Geliebter Urlaub
Geliebter Urlaub
11. August 2017

Auf die langersehnte Auszeit freut man sich das ganze Jahr. Manche planen einen großen Jahresurlaub, andere teilen sich die wenigen Tage gut ein und fahren gleich mehrfach weg. Psychologen erforschen, was entspannt und wie man die Pause am besten nutzen kann.

Keine schwierigen Entscheidungen treffen, keine knappen Deadlines einhalten und nicht den ganzen Haushalt managen – stattdessen einfach mal die Füße hochlegen. Die Vorfreude auf den Urlaub ist groß und trotzdem fühlt sich mancher hinterher nicht entspannt. Woran liegt das? Und wie kann man richtig abschalten und seine Akkus aufladen?

Ferien tun uns gut. Wir entspannen mit Freunden und Familie, gewinnen neue Perspektiven auf unsere Probleme und durchbrechen unsere täglichen Routinen. Wir kehren nach einer erfolgreichen Pause mit dem Gefühl zurück, es wieder mit der Welt aufnehmen zu können, schreibt die US-Psychologin Susan Krauss Whitbourne. Die Vorteile des Urlaubens sind in der Psychologie mittlerweile gut untersucht. Urlaub steigert zum Beispiel die Lebenszufriedenheit und reduziert gleichzeitig gesundheitliche Beschwerden. Das fand die niederländische Psychologin Jessica de Bloom in einer Übersichtsstudie heraus. Dabei zeigte sich auch, dass Menschen, die jahrelang nicht verreist waren, anfälliger für Krankheiten waren.

Aber nicht nur die Gesundheit profitiert. Urlaub ist auch gut, um den Horizont zu erweitern. Der britische Forscher Scott McCabe fand beispielsweise positive Urlaubseffekte auf die persönliche Entwicklung. Wer Abstand von der Arbeit gewinnt, kann neue Erfahrungen machen, unbekannte Dinge lernen oder fremde Kulturen entdecken.

Nicht zuletzt stärkt Urlaub machen auch unsere sozialen Beziehungen. Wir verreisen mit Freunden oder besuchen Bekannte, die wir länger nicht gesehen haben. Oder wir verbringen mal wieder Zeit mit der Familie. Eine Forschergruppe der amerikanischen Purdue-Universität konnte zeigen, dass Familienurlaube nicht nur die Bande untereinander, sondern auch Kommunikation und Solidarität fördern. Auf diese Weise kann man gemeinsame Erinnerungen abseits vom Alltag sammeln, die auch nach der Reise noch verbinden. Familienurlaube, sagen die Forscher, können natürlich ihre eigenen Stressfaktoren bieten. Trotzdem würden auch in Familien, die sich nicht allzu nahestehen, die Vorteile die Nachteile überwiegen.

Urlaub kann uns also gesünder und zufriedener machen und dabei noch zu persönlicher Entwicklung und intakteren Beziehungen beitragen. Ein echter Alleskönner also. Aber wie lange hält die Entspannung des Urlaubs an? Nach spätestens einem Monat ist der Puffer laut Jessica de Bloom dahingeschmolzen. Noch ernüchternder: Bei den meisten Menschen ist der Urlaubseffekt schon nach einer Woche wieder verschwunden.

Und auch im Urlaub selbst bleibt die Laune nicht konstant auf demselben Niveau. Der niederländische Tourismusforscher Jeroen Nawijn beschreibt eine typische Urlaubskurve: bei Reisestart ist die Stimmung meist noch nicht besser, nach zwei bis drei Tagen steigt die Stimmung dann steil an und am Ende fällt sie wieder ab. Nawijn erklärt das unter anderem mit strapazierenden An- und Abreisen und dem Wissen, dass auf das Ende des Urlaubs wieder der Alltag folge.

De Bloom rät deshalb dazu, sich seinen Jahresurlaub in kleine Happen aufzuteilen. Reisende sollten lieber mehrmals im Jahr kürzere Urlaube machen als einmal im Jahr länger wegzufahren. In ihrer Untersuchung konnte sie zeigen, dass der Akku bei den meisten Menschen auch schon nach wenigen Tagen Urlaub wieder voll war. Und obwohl sich die Reisenden unterwegs gesünder, fitter und zufriedener fühlten, glaubt de Bloom auch an den Entspannungseffekt des Urlaubs auf Balkonien. Der Unterschied sei vermutlich nicht so groß. Wichtig sei, dass man von seiner Arbeit abschalten könne. Wer zuhause alle Verpflichtungen wegschieben und sich entspannen kann, kann genauso erholt zurückkehren wie der in die Ferne Reisende.


