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WAS MACHT EIGENTLICH...

Angelika Milster lebt seit gut zwölf Jahren mit ihrem Mann in der Schweiz. Die 67-Jährige ist nach wie vor auf der Bühne zu Hause.
Foto: imago / Future Image

… Angelika Milster?

Sie ist Sängerin, Schauspielerin und Synchronsprecherin. Ihren internationalen Durchbruch hatte sie 1983 in der Rolle der Grizabella im Musical „Cats". Die Langspielplatte zur Erstaufführung erreichte Goldstatus, der Titel „Erinnerung" brachte ihr eine Goldene Europa. Seit gut zwölf Jahren lebt die 67-Jährige mit ihrem Mann in der Schweiz und ist nach wie vor auf der Bühne zu Hause.

Samstagvormittags in einem kleinen Kieler Altstadt-Hotel nur wenige hundert Meter vom Holstentor entfernt. An Tisch neun nimmt gutgelaunt die Grande Dame des deutschsprachigen Musicals Platz. Angelika Milster trägt ein schwarzes Kleid, darüber lässig geschwungen einen orangefarbenen Pullover. „Ich liebe orange, das ist meine Farbe. Und sie macht das Leben so viel positiver und angenehmer", erzählt Milster einem Tischnachbarn. Der Geschäftsmann in Anzug und Schlips lächelt: „Sie sind doch Frau Milster, ich kenne Sie aus dem Fernsehen!" Als er dann nach einem Autogramm fragt, stellt Angelika Milster erst einmal klar: „Ich bin Angelika, und wir können uns auch duzen. Möchtest Du noch einen Kaffee? Ich hole welchen. Ich bin so viel unterwegs, lass uns einfach ein wenig quatschen."

Unterwegs sein, das ist für Angelika Milster seit mehr als drei Jahrzenten Alltag. „Ich stehe auch in diesem Jahr fast jeden Tag irgendwo auf einer anderen Bühne, heute ist es Lübeck. Da ist es für mich wichtig, einfach mit Leuten auf Du und Du zu sprechen." In Lübeck ist sie regelmäßiger Gast, spielt dort die Partie der Tangolita in der Operette „Ball im Savoy". Immer wieder wird ihr dabei von Fans und Journalisten eine Frage gestellt, die sie gar nicht mag: „Ich werde immer wieder gefragt, ob ich mich nun eher als Sängerin oder als Schauspielerin sehe", erzählt Milster und trinkt dabei einen frisch gepressten Saft. „Eigentlich ärgert mich diese Frage. Musik und Schauspiel gehören doch ganz eng zusammen. Ich erzähle mit jedem Lied auch eine Geschichte. Für mich war schon immer klar: Ich inszeniere ein Musikstück genau so, als wenn ich eine Rolle auf der Bühne oder im Film erzähle."

Angelika Milster 1987. Vier Jahre zuvor hatte sie ihren Durchbruch mit „Cats“.
Angelika Milster 1987. Vier Jahre zuvor hatte sie ihren Durchbruch mit „Cats". - Foto: imago / teutopress

Lieblingssänger: Freddie Mercury

Und das macht sie auch heute noch. Seit ihrem Erfolg 1983 mit „Cats" ist sie überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz gefragt. „Ich hatte echt Glück. Als ‚Cats‘ zum Riesenerfolg wurde, haben mich die Medien entdeckt, und da konnte ich zeigen, was außer ‚Cats‘ sonst noch in mir steckt. Ich bin ja nicht nur eine Musicalsängerin sondern eben auch Sängerin und Schauspielerin." Im Fernsehen bekam sie unter anderem eine Dauerrolle in der Serie „Der Landarzt", in den Kinofilmen „Der König von Dulsberg" und „Club Las Piranjas" spielte sie an der Seite von Götz George und Hape Kerkeling. Auch im Privatfernsehen war sie zu sehen: In der RTL-Comedyserie „Angie" spielte sie die Mutter der Titelfigur.

„Das Geheimnis meines Erfolges ist ganz einfach", berichtet Milster. „Ich habe mich einfach nie in eine Schublade stecken lassen." Das zeigt sich auch bei ihrer musikalischen Karriere: 1994 nahm Angelika Milster einige CDs mit Popschlagern auf und erhielt dafür den Schallplattenpreis Echo. „Mein absoluter Lieblingssänger war und ist Freddie Mercury. Der war ein absoluter Knaller, was seine Titel, seine Stimme und seine Bühnenpräsenz angeht." Ihren Lieblingssong „We are the champions", singt Milster dann auch bei ihrer neuen Tournee „Milster singt Musical", die im Oktober beginnt. „Auch sonst gibt es da alle bekannten Musicalsongs zu hören – von Udo Jürgens, über ‚König der Löwen‘ bis hin zu ‚Funny Girl‘." Insgesamt wird Milster bei dieser Tournee bei jedem Auftritt 27 Songs singen. „Das ist echt eine Höchstleistung, sozusagen ein Musical-Marathon. Da muss ich ganz schön viel Text behalten. Und das ist noch nicht alles."

„Ich liebe meine Arbeit"

Zeitgleich zur Musicaltour startet nämlich auch „Hoffnung", Milsters Kirchen-Konzertreihe. „Da singe ich klassische und geistliche Lieder." Zur Weihnachtszeit gibt es natürlich auch passende Lieder. „Da kann man schon mal seinen Text vergessen", erzählt Milster lachend. „Neulich habe ich bei einem klassischen Lied ein lateinisches Wort vergessen, da habe ich dann einfach aufgehört." Retten konnte sie in der Situation nur die jahrzehntelange Bühnenerfahrung: „Da habe ich den Leuten einfach gesagt: Tut mir leid, Text vergessen, den gibt es jetzt an der Kasse. Da haben wir alle gelacht und ich habe das Lied noch einmal gesungen. Da ist mir dann das Wort auch wieder eingefallen."

Privat ist Angelika Milster vor gut zwölf Jahren von Berlin in das kleine Örtchen Brunnen in der Schweiz gezogen. „Da lebe ich mit meinem Mann und Dackel Cicho direkt am Vierwaldstätter See. Es ist herrlich: Auf der einen Seite Wasser, auf der anderen Seite die Berge." Steuerliche Gründe hatte der Umzug aber nicht: „Quatsch! Mein Mann André Bauer ist Schweizer. Er ist Dirigent, Komponist und Produzent und ist deshalb genauso oft unterwegs wie ich. Wir genießen beide das entschleunigte Leben in unserem Haus." Entschleunigen – das heißt für Milster vor allem, sich um ihren Hund zu kümmern und den Garten zu pflegen. „Man mag es kaum glauben, aber wenn ich da bin, stehe ich extrem früh auf, um mit dem Hund Gassi zu gehen. Direkt danach kümmere ich mich liebevoll um all die schönen Blumen im Garten."

Beruflich hat sich die 67-Jährige nur ein Ziel gesetzt. „Es soll alles genauso bleiben wie es ist. Ich liebe meine vielfältige Arbeit als Künstlerin."

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