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WAS MACHT EIGENTLICH...

Bill Wyman wurde als Bassist der Rolling Stones in den 60er-Jahren zur Rock-Legende
Foto: picture alliance/AP Photo

… Bill Wyman?

Bassist Bill Wyman (hier 1967) stieg 1962 bei den Rolling Stones ein.
Bassist Bill Wyman (hier 1967) stieg 1962 bei den Rolling Stones ein.  Foto: imago / Mollenhauer

Als Bassist der Rolling Stones wurde er in den 60er-Jahren zur Rock-Legende. 1993 startete er eine Solokarriere und feiert mit seinen Rhythm Kings Erfolge. Der 81-Jährige ist auch als Fotograf, Autor und Café-Besitzer tätig und plant sogar wieder eine Tour.

Als Wymans Sohn Stephen 1993 die Mutter von Bills zweiter Frau Mandy Smith heiratete und so für kuriose Familienverhältnisse sorgte, zeigte sich, dass das Leben eines „Rolling Stone" auch außerhalb der Bühne nicht in ganz konventionellen Bahnen verläuft. An Bill Wymans buntem Leben können seine Fans demnächst teilhaben: Unter dem Titel „The Quiet One" wird unter Mitwirkung des Stones-Bassisten ein Dokumentarfilm gedreht. „Mein Leben ist ein außergewöhnliches Abenteuer. Es ist Zeit, in den Archiven zu graben und meine Geschichte zu erzählen, bevor ich abkratze", kommentiert der 81-Jährige die Produktion, die sich zu großen Teilen auf seine privaten Aufzeichnungen stützt: Wyman hatte während der „Stones"-Zeiten eifrig Tagebuch geführt und Unmengen von Fotos geschossen, die heute einen humorvollen Rückblick auf diese Zeit ermöglichen. Bereits früher hatte Wyman die „Stones" und den Blues zum Thema von sieben Büchern gemacht. Zuletzt waren 2001 sein 400-seitiges Blues-Nachschlagewerk und 2002 sein opulenter Bildband „Bill Wyman’s Rolling Stones Story" erschienen, für das er über 3.000 Bilder, Briefe, Plakat- und Ticket-Fotos und sonstige Raritäten aus seinem Privatarchiv zusammengestellt hatte. Und zu seinem 80. Geburtstag im Oktober 2016 präsentierte Wyman mit der Ausstellung „Around the World in 80 Years" seinen persönlichen Lebensrückblick. Sein 2002 geäußerter Wunsch, nochmals mit den „Stones" aufzutreten, ging erst 2012 in Erfüllung: Anlässlich des 50-jährigen Band-Jubiläums trat er in der Londoner O²-Arena für ein paar Songs wieder mit den alten Weggefährten vors Publikum, das Angebot für weitere Gastspiele lehnte er jedoch ab. Seitdem hat Wyman sich mehrfach recht kritisch zur aktuellen Musik der „Stones" geäußert, die sich vom Rock ’n’ Roll der frühen Jahre zu weit entfernt habe: „Wann hatten sie den letzten Nummer-eins-Titel? Sie haben’s nicht mehr drauf, weil sie die falschen Songs an den Start bringen", lästerte er 2016. Dennoch sei die Gesamtbilanz „ganz ordentlich".

Kritik an Musik der Stones

Wyman gründete als Soldat in Deutschland 1957 mit Casey Jones (60er- Jahre-Hit: „Don’t haha") eine Skiffle-Band. Zurück in England wurde er nach kurzen Jobs in einer Metzgerei und im Elektrohandel Mitglied der Cliftons, bevor er 1962 als Bassist zu den „Stones" wechselte. Hier stand der ruhige Wyman meist im Schatten der charismatischen Kollegen Mick Jagger und Keith Richards und war nur bei zwei Titeln als Sänger zu hören („In Another Land", „Downtown Suzie"). Da er sich immer stärker für Blues interessierte, trat Wyman schon damals häufig mit bekannten Blues-Musikern auf und veröffentlichte mehrere Solo-Alben. 1982 hatte er einen respektablen Single-Erfolg mit dem englisch-französischen Song „Je suis un Rockstar", den er heute als Parodie verstanden wissen will. Nachdem er 2015 nach 23-jähriger Abstinenz mit „Back to the Basics" wieder ein Solo-Album herausbrachte, folgte 2017 eine vier Alben umfassende Wyman-Solo-Box, die einen guten Gesamtüberblick über das Schaffen des „Stones"-Bassisten erlaubt. Seiner musikalischen Blues-Vorliebe konnte er jedoch vor allem mit seinen Rhythm Kings frönen, zu denen zeitweise Größen wie Chris Rea, Mick Taylor, Georgie Fame und Peter Frampton gehörten. Anfang 2018 erschien nach 14-jähriger Pause das jüngste Album der Band: „Studio Time" enthält 15 Songs von acht verschiedenen Sessions „ohne dieses ganze moderne Studio-Bohei", darunter Cover-Versionen und eigenes Band-Material wie das von Wyman und Fame komponierte „Jazz Walk".

Archäologie als Hobby

2016 schockierte Wymans Manager die Fans mit der Mitteilung, dass der gerade mit dem Blues-Lifetime-Award ausgezeichnete Musiker an Prostatakrebs im Frühstadium erkrankt sei, es aber gute Heilungschancen gebe. Ende 2017 wurde eine erfolgreiche Behandlung verkündet. Wyman äußerte sogar Pläne, wieder auf die Bühne zurückzukehren. Er beschäftigt sich aber nicht nur mit Musik: Etliche erfolgreiche Ausstellungen zeigen ihn als kreativen Fotografen: „Ich fühle mich regelrecht nackt, wenn ich meine Kamera nicht dabeihabe." Wyman, der als Schöngeist der „Stones" galt, versuchte sich sogar als Maler und zählte Marc Chagall und Pablo Picasso zu seinen Freunden. Sein bevorzugtes Hobby ist aber inzwischen die Archäologie: Als Detektorist zieht er mit Metalldetektoren über englische Wiesen und Felder, um historische Gegenstände zu finden: „Es ist für mich eine sinnvollere Variante, an der frischen Luft zu sein, als Golf zu spielen." Häufig finde er Gegenstände aus der Römerzeit, die er zuerst untersuche und zu datieren versuche, bevor er sie an historische Museen weitergebe.

Ehrenamtlich engagiert sich der in London und Frankreich lebende Wyman im Kampf gegen Multiple Sklerose, für Kinder mit Gendefekten und für die Künstlerhilfe. Außerdem hat er jahrelang mit Cricket-Größen bei zahlreichen Charity-Turnieren gespielt.

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