Die Pyramiden von Gizeh - Bauwerke  der Pharaonen
Die Pyramiden von Gizeh - Bauwerke der Pharaonen
17. März 2017

Der sechste Teil unserer Serie „Die Sieben Weltwunder“ befasst sich mit dem ältesten der antiken Weltwunder. Es ist das Einzige, das die Zeit von insgesamt mehr als 4.500 Jahren in gutem Zustand überdauert hat. Die Bauwerke sind bis heute mythenumrankt und konnten vor der Wissenschaft die meisten ihrer Geheimnisse bewahren.

Das ist so, als würde auf die Nutzbarmachung des Feuers sogleich der Bau der Atombombe folgen“: Mit diesem Vergleich versuchte der „Spiegel“ vor einigen Jahren das Wunder des Pyramidenbaus am westlichen Rand des Nils, etwa acht Kilometer südwestlich der Stadt Gizeh in der Region rund um die alte ägyptische Hauptstadt Memphis in seiner außerordentlichen Dimension zu beschreiben. Was damals, in der 4. Dynastie zwischen 2620 und 2500 v. Chr. auf einem riesigen Felsplateau an Monumenten bis in schwindende Höhen errichtet wurde, musste alle daran Beteiligten vor solche gigantische Herausforderungen gestellt haben, das noch heute niemand richtig erklären kann, wie diese Aufgaben angesichts einfachster Hilfsmittel bewältigt werden konnten. Denn mehr als Kupfer- und Steinwerkzeuge standen den Pyramiden-Baumeistern des 3. Jahrtausends v. Chr. nicht zur Verfügung. Das Rad war vermutlich schon bekannt, wurde aber offensichtlich zum Transport der im Schnitt 2,5 Tonnen schweren Steinblöcke nicht genutzt, auch der Einsatz eines Kraft sparenden Flaschenzuges lässt sich nicht belegen. Wurden Winden, kilometerlange Rampen, Rutschen oder doch Frühformen von Maschinen verwendet? Das alles ist Spekulation.

Denn ausgerechnet bezüglich der Konstruktion ihrer architektonischen Meisterwerke, von denen es entlang des Flusses neben den drei Paradebeispielen von Gizeh noch mehr als 100 weitere gibt, haben die ansonsten sehr mitteilsamen alten Ägypter nichts hinterlassen. Die Riesenbauten wurden erstmals um 450 v. Chr. durch den griechischen Historienschreiber Herodot erwähnt, der allerdings kaum viel mehr als wenig verlässliches Hörensagen zu Papier bringen konnte. Immerhin wusste Herodot noch trotz all seiner „Wundermärchen und unterhaltenden Dichtungen“, wie Diodor von Sizilien um 60 v. Chr. die Beschreibungen des Griechen über die Pyramiden bezeichnete, dass es sich bei den Bauwerken um Pharaonen-Grabmäler gehandelt hatte. Unter byzantinischer Herrschaft ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. und später auch unter arabischer Oberhoheit wurden die Pyramiden von Gizeh als ehemalige Kornspeicher angesehen, eine Fehldeutung, die bis zum Ende des 15. Jahrhunderts gebräuchlich sein sollte. Aber erst mit Napoleons Ägyptenfeldzug von 1798 bis 1799 begann die wissenschaftliche Erforschung der antiken Weltwunder.

2,5 Tonnen schwere Steinblöcke

Uns sind die drei Monumente in Gizeh nur als stufenförmige Pyramiden bekannt. Aber das war nicht immer so, ganz im Gegenteil. Denn im Originalzustand hatten sie eine glatte, steil aufragende, strahlend weiße Oberfläche aus Tura-Stein, einem sehr weichen, gut zu bearbeitenden und an der Luft nach und nach aushärtendem Kalkstein, der als Verkleidung millimetergenau auf die großen Kalkstein-Kernmauerwerkblöcke aufgesetzt wurde. Bevor die Tura-Verkleidung im Laufe der Jahrhunderte Opfer von Steinraub wurden oder als bequemer Materialfundus für Tempel- oder Moscheebauten dienen sollten, wuchsen am Rande der Wüste drei gigantische, abstrakt-geometrische Symbole gleichsam aus dem Sand. Dass zum Pyramidenkomplex neben den drei Hauptbauwerken auch noch eine stattliche Anzahl kleinerer Pyramiden, beispielsweise die 17 Meter hohe sogenannte Vierte Pyramide (das Grab der Königin Chentkaus I.), Tempel, Aufwege genannte Straßen, überlebensgroße Statuen oder die Große Sphinx, der 73,5 Meter lange und 20 Meter hohe liegende Löwe mit Menschenkopf, gehörten, dürfte das ehrfürchtige Staunen der Zeitgenossen ins Unendliche gesteigert haben. In den 1970er-Jahren wollte ein gewisser Bestsellerautor namens Erich von Däniken noch Außerirdische als Urheber der Pyramiden ausgemacht haben. Und Däniken war beileibe nicht der einzige Vertreter der „Pyramidologie“, unter der begrifflich pseudowissenschaftliche Theorien über mystische Zusammenhänge beim Pyramidenbau, beispielsweise Architekten aus dem versunkenen Atlantis oder ein vom Sternbild des Orion abgeleiteter Lageplan, zusammengefasst werden.

