Skihopping am Arlberg
Skihopping am Arlberg
10. Februar 2017

Zwischen Vorarlberg und Tirol ermöglicht die krachneue Flexenbahn Wintersportlern, alle Orte auf Skiern zu erreichen. Damit ist die Region mit 305 Abfahrtskilometern das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs.

Am Arlberg kann man beim Gondelbahnbau offenbar hexen. Erst im Mai hatten wetterbedingt die Arbeiten an der neuen Flexenbahn begonnen. Erst dann konnte das Material mit Lastwagen und Hubschraubern in die Berge gebracht werden. Die Flexenbahn war aber keineswegs das einzige Vorhaben. Noch drei weitere Bahnen wurden gleichzeitig (!) gebaut: ab Zürs die Trittkopfbahnen I und II, in Stuben/Rauz die Albonabahn II. Anfang Dezember waren alle vier betriebsbereit!

Ab St. Anton beginnt zunächst die Auffahrt mit der Galzigbahn von 2006, die schon damals Komfort-Maßstäbe setzte. Von der auf 2.185 Meter gelegenen Bergstation geht’s dann auf prima präparierten Pisten schwungvoll hinunter und rein in die Osthangbahn, um nach einem weiteren Downhill in die Schindlergratbahn zu steigen. Die wird zum Erlebnis. Zwischen wilden Felsen schweben die 3er-Sessel empor, die Füße scheinbar nur wenige Zentimeter über und neben dem kantigen Gestein. Nach erneuter Abfahrt erreichen die Skiläufer die „Drehscheibe“, die Talstation der neuen Flexenbahn, die 562 Höhenmeter überwindet und stündlich 2.400 Personen transportiert. Der Blick durch die großen Panoramascheiben in die verschneite Bergwelt ist fabelhaft, fast zu schnell verrinnt die sechsminütige Fahrtzeit.

Toller Ausblick durch Panoramascheiben

Um diese vier Gondelbahnen mit ihren Tal- und Bergstationen zum Saisonstart fertigzustellen, haben 250 Männer geschuftet, tagtäglich von 6 bis 24 Uhr an sieben Tagen die Woche. Einer hatte dabei alles im Griff und hat immer die Ruhe bewahrt, selbst bei den hinderlichen Schneefällen im Herbst: Bauleiter Ing. Philipp Zangerl, Vorstand Ski Zürs AG. „Wir haben weitergearbeitet“, sagte er bei der Eröffnungsfeier am 09. Dezember 2016 auf der 2.227 Meter hoch gelegenen Flexenbahn-Bergstation. Neben dem eleganten Glas-Stahl-Beton-Bau schmetterte ein Saxophonist Jubeltöne in den blauen Himmel. Diesen Tusch haben die vier neuen Bahnen, ihre Planer und alle Mitarbeiter voll verdient.

45 Millionen Euro hat das Gesamtprojekt gekostet, und das lohnt sich. Mit dem neuen Bahnen-Quartett sind nun alle Arlberg-Orte und ihre Hänge auf Skiern erreichbar, das heißt, St. Anton, St. Christoph, Zürs, Lech, Stuben und Warth-Schröcken in Vorarlberg. Der Arlberg-Kreis ist nun geschlossen und mit 305 Abfahrtskilometern das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs sowie das fünftgrößte weltweit.

Im Gegenzug hat man die bisherigen 120 Skibusse abgeschafft. Ein umweltfreundlicher Nebeneffekt, quasi ein Reinheitsgebot für die Bergluft. Das überzeugte die Genehmigungsbehörden, die schnell ihr Okay gaben. Am ohnehin geschichtsträchtigen Arlberg, der Wiege des alpinen Skilaufs, wird auch für den Umweltschutz ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Die Gäste von nah und fern werden das alles genießen. Die müssen nicht mehr morgens Autoscheiben kratzen, müssen auch nicht mehr bibbernd auf Busse warten, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Geschwind tun das jetzt 87 zumeist hochmoderne Lifte und Bahnen. Sie bringen die Wagemutigen zu 200 Kilometer Tiefschneehängen, die Cracks zu schwierigen Pisten sowie Kids und Anfänger zu leichten breiten Strecken.

Konditionsstarke können noch eins draufsetzen und den neuen „Run of Fame“ absolvieren, eine Rundtour mit 65 Skiabfahrtskilometern inklusive 18.000 Höhenmetern auf jedoch mehrheitlich leichten bis mittelschwierigen Strecken. Der Einstieg ist fast überall möglich. Der Valluga, mit 2.811 Metern die Arlberg-Königin, kommen sie dabei ganz nahe.

Der Arlberg hat viele treue Gäste, und die haben zumeist einen Lieblingsort. Für die einen ist es das gemütliche Bergdorf Stuben, das durch die Gondelbahn Albona II ins Skikarussell integriert wird. Gutbetuchte zieht es nach Lech oder Zürs, historisch gesinnte nach St. Christoph, wo Heinrich Findelkind aus Kempten im Allgäu 1386 die erste Herberge am Arlberg eröffnete. „Arlberg Hospiz Hotel“ heißt der noble Nachfolger. Mit der neuen Kunst- und Musikhalle namens „arlberg1800 Contemporary Art & Concert Hall“ erfreut nun das Ex-Hospiz kunstsinnige Gäste und Besucher.

Eine beleuchtete Naturrodelbahn

Dennoch ist und bleibt St. Anton für viele die ideale Mischung aus Tradition und Moderne, aus Sport und Erholung. Anmutig wirkt die 1698 geweihte Kirche und überrascht drinnen mit einem schönen Flügelaltar aus dem 14. Jahrhundert. In der Dorfstraße reihen sich gute Geschäfte und ebenso gute Hotels, wie das 1570 gegründete, historisch bemalte Hotel „Schwarzer Adler“, nun ein 4-Sterne-Superior-Haus mit Spa und exzellenter Küche.

Richtung Galzigbahn bieten zwei Intersport-Filialen vielsprachigen Service bei der Wahl der Leihausrüstung, und ein Schal-Mützen-Lädchen nennt sich nach amerikanischer Art „stanton store“. Für eine Gondelfahrt, die selbst Fußgänger in die Berge und zurück bringt, reicht solch ein Outfit. Auch für die Gampenbahn, die zu dem im Dezember 2015 neu eröffneten Ensemble „Gampen Restaurant & Bar“ führt. Modern in warmem Holz, schon von außen sehr einladend.

„Der alte Bau wurde komplett abgerissen, in nur sieben Monaten war das neue Haus fertig,“ lächelt Geschäftsführerin Sigrid Murr. Im Edel-Restaurant Himmeleck und dem SB-Restaurant sorgt eine Mischung aus Altholz und neuen Hölzern für kitschfreies Wohlgefühl. Dass Sigrid Murr Ideen beigesteuert hat, merkt „frau“ im originell gestylten Sanitärbereich mit großen Spiegeln in Skibrillenoptik. „The toilets are the best of all“, schwärmen Gäste aus den USA. „Die Toiletten sind die besten von allen“.

Andere schwärmen noch mehr für die Gampen-Naturrodelbahn durch den Wald, die am Dienstag- und Donnerstagabend beleuchtet wird. Danach vielleicht noch Abtanzen in der Disco? Abenteuer gibt’s dort immer, im nun geschlossenen Arlberg-Kreis noch mehr als bisher.

Ursula Wiegand









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