Ein Kinnhaken im Luxushotel
Ein Kinnhaken im Luxushotel
7. April 2017

Von Wellness- und Sportangeboten bis zum Austausch mit der Umgebung – ein Hotelaufenthalt im Süden enthält sowohl Ver­wöhn­programme als auch Begegnungen mit der örtlichen Kultur.

Jab, Jab“ schreit Lek – und hält mir ein Polster entgegen, auf das ich so hart wie möglich schlagen soll. Ich dresche mit voller Wucht darauf, er lächelt. Ist es überlegen, milde, amüsiert? Ich weiß es nicht. Thailand gilt als das Land des Lächelns, doch das Lächeln ist häufig unergründlich. „Auch wenn etwas Schlimmes passiert, lächeln wir zuerst, bevor wir dann weinen“, berichtet Bunprung Puanchimplee, genannt Ben, ein thailändischer Reiseleiter, der mehrere Jahre in Bonn gelebt hat – und den viele seiner Freunde mittlerweile „den Deutschen“ nennen. Dabei hat er sich in Deutschland zuweilen durchaus unwohl gefühlt. „Wenn man dort eine Imbissbude aufmachen will, braucht man tausend Genehmigungen. Und die Leute sind sehr ernsthaft dort, sie arbeiten fast wie Roboter“, berichtet er. Doch darüber kann ich nun nicht nachdenken, denn Lek fordert mich auf zum nächsten Schlag. Jab, Punch, Rechter Haken, linker Haken, bald darauf üben wir auch den Kinnhaken. Doch mit der richtigen Schlagtechnik ist es nicht getan, auch die Fußstellung muss stimmen, damit man das Gleichgewicht hält. Und während die Schlaghand nach vorne geht, muss die andere Hand für Deckung sorgen, damit man Gegenangriffen nicht schutzlos ausgeliefert ist.

Es ist meine erste Unterrichtsstunde im Thai-Boxen, und die meiste Zeit verstehe ich nur Punch und Bahnhof. Dabei sind wir erst bei den wichtigsten Bewegungen der Hände, doch Thai-Boxen ist weit mehr, auch die Füße, die Knie und die Ellenbogen kommen bei den Kämpfen zum Einsatz. „Nicht die Deckung vergessen“, mahnt mich Lek beim nächsten Schlag – und lächelt wieder ziemlich undefinierbar. Der 30-Jährige hat schon als Kind mit dem Thai-Boxen begonnen. Um sich fit zu halten oder um die Tradition zu pflegen, so frage ich ihn. „Nein, das war es nicht, ich wollte vor allem Geld verdienen und das Familieneinkommen aufbessern“, gesteht Lek. Das ist ihm durchaus gelungen, im Alter von zehn Jahren gewann er sein erstes Preisgeld, 300 Baht, umgerechnet etwa acht Euro. In den darauffolgenden Jahren gewann er immer öfter bei Turnieren, heimste Preisgelder von bis zu 50.000 Baht ein. Mit 19 gewann er im Stadion von Phuket sogar den nationalen Titel. Sein Geheimrezept: „Ich mag das Knie, ich versuche meist, meinen Gegner mit meinem Knie außer Gefecht zu setzen“, verrät er. Später studierte er Sport an der Universität, natürlich mit dem Schwerpunkt Muay Thai, Thai-Boxen. Doch seine Eltern hatten Sorge um ihn, wollten nicht, dass er durch den Sport seine Gesundheit aufs Spiel setzt. „Deshalb habe ich ihnen versprochen, nicht mehr bei Turnieren mitzumachen“, beteuert Lek. Ein Vorsatz, an der er sich nicht allzu lange gehalten hatte – doch dann, davon ist er überzeugt, erteilte ihm das Schicksal eine Lehre. „Genau eine Woche, nachdem ich das Versprechen meinen Eltern gegenüber gebrochen habe, hatte ich einen Motorradunfall, bei dem mein Bein stark verletzt wurde – seitdem brauche ich bei Wettkämpfen ohnehin nicht mehr anzutreten.“ Stattdessen betreibt Lek ein Fitnessstudio in Krabi, betätigt sich als Coach und Trainer für Turnierkämpfer und arbeitet im „Anantara Mai Khao Phuket Villas Resort“ als Thaibox-Trainer für Urlauber. Eineinhalb Stunden dauert unsere Trainingseinheit, bei der ich für Lek wohl nicht einmal einen Sparringspartner hergebe. Trotzdem hat es Spaß gemacht – auch wenn ich bis heute noch nicht sicher bin, ob Khun Lek mich während des Trainings eher an- oder ausgelacht hat.

