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WAS MACHT EIGENTLICH...

Julie Christie wurde in den 60er-Jahren zur Leinwandlegende.
Foto: imago / Agencia EFE

… Julie Christie?

Als Lara in „Doktor Schiwago" wurde sie 1965 zur Kino-Legende. Es folgten Rollen in weiteren großen Filmen, die ihr neben dem Oscar und dem Golden Globe viele weitere Preise einbrachten. Heute engagiert sich die 77-Jährige als Botschafterin für „Survival International".

Julie Christie erhielt 2008 für ihre herausragenden Verdienste um die Filmkunst den „CineMerit"-Award des Münchner Filmfestes: Das war wohl die letzte ihrer zahlreichen Auszeichnungen. Ein Oscar und drei Nominierungen; ein British Academy Film Award und sieben Nominierungen; ein Golden Globe und zwei Nominierungen: Als Christie sich 2012 unter der Regie von Robert Redford in „The Company you keep – Die Akte Grant" von der Kinoleinwand verabschiedete, war dies der Schlusspunkt einer großen Schauspieler-Karriere. Für viele Cineasten war Christie eine der schönsten Frauen im Kino der 60er-Jahre, die zudem in vielen anspruchsvollem Rollen und im Theater überzeugen konnte.

Innerhalb von anderthalb Jahrzehnten stieg Julie Christie zum Weltstar auf und wurde von Star-Regisseuren wie John Schlesinger, Robert Altman, Richard Lester, Francois Truffaut oder Nicolas Roeg in Traumrollen an der Seite von Superstars wie Omar Sharif, Oscar Werner oder Donald Sutherland besetzt. In ihrer letzten großen Rolle spielte sie 2006 in „An ihrer Seite" eine Alzheimer-Kranke und wurde bei ihrem Comeback nach ein paar Independent-Produktionen prompt wieder für einen Oscar nominiert und mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Für immer verbunden bleibt Christies Name mit der Rolle der Larissa „Lara" Antipowa in „Doktor Schiwago", was sie heute aber eher skeptisch sieht. Allerdings wolle sie auch nichts gegen diesen Film sagen, weil er ihren Rum begründet hat: „Ich weiß, er wird immer zu Weihnachten wiederaufgeführt. Ich bin froh, dass ich ihn gemacht habe." In einem Interview in Deutschland bekannte sich Christie vor einiger Zeit als großer Fassbinder-Fan, dessen Filme nach wie vor aktuell und mutig seien. Das gelte auch für Margarethe von Trotta. Derzeit seien deutsche wie britische Filme nicht mehr so bedeutend wie damals. „Heute kommen gute Sachen aus Osteuropa, Iran, Mexiko, China. Wir haben fast alle unsere Filmkunststudios in England verloren. Das ist schade", bedauert die Oscar-Preisträgerin.

Den Starrummel sieht sie kritisch

Julie Christie 1965 als Lara neben Omar Sharif in „Doktor Schiwago“.
Julie Christie 1965 als Lara neben Omar Sharif in „Doktor Schiwago". Foto: imago / United Archives

Rückblickend auf ihre Karriere betont Christie, dass sie stets das Gefühl der Freiheit in ihren Entscheidungen gehabt habe. „Selbst heute, da ich finanziell nicht mehr so gesichert bin, mache ich, was ich will. Ich habe immer darauf geachtet, dass etwas Persönliches in jedem Film ist." Die jungen Schauspieler bedauert sie, weil das Geschäft heute viel härter sei und sie eigentlich wüssten, „dass sie verkauft werden". Den Starrummel sieht Christie ohnehin kritisch: „Die Kluft zwischen dem, was ich lebte, und dem, was über mich geschrieben wird – das ist einfach unbegreiflich, das ist schockierend." Deshalb hält sie ihr Privatleben ziemlich geheim und will kein Star für die Öffentlichkeit sein. Mit ihrem Mann, dem Journalisten Duncan Campbell, den sie nach 29-jähriger Liaison 2008 geheiratet hat, lebt sie zurückgezogen in einem Nebengebäude ihrer vermieteten Farm in Wales oder in einer kleinen Londoner Mietwohnung im East End. „Ich bevorzuge das wirkliche Leben. Ich muss mir keine Karriere mehr aufbauen und komme ganz gut klar. Ich halte mich für eine glückliche Frau." Trotz ihres Ruhms konnte Christie nie ihre Selbstzweifel ablegen: „Filme verursachen mir enorm viel Angst, weil ich nicht viel Selbstvertrauen habe", verriet sie 2015 einer Zeitung. Ende der 70er-Jahre war sie sogar eine Zeit lang aus der Filmbranche geflüchtet. „Ich dachte, ich werde dort verrückt", bekannte sie später. Oft habe sie nur aus finanziellen Gründen überhaupt noch einige Filme gedreht und 2004 in „Troja" oder „Harry Potter und der Gefangene von Askaban" sogar auch Nebenrollen übernommen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, habe sie sich sogar liften lassen, weil sie festgestellt hat: „Andere sind älter als man selbst. Aber man schaut aus wie ihre Mutter." Trotzdem sind für Julie Christie heute die Zeiten hoher Einnahmen vorbei. „Ich wollte, ich könnte gut mit Geld umgehen", verriet sie kürzlich. Heute gingen ihre Gagen meist für so alltägliche Dinge wie Dachreparaturen drauf.

Kämpft gegen Tierversuche

Trotz ihrer Zurückgezogenheit sind von ihr immer wieder auch private Informationen bekannt geworden: Sie schätzt Monogamie, weshalb sie sich nach siebenjähriger Liaison 1974 vom untreuen Frauenschwarm Warren Beatty getrennt hat. Sie ist nicht religiös, las auch schon mal in Drehpausen im „Kommunistischen Manifest" und kam gelegentlich mit dem Motorroller zum Set. Sie kleidet sich unkonventionell und hat mal in Handschellen vor einer Kirche demonstriert. Schon seit Langem engagiert sie sich auch politisch. Bei der Oscar-Verleihung 2008 plädierte sie für die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo. Sie kämpft gegen Tierversuche, für den Umweltschutz und die Gleichberechtigung, für die Menschenrechtsorganisation Oxfam und für die Abschaffung von Nuklearwaffen. Ein besonderes Anliegen sind ihr die Rechte indigener Völker, für die sie seit über 30 Jahren im Rahmen von „Survival International" kämpft. Seit 2008 ist Christie als Botschafterin dieser Organisation tätig.

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