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WAS MACHT EIGENTLICH...

Im Februar wurde der 71-Jährigne der Adelstitel „Dame“ verliehen.
Foto: picture alliance / Photoshot

… Sandie Shaw?

Mit dem Ohrwurm „Puppet on a string" gewann sie 1967 barfuß den Eurovision Song Contest und lieferte damit den bis heute erfolgreichsten Siegersong. In Deutschland stand sie acht Wochen auf Platz eins und ist damit immer noch die erfolgreichste britische Solo-Interpretin. Im Februar bekam die 71-Jährige, die als Psychoanalytikerin tätig ist, den Adelstitel „Dame".

Sandie Shaw ist für mich eine Art Alter Ego. Ich denke an sie als eine öffentliche Person", blickt Sandra Ann Goodrich im englischen „Telegraph" auf ihre früheren Jahre als Pop-Interpretin zurück. Privat mache sie sehr viele Dinge, die sie nicht mit Sandie Shaw in Verbindung gebracht sehen will. „So laufe ich nie ungeschminkt herum, wenn ich als Sandie Shaw unterwegs bin", verriet sie kürzlich in einem Zeitungsinterview. Mit dem Singen und öffentlichen Konzerten hat sie 2013 aufgehört, weil sie glaubt, dass man angesichts der vielen guten jungen Künstler eine Frau in ihrem Alter nicht mehr auf der Bühne sehen will. Sie sei froh mit dem, was sie gemacht hat, sie nimmt von ihrem Musik-Ich Abschied, auch wenn ab und zu immer noch Best-of-Platten veröffentlicht werden. 2007 brachte sie „Puppet got a brand new string" heraus, ein modernisiertes Remake ihres größten Hits. Shaw besitzt inzwischen die Rechte an allen ihren Songs und konnte so 2013 ihre alten Original-Studio-Alben wiederveröffentlichen und die Compilation „Long live love" herausbringen. Das sei ihre auf Vinyl gepresste Jugend, und wenn sie die Songs anhöre, erinnere sie sich an die damaligen Situationen, gute wie schlechte.

„Ich war mitten im Epizentrum"

Eine besondere Ehre wurde Shaw im Februar dieses Jahres zuteil: Im Londoner Buckingham Palast wurde sie von Prinz Charles mit dem Orden „Member of the Britisch Empire" (MBE) ausgezeichnet und darf den Adelstitel „Dame" tragen. 51 Jahre zuvor hatte sie beim damals noch Grand Prix d’Eurovision de la Chanson genannten europäischen Schlagerwettbewerb mit „Puppet on a string" den ersten Sieg für Großbritannien geholt und einen Welterfolg gelandet. Ihr Barfuß-Auftritt war damals eine Sensation und machte sie zur Ikone der Swinging Sixties. Rückblickend bezeichnet Shaw die 60er-Jahre als einzigartig: „Ich war glücklicherweise mitten im Epizentrum. Wir schrieben das gesellschaftliche Regelbuch neu. Nie zuvor konnte die Arbeiterklasse so Einfluss nehmen, wie wir das taten", dokumentiert Shaw im englischen „Mirror" ihre politische Haltung. Mit dem großen Erfolg von „Puppet on a string" konnte sie sich nie so recht identifizieren. Ihre frühere Aussage, dass sie den Song hasse, hat sie inzwischen aber schon abgeschwächt. Zum Text habe sie aber immer noch ein sehr distanziertes Verhältnis, da es um eine Frau geht, die sich freut, die Marionette eines Mannes zu sein. Shaw gibt auch zu, dass sie den Eurovision Song Contest (ESC) noch nie im Fernsehen angeschaut hat: Er sei zu ihrer Zeit schon schlecht gewesen und seitdem noch schlechter geworden!

Sandie Shaws Barfuß-Auftritt war 1967 eine Sensation und machte sie zur Ikone der 60er-Jahre.
Sandie Shaws Barfuß-Auftritt war 1967 eine Sensation und machte sie zur Ikone der 60er-Jahre. - Foto: picture-alliance / dpa

Bei der MBE-Ordensübergabe vor neun Monaten wunderte sich Prinz Charles, dass diese Ehrung so lange auf sich warten ließ. „Ich habe ihm wahrheitsgemäß geantwortet, dass Frauen in der Vergangenheit für solche Auszeichnungen eher nicht infrage kamen, schon gar nicht in den Sixties", verriet die selbstbewusste Künstlerin auf ihrer Homepage. Shaw gestand dem „Mirror", dass sie wegen der Ordensverleihung „ganz aus dem Häuschen" gewesen sei. Denn sie habe geglaubt, man habe sie und andere Frauen vergessen, während die Jungs ihrer Ära alle schon lange Sirs und Ritter seien: „Immer das alte Lied!" Mit ihrem Einsatz für Frauenrechte ist Shaw schon länger zum Vorbild für andere Kolleginnen geworden.

Anlass für die Ordensverleihung war aber nicht nur der erste britische ESC-Sieg 1967 und Shaws Verdienste um die Musik, sondern auch ihr soziales und politisches Engagement. Sie freut sich, dass damit ihre Arbeit für den Nichiren-Buddhismus sowie ihr Einsatz für die Aids-Hilfe und die faire Behandlung von Künstlern in der Musikindustrie anerkannt werden. Nicht immer kam ihr Engagement überall gut an. So hätte die BBC damals fast verhindert, dass Shaw am Song Contest teilnimmt. Und 2015 hat der Sender darauf verzichtet, sie zu der Jubiläums-Gala „Eurovision’s Greatest Hits" einzuladen, obwohl Shaw sich im Vorfeld sogar bereit erklärt hatte, ihr „Puppet on a String" nach langer Zeit nochmal zu performen. Dabei war sie aber 2017 in dem Film „My Generation", in dem viele Stars der Sixties auf diese stürmischen Jahre zurückblickten. In der Doku bekennt sie sich zu ihrer – unerfüllten – Liebe zu John Lennon. Und weil sie mit 15 noch zu jung gewesen war, ist es ihr 1962 nicht gelungen, sich bei einem Beatles-Konzert als „Johns Cousine" zu ihrem Idol durchzuschmuggeln.

Ihren Ruhm nutzt sie bis heute

Shaw konnte ihren Musik-Ruhm bis heute konservieren und geschäftlich nutzen. In ihrer Psychotherapie-Praxis „Arts Clinic" hilft sie seit 1997 Künstlern bei psychischen Problemen. Und auf ihrer Webseite („total unabhängig, allein in meinem Besitz und allein verantwortet") präsentiert sie neben zahlreichen Fotos, Videos, Song-Clips und Presseveröffentlichungen neuerdings auch „Sandie’s Boutique", in der man Geschenke, handsignierte Poster oder ihr 1991 erschienenes autobiografisches Buch „Die Welt zu meinen Füßen" erwerben oder ihrem Fanclub „Sandies Gold Members" beitreten kann.

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