Von der Hühnerfarm kann man sich seine Frühstückseier holen

Ein Hotelaufenthalt in Thailand, das ist nie eine Allerweltserfahrung, die überall sein könnte, sondern immer auch eine Begegnung mit der örtlichen Kultur. Das beginnt bei der Architektur und beim Essen und es setzt sich fort bei den Wellness- und Sportangeboten und beim Ausflugsprogramm. Das „Anantara Mai Khao Phuket Villas“, ein Fünfsternehotel, bei dem alle Villen über einen Privatpool verfügen, stellt für seine Gäste beispielsweise Fahrräder bereit, mit denen diese die Umgebung erkunden können, entweder auf eigene Faust oder geführt. Auf Schleichwegen fahren wir entlang des Mai-Khao-Strandes und vorbei an Lagunen sowie an Obst- und Gemüsegärten. „Die Lagunen sind Überreste vom Zinnabbau, der für diese Region früher prägend war“, erklärt Bunprung Puanchimplee, unser Reiseleiter.

Luxusvillen mit Privatpool, verbunden mit Austausch und Begegnung mit der Umgebung, das bietet nicht nur das „Anantara“ auf Phuket, sondern auch das „Six Senses“ auf der der Insel Yao Noi. Am Infinitiy Pool des Hotels, das einen fantastischen Blick auf die Phang- Nga-Bucht ermöglicht, konkurrierten im November 2014 die Teilnehmer von „DSDS“ um die Gunst von Dieter Bohlen. Der Pool nebst den dazugehörigen Villen wurde bis zum Jahr 2014 für rund 10.000 Euro pro Nacht als „Präsidentensuite“ an Promi-Gäste vermietet, mittlerweile können alle Hotelgäste diesen Pool nutzen und auf der Terrasse dort zu Abend essen. Zu uns hat sich beim Abendessen auch Hotelmanager Graham Grant gesellt, der eigentlich aus Australien stammt, und dort auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. „Ich bin ins ‚Six Senses‘ gewechselt, weil ich eigentlich gar kein Hotelier sein will, sondern eher ein Bauer, ein Gärtner oder ein Community Manager, und genau das kann ich hier verwirklichen“, sagt er. In jeder Villa des Hotels findet sich beispielsweise ein Bastkorb, mit dem sich die Bewohner von der organischen Hühnerfarm des „Six Senses“ ihre Frühstückseier holen können.

Ein Ei ist leicht eingesammelt, eine Kokosnuss hingegen holt man nicht so leicht vom Baum. Das erfahren wir bei unserer Inseltour auf Ko Yao Noi, als wir die kleine Kokosnussplantage der 58-jährigen Chanja besuchen. Heute ist der 33-jährige Chit zu ihr gekommen, der den Affen Don mitgebracht hat. Das Tier, ein junger Kurzschwanzmakake, ist monatelang trainiert worden, um Kokosnüsse zu ernten und demonstriert uns, wie es das macht. Nachdem Don den senkrechten, aufragenden Stamm erklommen hat, hält er sich an einer Kokosnuss fest, dreht diese immer wieder von rechts nach links und zerrt kräftig an ihr. Ob das wohl gut geht? Ich habe Angst, dass der Affe samt Nuss nach unten plumpst, doch als die fast fußballgroße Kokosnuss mit einem lauten Rums auf den Boden knallt, bleibt der Makake ganz selbstverständlich auf der Palme und bearbeitet kurz darauf bereits die nächste Nuss. „Ein richtig guter Affe schafft bis zu 1.700 Nüsse am Tag. Don ist allerdings noch sehr jung, für mehr als 20 bis 30 Nüsse pro Tag reicht seine Kraft noch nicht“, erläutert Chit, der seit rund acht Jahren Affen als Erntehelfer einsetzt und sich von seinem Nachbarn abgeguckt hat, wie man die Tiere trainiert und motiviert.

