…Hansi Kraus?
…Hansi Kraus?
23. Juni 2017

Der in Polen geborene Schauspieler wurde in Ludwig Thomas „Laus­buben­ge­schichten“ und als „Pepe Nietnagel“ in der Filmreihe „Die Lümmel von der ersten Bank“ zum Kinderstar. Zwischen 1980 und 2010 übernahm er über­­wiegend Rollen in TV-Serien. Heute gehört der 64-Jährige zum Ensemble des Münchener Wirtshaus-Theaters „Iberl-Bühne“ und spielt in Tournee-Theater-Produktionen mit.

Bereits viermal habe er den RTL-Verlockungen für das „Dschungelcamp“ widersagt, verriet Hansi Kraus kürzlich in einem Interview: „Wenn es um sportliche Anforderungen ginge, wäre ich sofort dabei. Aber Scheißdreck fressen und Tieren den Kopf abbeißen, nur damit für die Zuschauer der Ekelfaktor steigt? Nix für mich!“ Dabei könnte er die stattliche sechsstellige Gage dieses TV-Events durchaus gebrauchen: „Die großen Film- und Fernsehangebote bleiben derzeit leider aus. Anscheinend stecke ich in der Blödel-Schublade fest, und man traut mir nichts anderes zu“, beklagt sich der Schauspieler, der am 26. Juni 65 Jahre alt wird. „Dabei würde ich gerne mal einen Kriminalkommissar spielen“, verrät er seinen Rollenwunsch. Die damalige Lausbuben-Rolle habe aber durchaus zu ihm gepasst: „Ich bin immer noch ein bisschen Lausbub. Wenn ein guter Streich hergeht, bin ich immer dabei. Einige meiner echten Streiche, wie zum Beispiel das Juckpulver auf dem Klopapier der Pauker, haben sogar den Weg ins Drehbuch gefunden.“ Hansi Kraus trauert heute noch verpassten Einnahmechancen seiner erfolgreichen Filmzeit nach: „Für meinen ersten Lausbuben-Film bekam ich schlappe 3.000 Mark für 30 Drehtage. So wenig bekomme ich heute für einen einzigen Drehtag. Die haben mich damals übern Tisch gezogen. Beim zweiten Film bekam ich dann schon 8.000 Mark und meine Lümmel-Höchstgage lag bei 35.000 Mark.“ Seinen Eltern wirft er heute vor, ihm den Großteil seiner Gagen vorenthalten zu haben, um familiäre Anschaffungen bis hin zu einem Reihenhaus zu finanzieren. Dieses Haus sei später dann hinter seinem Rücken an seinen Bruder verschenkt worden: „Ich bekam das erst mit, als ich selbst eine Familie gegründet und Kinder bekommen hatte.“ Eine vom Rechtsanwalt empfohlene Klage hat er jedoch dann unterlassen. „Es waren ja trotz allem die Eltern. Im Prinzip ist es mir heute wurscht“, gibt sich Kraus milde. Vor diesem Hintergrund passt es ja gut, dass er derzeit im bayerischen Steiner-Theater in der Komödie „Verwandte und andere Betrüger“ auf der Bühne steht.

