Lieder für die Ewigkeit
Lieder für die Ewigkeit
11. August 2017

Gerade erst begeisterte Adel Tawil die Zuschauer des Saar-Spektakels in Saarbrücken – mit alten Klassikern und neuen Songs des aktuellen Albums „So schön anders“. Im Interview spricht der Musiker über private Rückschläge, berufliche Erfolge und Zukunftspläne.

Herr Tawil, Sommerzeit ist Urlaubszeit. Haben Sie neben Ihren Festival-Auftritten auch ein bisschen Zeit zum Relaxen?
Nein, leider nicht. Aber ich werde ein bisschen Kitesurfen. Wahrscheinlich nach der Tour. Das werde ich mir auf jeden Fall geben.


Das neue Album war für Sie ja eine richtige Achterbahnfahrt. Sie mussten einige private Rückschläge wie Ihre Scheidung und einen schweren Unfall einstecken. Aber für das Songwriting war dies – im Nach­hinein betrachtet – doch gut, oder?
Ja, das stimmt. Aber ich bin ja nicht der erste Mensch, der sich scheiden lässt oder einen Unfall hat. Solche Dinge passieren. Bei meinem Unfall beispielsweise hatte ich sehr viel Glück. In diesen akuten Phasen konnte ich allerdings nicht wirklich schreiben. Das muss man wie jeder andere Mensch erst einmal verdauen. Später habe ich versucht, es positiv zu sehen, wenn das irgendwie ging. Daraufhin haben wir neue Lieder geschrieben.

Eigentlich wollten Sie die Arbeit am nächsten Soloalbum ja in Los Angeles beginnen…
New York und Los Angeles sind gute Städte, um etwas Neues anzufangen. Diese Städte geben einem, zumindest am Anfang, immer eine gute Energie. Die haben diesen amerikanischen „Just do it“-Spirit und alle Menschen, die man dort trifft, haben diesen bestimmten Aktionismus. Später stellt man dann fest, dass einem das auf die Nerven gehen kann und irgendwie kam ich nicht weiter.

Dann sind Sie kurzerhand nach Hawaii zu einem Freund geflogen. Der hat sich doch bestimmt gewundert, als Sie vor seiner Tür standen, oder?
Ja, das hat er – zumal ich auch lange geblieben bin. Eigentlich wollte ich nur zwei Wochen bleiben. Aber im Endeffekt war ich mehr als drei Monate dort. Dort habe ich dann beschlossen, eine ganz andere Platte zu machen. Und plötzlich war auch diese Energie wieder da, dieses Gefühl, dass wir alles anders machen werden als bisher. Denn anders wollte ich es auf jeden Fall machen, weshalb das Album auch ‚So schön anders’ heißt.

Zwischen Ihrem Freund aus Hawaii und Ihnen ist ja nun eine Zusammenarbeit entstanden. Sie arbeiten auch an neuen Songs.
Genau. Mein Freund Marlo hat bereits einige tolle Lieder geschrieben: „Leider geil“ von Deichkind oder auch „Lila Wolken“. Wir haben schon vorher Sachen gemeinsam geschrieben, zum Beispiel „Graffiti Love“ auf dem ersten Album. Es war klar, dass wir uns gut verstehen und gute Sachen miteinander machen. Ich hätte aber nicht gedacht, dass es so gut laufen würde. Wir waren ein Herz und eine Seele.

Nach der Festivalsaison steht im Herbst die neue Tour an. Sind Sie schon in den Vorbereitungen?
Ja, natürlich. Wir nutzen diese Konzerte im Sommer, um bestimmte Dinge auszuprobieren. Wir haben bereits gut geprobt. Ans Eingemachte geht es dann aber erst ab September. Dann geht es auf Tour. Das ist etwas ganz anderes. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Im Sommer ist es schön, dass man die Woche über in Berlin frei hat. Dann arbeite ich an neuen Liedern oder kümmere mich um andere Dinge. Und am Wochenende sind die Konzerte. Das ist alles etwas entspannter. Das wird auf der Tour natürlich vollkommen anders sein. Das ist das typische Rock’n’Roll-Leben. Wir versuchen, es dieses Mal etwas gesünder zu gestalten.

Haben Sie vor den Auftritten irgendein Ritual?
Ja, wir gehen in unseren inneren Kreis, umarmen uns vor der Bühne. Jeder hat da irgendwie so seine Macken. Der Perkussionist beispielsweise hat meistens seine Kopfhörer auf und sitzt da mit seinem Laptop. Er hört meistens Musik und möchte während der Vorbereitung nicht angesprochen werden. Ich dagegen bin jemand, der sich davor gerne einsingt, damit mein Körper schon mal Bescheid weiß, dass es gleich losgeht.

Sie sind erfolgreich auf musikalischen Solopfaden unterwegs, hatten daneben aber immer schon auch andere erfolgreiche Projekte am Start. Ist diesbezüglich irgendetwas Neues geplant?
Naja, ich bin zum Beispiel immer auf der Suche und schaue mir andere Künstler an. Ich bin immer auf der Suche nach etwas Besonderem. Gerade, wenn es genreübergreifend ist. Bei SDP habe ich mich sehr gefreut, dass das so gut funktioniert hat. Das sind echte Berliner Spandauer Jungs. Sie machen eine ganz andere Musik, treten auf wilden Festivals auf und sind jetzt auch tierisch erfolgreich. Ich schaue immer, ob das eine oder andere passt und ob es mich berührt. Wenn dem so ist, greife ich auch zum Telefonhörer und frage: „Hey, wollen wir nicht einmal etwas zusammen machen?“ Meistens klappt es.

Wie sieht es denn eigentlich mit Ich + Ich aus?
Annette ist jetzt viel unterwegs. Ich habe sie vor einiger Zeit mal getroffen. Ihr Wohnsitz liegt im Süden. Manchmal schicke ich ihr Lieder. Letztendlich muss das allerdings von ihr kommen. Ich weiß nicht, ob sie das momentan möchte. Aber sie unterstützt mich.

Die gemeinsamen Songs sind auch immer noch in Ihrem Programm, oder?
Ja. Das sind Lieder für die Ewigkeit – auch ein ganz großes Privileg. Annette wird also immer an meiner Seite bleiben.

Was steht in den nächsten Tagen an?
Ich fliege nach Frankfurt und von dort nach New York. Momentan entstehen wieder einige neue Songs. Ich treffe mich mit Marlo. Er hat vorgeschlagen, dass wir uns auf halber Strecke treffen. Danach habe ich noch ein paar Sommertermine. Anschließend muss ich mich vorbereiten, denn es geht ja auf große Tournee.


Können Sie uns bereits verraten, in welche Richtung die neuen Songs gehen?
Nein. Das ist ja das Schöne. Es ist so ein erster Start. Aus dem aktuellen Album habe ich schließlich auch anfangs mit „Ist da jemand“ einen Song veröffentlicht. Danach schnuppert man erst einmal ein bisschen. Mal schauen, was theoretisch in ein bis zwei Jahren kommen könnte. Aber mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Ich lasse alles auf mich zukommen.


Interview: Marko Völke
und Christina Korb-Völke

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