Die Cheops-Pyramide, die genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet wurde, ist die älteste und größte der drei Bauwerke von Gizeh, in denen im Unterschied zu den Grabmahlen der Nekropole im Tal der Könige keinerlei Inschriften, Mumien oder Grabbeigaben gefunden werden konnten. Mit ihrer Ursprungshöhe von 146,60 Metern war sie fast 4.000 Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt, erst im 14. Jahrhundert wurde sie durch die Kathedrale von Lincoln abgelöst. Irrtümlich wird auch schon mal die benachbarte mittlere Pyramide als die „Große Pyramide“ angesehen, weil die Chephren-Pyramide mit ursprünglich 143,50 Metern nur unwesentlich niedriger war und zudem auf einem zehn Meter höheren Plateau errichtet wurde.
Als Baumeister soll Pharao Cheops, der etwa zwischen 2620 und 2580 v. Chr. regiert hatte einen gewissen Hemiunu verpflichtet haben, der das Monument mit einer Grundfläche von 53.000 Quadratmetern, einem Gesamtvolumen von 2,58 Millionen Kubikmetern und einer Seitenlänge von 230,33 Metern innerhalb von 20 Jahren fertigstellen konnte. Man hat berechnet, dass bei diesem Zeitrahmen alle zwei Minuten ein Felsblock angeliefert und weiter verarbeitet werden musste. Insgesamt wurden bis zu 2,5 Millionen zumeist quaderförmige Blöcke (einen Meter in Breite, Höhe und Tiefe) aus einem nahen Steinbruch heran transportiert. Für die Grabkammer des Pharaos wurden zusätzlich Granitblöcke mit einem Gewicht zwischen 50 und 80 Tonnen benötigt.

Was die Zahl der Arbeiter betrifft, so schwanken die Schätzungen zwischen 8.000 und 100.000. Ob es sich dabei um Sklaven oder Freiwillige handelte, ist unbekannt. Ob es Baupläne gab oder ob die ägyptischen Architekten ganz ohne detaillierte Aufzeichnungen auskamen, weil sie durch frühere kleinere Pyramidenbauten schon genügend Routine gesammelt hatten, vermag niemand zu sagen.

Unerklärlich scharfe Kanten und Winkel

Völlig unerklärlich ist auch, wie es möglich war, die Steinblöcke so genau zu schlagen, dass gerade einmal eine Rasierklinge zwischen den Steinreihen Platz finden konnte. Auch die rechten Winkel der Ecken lassen moderne Ingenieure vor Neid erblassen. Die Winkel sind so exakt geschnitten, dass man selbst mit lasergestützten Messapparaten kaum bessere Resultate erzielen könnte. Das Innenleben hält ebenfalls Rätsel bereit. Die genaue Funktion der einzelnen Kammersysteme und Verbindungsgänge ist umstritten, was vor allem für vermeintliche Luftschächte und die tief gelegene Felsenkammer gilt. In der Königskammer fand sich jedenfalls dank früher Grabräuber nur noch ein leerer Granitsarkophag ohne Deckel.

Auch die Grabkammer der Chephren-Pyramide, die vom gleichnamigen, zwischen 2558 und 2532 v. Chr. regierenden Pharao in Auftrag gegeben wurde, enthielt nur noch den leeren Sarkophag samt zerbrochenem Schiebedeckel. Die Seitenlänge der zweithöchsten ägyptischen Pyramide betrug 215,25 Meter. Im Vergleich zum ausgeklügelten Kammersystem der Cheops-Pyramide wirkt die bislang entdeckte Struktur der Chephren eher einfach.

Die Mykerinos-Pyramide, die während der Regentschaft von Pharao Mykerinos wahrscheinlich zwischen 2540 und 2520 v. Chr. errichtet wurde, ist mit ursprünglich gerade mal 65,55 Metern nicht einmal halb so hoch wie ihre beiden Gizeh-Nachbarbauwerke. Auch die an der Basis gemessene Seitenlänge betrug lediglich gute 100 Meter. Die unteren 16 Lagen waren nicht mit Kalkstein, sondern mit Granitplatten verkleidet. Als Gründe für die kleinere Pyramidenlösung wurden Platzprobleme auf dem Plateau, nicht mehr realisierbare Baukosten oder die verstärkte kultische Hinwendung zum Sonnengott Ra mit der Notwendigkeit eines prachtvollen Tempelneubaus ins Feld geführt. Der in der Grabkammer aufgefundene, reich verzierte Steinsarkophag ging beim Abtransport Richtung England 1838 bei einer Schiffshavarie verloren.

Von Peter Lempert



Die Sieben Weltwunder der Antike

Pyramiden von Gizeh

Der Koloss von Rhodos

Mauern von Babylon*

Artemis-Tempel von Ephesos

Zeus-Statue des Phidias in Olympia

Hängender Garten von Babylon

Mausoleum von Halikarnassos


*ab dem 6. Jahrhundert ersetzt durch:

Leuchtturm von Pharos

Die neuen Sieben

Weltwunder

Chichén Itzá

Christo Redentor

Chinesische Mauer

Kolosseum

Machu Picchu

Petra

Taj Mahal


Die älteste komplette Liste der antiken sieben Weltwunder stammt von Antipatros von Sidon (2. Jahrhundert v. Chr.). Eine Revision der fast schon kanonisierten Aufstellung erfolgte erst im 6. Jahrhundert n. Chr., als Gregor von Tours die Mauern von Babylon zugunsten des Leuchtturms von Pharos streichen ließ. Die Zahl Sieben galt in der Antike als „vollkommen“. Von daher erklärt sich die Beschränkung auf genau sieben Monumente. Die Liste der neuen sieben Weltwunder wurde im Juli 2007 von einer Schweizer Stiftung veröffentlicht, die dafür im Zuge einer weltweiten Abstimmung angeblich 100 Millionen Stimmen ausgewertet hatte.





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