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WAS MACHT EIGENTLICH...

Alexander Leipold
Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

… Alexander Leipold?

Als Ringer-Olympiasieger, mehrfacher Welt- und Europa­me­ister und 21-facher deutscher Titelträger ist er zur Freistil-Legende geworden. Seit 2017 arbeitet er als Coach des Ringerligisten KSV Ispringen. Der 49-Jährige engagiert sich in der Schlaganfallhilfe und hält Motivationsvorträge.

Alexander Leipold ist einer der weltweit erfolgreichsten Ringer und hat im Laufe seiner Karriere auf der Matte unzählige Gegner niedergekämpft. Als seinen größten Sieg aber bezeichnet er heute den erfolgreichen Kampf gegen die Folgen von drei Schlaganfällen, die ihn 2003 innerhalb einer Woche als Folge einer Virusinfektion seines Immunsystems trafen. Leipold war halbseitig gelähmt, konnte nicht mehr sprechen und kaum noch schlucken. „Alleine essen, anziehen, duschen – es war nichts mehr möglich", beschreibt er heute diese als Schock erlebten Ereignisse.

Er kämpfte sich mit großer mentaler Stärke und Durchhaltevermögen ins Leben zurück, stand nach einem halben Jahr schon wieder auf der Matte und krönte seine Laufbahn 2005 sogar noch mit seinem dritten WM-Titel. „Deshalb ist es mir heute sehr wichtig, mich als ehrenamtlicher Botschafter in der deutschen Schlaganfallhilfe zu engagieren. Ich habe bei mir selbst erlebt, wie wichtig es ist, dass die Betroffenen und ihr Umfeld unterstützt werden", betont Leipold, der seine Erfahrungen auch in zwei Büchern niedergeschrieben hat: 2004 erschien „Ich glaub an mich – ein Ringerleben" und 2015 „Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Der Titel des zweiten Buches ist auch das Motto eines Motivationsvortrages, den Leipold in Unternehmen oder in Reha-Kliniken hält. Dort beschreibt er seinen Kampf gegen die Schlaganfall-Folgen, seinen Auftritt bei „Let’s dance" und wie er trotz Rückschlägen erfolgreich wurde. Seine Erfahrungen gibt er auch in dem Teambildungs- und Coaching-Programm „Feel your limit" weiter: „Bei unseren aktiven Workshops steht im Fokus, dass man gemeinsam Erfolgserlebnisse hat, Selbstvertrauen entwickelt, den hohen Stellenwert des Partners und des Teams erkennt und Spaß dabei hat", erläutert Leipold im FORUM-Interview.

Die Goldmedaille, 2000 in Sydney, wurde Alexander Leipold aberkannt.
Die Goldmedaille, 2000 in Sydney, wurde Alexander Leipold aberkannt. - Foto: picture-alliance / dpa 

Belastet von den Anschuldigungen

Dem Ringersport blieb er auch nach Karriereende verbunden. Er schloss sein Diplom-Trainerstudium in Köln 2009 mit der Note 1,3 ab und trat in die Dienste des Deutschen Ringer-Bundes. Zuerst übernahm er den Freistil-Nachwuchs und stieg dann zum Bundestrainer der Männer auf. In dieser Funktion betreute er 2012 in London die Olympiamannschaft: „Ein Wahnsinnsgefühl, nachdem ich viermal als Sportler erfolgreich dabei war, dann auch als verantwortlicher Trainer beim größten Sportevent der Welt seine Sportler zu betreuen und ihnen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen." Im Vorfeld dieser olympischen Spiele wurde er auch endgültig für den unberechtigten Dopingvorwurf und die Goldmedaillen-Aberkennung bei den Spielen 2000 in Sydney rehabilitiert. Seitdem darf er sich „Sieger der Olympischen Spiele in Sydney" nennen, auch wenn die Medaille im Besitz seines klar unterlegenen Finalgegners bleibt. „Dass diese Anschuldigung trotz vieler Zweifel und Ungereimtheiten so lange im Raum stand, hat mich belastet. Deshalb bin ich froh, dass mich 2011 bei nochmaliger Überprüfung die unabhängige Steiner-Kommission endgültig rehabilitiert hat."

Weil das Bundestraineramt sehr zeitaufwendig ist und die Familie oft auf ihn verzichten musste, gab Leipold dieses Amt 2012 ab und nahm seinen vorherigen Beruf als Einkäufer wieder auf. „In Deutschland ist der Trainerjob bei Ringerclubs nur mit einem Zeitvertrag ausgestattet, sodass die Absicherung für die Zukunft fehlt." Da dem Vollblutringer sein Sport aber fehlte, übernahm er 2017 in der neuen Deutschen Ringerliga den KSV Ispringen, weil dort die Vereinbarung von Beruf und Traineramt möglich ist. „Dass ich ausreichend Zeit für meine Kinder habe, war mir sehr wichtig", betont Leipold, der mit Ispringen dann sofort Deutscher Meister wurde. „Diesen Titel würden wir trotz starker Konkurrenz natürlich gern verteidigen. Aber es wird sehr schwer werden. Vorne dabei sein wollen wir aber auf jeden Fall."

Ringt mit seinen Söhnen

Erfreut zeigt sich Leipold, dass seit Einführung der Ringer-Liga 2017 mehrere Kämpfe im Fernsehen übertragen wurden und somit einem größeren Zuschauerkreis zugänglich wurden. Er erhofft sich dadurch auch positive Auswirkungen auf die Nachwuchsarbeit, in der er sich seit Längerem auch bei Trainingscamps engagiert, um jungen Leuten den Spaß am Ringkampf zu vermitteln. Im Hinblick auf die Zukunft des deutschen Ringersports ist Leipold optimistisch, weil es etliche gute Nachwuchsringer mit großem Potenzial gebe.

Seine Freizeit verbringt der Ex-Weltmeister am liebsten mit der Familie. Er unterstützt seine Söhne Tim (19) und Neo (12), die erfolgreiche Nachwuchsringer waren, derzeit aber Fußball und Tischtennis favorisieren. Fit hält Leipold sich mit mindestens drei wöchentlichen Fitness-Trainingseinheiten, beim Ringen mit seinen Söhnen auf der heimischen Matte, mit Radtouren und bei der Arbeit mit Nachwuchsringern am Leistungszentrum. Auch nimmt er regelmäßig an sportlichen Benefiz-Aktionen wie Radtouren und Läufen teil, um Krebskranke und benachteiligte Kinder zu unterstützen. Als Hobbys nennt er Lesen und Reisen.

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