Eine Lagune wie aus einem Fantasy-Buch entsprungen

Wer auf Ko Yao Noi nicht von Kokosnüssen, von der Fischerei oder vom Reisanbau lebt, der ernährt sich vermutlich von Gummibäumen, zumindest indirekt. Früher war das ein wichtiges Geschäft, doch seit einigen Jahren fallen die Gummipreise, zudem ist die Arbeit durchaus beschwerlich. „Ich stehe meist schon sehr früh auf und fange um 2 Uhr morgens damit an, die Bäume anzuritzen“, berichtet der 60 Jahre alte Wahab, der eine kleine Plantage auf Ko Yao Noi bewirtschaftet. Da liegt es nahe, alternative Einkommensquellen zu suchen. Wahab arbeitet beispielsweise auch als Fischer und als Bauarbeiter. Und auf Ko Yao Noi gibt es mittlerweile Homestay-Projekte, bei denen Thais und Ausländer bei den Einheimischen leben können und dabei üppig mit frisch gefangenen Fischen und vor Ort geernteten Meeresfrüchten verwöhnt werden. Insgesamt 25 Familien sind an dem preisgekrönten Homestay-Programm beteiligt. Zudem existiert auf der Insel inzwischen ein Kunsthandwerkszentrum, das von der Regierung gefördert wird. Darin arbeiten muslimische Frauen, die farbenprächtige Batikarbeiten erstellen und verkaufen. Wichtigstes Motiv: Natürlich die Karstfelsen der Phang Nga-Bucht, die durch das sogenannte James Bond-Island bereits in den 70er-Jahren weltberühmt wurde.

Dabei bietet die Andamanensee im Bereich Phang Nga und Krabi weit mehr. Das merken wir, als wir vom „Six Senses Hotel“ aus mit dem Longtailboot zu einem Schnorchelausflug starten. An Ko Gai haben wir einen traumhaften Sandstrand ganz für uns alleine, auf Ko Hong fahren wir durch einen schmalen Felstunnel in eine von Felswänden umgebene Lagune, die wirkt, als wäre sie einem Fantasy-Buch entsprungen. Auf der Rückfahrt liege ich dösend an Deck, genieße die Sonne, nicke kurz ein, doch dann schrecke ich auf: Wollte mir da nicht gerade jemand einen Kinnhaken verpassen? Verdammt, ich habe schon wieder nicht auf die Deckung geachtet. Glücklicherweise war es diesmal nur ein Traum, doch wenn ich wieder auf Phuket bin, dann buche ich bei Khun Lek noch ein paar weitere Stunden. Irgendwann werde ich die richtige Handhaltung für die Abdeckung schon noch hinkriegen.

Rainer Heubeck



Info

Übernachten und Aktivitäten Übernachten in Luxusvillen mit Privatpool sowie Thai-Box-Training bietet das Anantara Mai Khao Villas Phuket, phuket@anantara.com, www.anantara.com) am ruhig gelegenen Mai Khao Strand.
Ein guter Ausgangspunkt für Bootstouren in die Phang Nga-Bucht und eine Inseltour auf Ko Yao Noi ist das exklusive Six Senses Yao Noi, reservations-yaonoi@sixsenses.com, www.sixsenses.com).
Homestay bei Einheimischen und Fischerfamilien bietet das Kohyaonoi Homestay, bangmee1@hotmail.com. Die Kosten liegen bei 5.000 Baht (ca. 140 Euro) pro Person und Tag. Ähnliche Homestay-Programme vermittelt auch der Koh Yao Noi Eco-Tourism Club, www.koh-yao-noi-eco-tourism-club.com.

Klima In der Region Phang Nga herrscht tropisches Klima mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, die beste Reisezeit ist die Trockenzeit von November bis Mai, wobei auch in dieser Zeit Niederschläge möglich sind. Die Hauptregenzeit ist von Juni bis Oktober.

Infos
Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bethmannstraße 58, 60311 Frankfurt/Main
Telefon 069-1381390, info@thailandtourismus.de, www.thailandtourismus.de.




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