp bei der letzten Kommunalwahl in seinem Stadtteil Wandsbek für die Piraten kandidiert, wenn auch erfolglos.

Trapp, der meist nur noch zweimal im Jahr an die Saar kommt, bedauert, dass er das Max-Ophüls-Festival nicht mehr besuchen kann, weil es ausgerechnet im Januar zwischen seinem alljährlichen Weihnachtsaufenthalt bei der Familie und der Berlinale im Februar, einem Muss-Termin für den leidenschaftlichen Film-Blogger, liegt: „Das ist wirklich bitter, dass ich so jedes Jahr dieses tolle Filmfestival versäume“, sagt Trapp.

Die Cineasten machen einen wichtigen Teil der rund 1.000 täglichen Leser von textundblog.de aus, sie sind aber nur ein Element unter mehreren. „Der Blog ist auch ein bisschen Spielwiese für meine Arbeit in der Stabi“, sagt Trapp, „denn seit 2006 hat auch die Stabi einen eigenen Blog.“ Was anfangs belächelt worden sei, sei mittlerweile völlig selbstverständlich für große Bibliotheken: „Wir haben inzwischen acht Blogs, von denen ich fünf betreue“, sagt Trapp, der immer auch mal wieder berufliche Themen wie zuletzt die App der Bibliothek zum Thema Erster Weltkrieg in seinem privaten Blog behandelt.

Seit 2010 ist Trapp in der Stabi-Kommunikation offiziell für Social Media zuständig. Die Betreuung der beruflichen Blogs ist für ihn nur zu einem geringeren Teil mit persönlicher Autorenschaft verbunden. Es gehe vielmehr darum, die rund 200 Mitarbeiter der Stabi zu motivieren, aus ihren jeweiligen Fachbereichen zu berichten, sagt er: „Hier und da helfe ich dann, dass die Beiträge die richtige Tonlage eines Blogs treffen. Schließlich wollen wir an dieser Stelle keine Presseverlautbarungen veröffentlichen, dafür ist woanders Platz.“ Trapp betreut auch den Facebook- und Google+-Auftritt der Stabi und twittert für seinen Arbeitgeber. Die Übergänge zwischen Privat- und Berufsleben sind dabei fließend, es kommt vor, dass er zu Hause in Wandsbek für die Stabi twittert oder postet. Genauso, wie es andersherum passiert, dass er an seinem Arbeitsplatz im Univiertel im Stadtteil Rothenbaum in seinem persönlichen Blog kommentiert.

Apropos Kommentare: Die seien einerseits bei ernsten Themen seltener und würden andererseits inzwischen insgesamt merklich weniger, sagt der 48-Jährige. Er sieht einen Zusammenhang zu sozialen Netzwerken wie Facebook: „Heute fällt dort das Gros der Kommentare an. Es ist natürlich schade, weil die Diskussion dann nicht mehr dort steht, wo sie eigentlich hingehört, nämlich zu den jeweiligen Themen in die Blogs. Ich habe es auch bereits mit technischen Lösungen versucht und die Facebook-Kommentare per App in den Blog eingebunden. Doch die sind oft kleine Fehlerteufel, also lasse ich es wieder.“ Wenn er einen Gedanken aber für besonders wichtig hält, dann fragt er den Kommentator, ob er ihn nicht vielleicht im Blog wiederholen könne oder kopiert auch schon mal einen Kommentar hinein. „Mein Blog ist für mich auch wie ein Gedächtnis“, sagt Trapp, „wenn ich ein Thema oder einen Gedanken suche, werde ich dort ganz oft fündig.“

2004 war genau das, die Suche nach etwas, was nicht mehr zu finden war, der Anlass, selbst zu bloggen. Trapp: „2002 habe ich das erste Mal in Blogs gelesen. Ich fand das spannend, dachte aber, das wäre nichts für mich. Bis ich merkte, ein Blog kann auch als Gedächtnis oder Archiv funktionieren.“ Durch die vorübergehende Arbeitslosigkeit und die Versuche, sich als selbstständiger Übersetzer zu etablieren, wurde der Blog dann zunächst auch ein Ansatz zur Selbstvermarktung. Und ab 2005 ein Band in die 700 Kilometer entfernte Heimat. „Ich habe heute noch viele Saarländer unter meinen Lesern“, sagt Trapp, „nicht nur, aber natürlich auch Fans des 1. FC Saarbrücken. Übrigens habe ich erst vor ein paar Wochen nach sieben Jahren meinen alten Header mit der saarländischen Villa Borg entfernt.

Trapp bereitet sich mit dem neuen Layout auch auf sein zehnjähriges Blog-Jubiläum am 1. November vor. Schon heute hat er mehr als 4.000 Artikel online gestellt („1,3 jeden Tag“). Eingebracht hat es ihm außer Aufmerksamkeit nicht nur aus dem Saarland den Job in Hamburg, Reisen zu Blogger-Konferenzen nach Nowosibirsk und Kuba sowie Erwähnungen auf „Spiegel Online“, in der „Frankfurter Allgemeinen“ sowie der „New York Times“. Dies übrigens anlässlich eines Tweeds zu 20 Jahren Mauerfall vor fünf Jahren. „Ein bisschen stolz ist man als Blogger auf so etwas natürlich schon“, räumt Trapp ein, der neben Beruf und Blog leidenschaftlich gerne Rad fährt, Fußball und Filme guckt. Aber das steht ja schon alles auf textundblog.de.


Frank Behrens

 

INFO:
Ein Blog ist eine Art Onlinetagebuch, das sogenannte Blogger führen. Ähnlich wie die guten alten Papiertagebücher kann es sich dabei um sehr subjektive, persönliche Notizen handeln. Viele Blogs sind öffentlich und können von den Lesern kommentiert werden.

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