„Bin immer noch ein bisschen Lausbub“

Kraus hat aber durchaus auch selbst von seinen frühen Gagen profitiert. So habe er damals immerhin schon mit 18 ein eigenes Auto anschaffen und etwas auf die hohe Kante legen können. „Was mir heute davon geblieben ist, ist meine Eigentumswohnung. Die konnte ich mit dem gesparten Geld anzahlen und finanzieren.“ Auch habe er während seiner Filmzeit festgestellt, dass er gut mit Kindern umgehen kann, hat deshalb dann den Beruf des Erziehers gewählt, sich aber schließlich doch für die Schauspielerei entschieden. „Ich bin zufrieden mit meiner Wahl und würde rückblickend in meinem Leben nichts anders machen. Trotz aller Durststrecken. Ich liebe meinen Beruf.“ Heute sei es in der Schauspielbranche aber härter geworden: „Es drängt immer mehr Nachwuchs auf den Markt, und die Produktionen und TV-Anstalten sparen an allen Enden. Man ist als Schauspieler erpressbar geworden und muss sich mehr denn je verbiegen, um vorwärtszukommen“, kritisiert Kraus. „Verbiegen ist nicht mein Ding. Ich bin, der ich bin. Es reicht mir, wenn ich auf der Bühne eine Rolle spiele, privat will ich nicht auch noch eine spielen. Da bin ich einfach der Hansi, der ewige Lausbub.“ Dass er noch heute mit dem verniedlichenden i-Anhängsel an seinem Vornamen leben muss, macht ihm nichts aus: „Ich hab’s mal weggelassen, das hat aber nix genutzt. Hans Kraus klingt auch viel härter. Mittlerweile stört es mich nicht mehr. Das ‚i‘ hat meiner Karriere sicher weniger geschadet als das Image des ewigen Lausbuben.“

Würde zu TV-Rolle nicht nein sagen

Damals aber waren die Lausbuben-Erfolge der 60er- und 70er-Jahre für ihn ein Türöffner in der Filmbranche. In 35 Kino-Komödien war er an der Seite von Stars wie Peter Alexander, Uschi Glas oder Theo Lingen zu sehen. Später wurde er für zahlreiche Fernsehserien wie „Marienhof“, „Forsthaus Falkenau“ und „Hubert & Staller“ verpflichtet, zuletzt kehrte er 2016 in einer Folge der „Rosenheim-Cops“ noch mal kurz auf den Bildschirm zurück.

Hansi Kraus ist ein bescheidener Mensch, er fährt zu nahe gelegenen Terminen gern mal mit dem Fahrrad und weist Pressemeldungen zurück, dass er demnächst von 600 Euro Rente leben müsse. „Ich bin zufrieden, wie es ist und komme gut über die Runden. Ich mache Lesungen, bin im Ensemble der Iberl-Bühne und 2017 mit dem Zwei-Personen-Stück ‚Love Letters‘ auf Tournee.“ So sehr ihm das Mehr an Freizeit manchmal gefällt, so will der Fast-Rentner seinen Lebensunterhalt weiter selbst verdienen und sich nicht darauf verlassen, dass seine Frau Barbara als sehr erfolgreiche Homöopathin allein für die Familie sorgt. Deshalb würde Kraus nicht nein sagen, wenn es doch wieder ein TV-Engagement für ihn gäbe wie in „Forsthaus Falkenau“, wo er von 1994 bis 2010 den Bauer Sailer spielte: „Eine durchgehende Rolle, mit der man sich identifiziert und die dem Geldbeutel wohltut: Das wär’s.“

Peter Schmidt

 

 

Zur Person:
Hansi Kraus, geboren am 26. Juni 1952 als Hans Krause in Glivice/Polen, wurde von 1964 bis 1969 durch seine Rollen in den „Lausbubengeschichten“ und in der fünfteiligen Filmserie „Die Lümmel von der ersten Bank“ (1967–72) bekannt. In den 70er-Jahren war er in insgesamt 35 deutschen Film-Komödien zu sehen. Nach dem Fachabitur begann er ein Design-Studium und absolvierte schließlich eine Ausbildung zum Erzieher.
Seit den 80er-Jahren übernahm er Rollen in TV-Serien wie „Marienhof“ (1995/96), „Ein Schloss am Wörthersee“ (1991/92) oder „Forsthaus Falkenau“ (1994–2010). Seit 2006 gehört er zum Ensemble des Münchener Wirtshaus­-Theaters „Iberl-Bühne“ und spielt in Tournee-Theater-Produktionen mit. Mit seiner Frau Barbara wohnt er in München-Lehel. Das Paar hat zwei Töchter, die jüngere, Miriam Krause (40), ist ebenfalls Schauspielerin.

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