Wie lange man sich nach dem Urlaub entspannt fühlt, hängt auch mit der Arbeitsbelastung zusammen. Jana Kühnel und Sabine Sonnentag von der Universität in Konstanz haben das an Lehrern getestet. Die Forscherinnen befragten die Pädagogen vor und nach den zweiwöchigen Oster- oder Pfingstferien. Direkt nach dem Urlaub fühlten sich die Lehrer in der Regel weniger emotional erschöpft und engagierten sich mehr als vor ihrer Pause. Der Entspannungseffekt verflog dann besonders schnell, wenn sie danach unter großem Zeitdruck standen oder sich mit sehr anstrengenden Schülern herumärgern mussten.

Damit der Urlaub möglichst entspannt ablaufen und der Erholungseffekt im Nachhinein lange anhalten kann, empfehlen Psychologen wie de Bloom und Krauss Whitbourne verschiedene Tipps und Tricks.

Vor dem Urlaub

Sich informieren

Darf mein Schweizer Taschenmesser mit, was sind die Vorschriften meiner Fluggesellschaft? Gibt es ein interessantes Museum an meinem Urlaubsort oder einen besonders tollen Strand? Wer im Vorfeld bestimmte Dinge recherchiert und plant, kann Stress im Urlaub vorbeugen. Das gelte besonders für Familienurlaube.

Delegieren
Welcher Kollege könnte Teile Ihrer Arbeit in Ihrer Abwesenheit übernehmen? Wer vor seiner Auszeit Aufgaben abgibt, wird hinterher nicht sofort von der To-Do-Liste erschlagen. Vor dem Urlaub noch schnell sämtliche Projekte fertig machen und Berichte schreiben wollen – auch davon raten die Forscher ab. Das reduziert das Wohlbefinden und kann sogar der berühmten Freizeitgrippe Tür und Tor öffnen. Etwa drei Prozent der Erwachsenen bekommt eine grippeähnliche Erkältung, sobald sie von einer stressigen Arbeit in den Urlaubsmodus wechseln wollen.


Keine Schuldgefühle
Der Arbeitsberg stapelt sich, die beste Freundin kann sich in diesem Jahr keinen Urlaub leisten und man selbst fährt trotzdem an ein schickes Ziel? Psychologen raten, sich soweit wie möglich von schlechtem Gewissen frei zu machen, damit man seine Pause genießen kann.

Sport am letzten Arbeitstag
Weil der Körper in der Zeit vor dem Urlaub oft noch mal höhere Mengen an Stresshormonen ausscheidet, empfehlen Forscher am letzten Arbeitstag Ausdauersport zu treiben. Außerdem könnten Joggen, Schwimmen oder Radfahren dabei helfen, gedanklichen Abstand zur Arbeit zu gewinnen.


Im Urlaub
Abschalten
Die Kollegen bitten, nicht im Urlaub anzurufen, das Mobiltelefon ausschalten und auch die Mails einfach mal unbeantwortet lassen. Für den Urlaubsmodus sei es wichtig, sich richtig abzugrenzen und Aufgaben und Verpflichtungen nicht mitzunehmen.


Achtung vor zu hohen Ansprüchen
Perfektion existiert nicht: Dieser Leitspruch gilt auch für den Urlaub. Ungeplantem oder ärgerlichen Pannen sollte man mit Gelassenheit begegnen. Für den Krankheitsfall am besten schon im Vorfeld eine Reiseapotheke anlegen.


Neue Dinge probieren
Andere Kulturen, andere Sitten: Im Urlaub bietet es sich an, neue Dinge auszuprobieren. So fordern sich Reisende selbst und entwickeln sich auch weiter. Wer zuhause bleibt, kann ein neues Museum besuchen oder sich zum Abendessen mal an einem exotischen Gericht versuchen.


Rumhängen
Den Urlaub nicht nur vollpacken mit Aktivitäten, sondern auch passive Tätigkeiten in Betracht ziehen. Das klassische Buch am Strand fördere bei vielen im Sommerurlaub Gesundheit und Wohlbefinden.


Nach dem UrlaubFangen Sie an einem Mittwoch wieder an zu arbeiten

Wie lange der Entspannungseffekt anhält, hängt ganz mit der Arbeitsbelastung nach dem Urlaub zusammen. Daher macht es tatsächlich Sinn, zum Beispiel an einem Mittwoch wieder mit der Arbeit zu beginnen oder eine Woche nur halbtags zu arbeiten, um langsam wieder hochzufahren und möglichst viel Entspannungsgefühl in den Alltag zu transportieren.


Erholungsmomente suchen
Außerdem habe es sich als hilfreich erwiesen, gerade in der ersten Arbeitswoche, gezielt Entspannungspausen einzubauen. Auch dadurch lässt sich das Urlaubsgefühl noch ein wenig länger konservieren.

 Laura Kutsch

 

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