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WAS MACHT EIGENTLICH...

Erika Pluhar wird am 28. Februar 80 Jahre alt.
Foto: picture alliance / Günther Pichlkostner / First Look / picturedesk.com

… Erika Pluhar?

Sie war jahrzehntelang eine erfolgreiche Theater- und Film­schauspielerin, verfasste mehrere Romane, interpretierte anspruchsvolle Lieder und war sogar als Filmemacherin tätig. 2018 veröffentlichte die vielfach ausgezeichnete Künstlerin ein bewegendes Buch über ihre verstorbene Tochter Anna. Am 28. Februar wird die Wienerin 80 Jahre alt.

Der Trick ist, dass ich jetzt schon dauernd drüber rede. Das entschärft dann vieles", verrät Erika Pluhar dem online-Medium News.at, wie sie mit der Gewissheit umgeht, demnächst 80 Jahre alt zu werden. „Der Endlichkeit bin ich mir absolut bewusst, ich weiche dem Gedanken auch nicht aus", beschreibt sie ihre Einstellung zum Tod, die auch geprägt ist von dem frühen Sterben ihrer Tochter Anna. 1999 bekam sie während Plattenaufnahmen die Nachricht, dass ihre Tochter zu Hause nach einem Asthmaanfall mit dem Tode ringt. Als Pluhar daheim ankam, war die 37-Jährige bereits an Kreislaufversagen gestorben. Nur Annas Adoptivsohn Ignaz habe sie von Suizidgedanken abgebracht und zum Weiterleben ermutigt. Pluhar adoptierte den plötzlich alleinstehenden 15-Jährigen und wohnt bis heute mit ihm zusammen in ihrem Haus in Grinzing. Ignaz, inzwischen ebenfalls Schauspieler, stammt aus der Westsahara. Den ersten Besuch in der Heimat seiner Vorfahren hat Pluhar 2012 in ihrem ersten Film „Sahara in mir" dokumentiert.

Über ihre Tochter Anna hat Pluhar 2018 ein bewegendes Buch geschrieben, auch um den schweren Verlust aufzuarbeiten. In einer Mischung aus Fakten und Fiktion handelt es von Annas ersten zwölf Lebensjahren und ist ganz aus der Sicht des Kindes geschrieben. Auch 2019 wird die Autorin mit Lesungen aus „Anna, eine Kindheit" wieder auf Lesereise gehen, um auch auf diese Art mit dem Tod ihrer Tochter umzugehen. „Die einzige Gegenmaßnahme war und ist, dass ich über Anna nie schweige. Bei jedem Fest, nach jeder Lesung, jedem Konzert wird auf die Anna angestoßen. So halte ich sie am Leben", sagt Kammerschauspielerin Pluhar in dem News.at-Interview. So gelinge es ihr, trotz allem ein heiterer Mensch zu bleiben.

Keine großen Pläne mehr

Erika Pluhar mit Klausjürgen Wussow in der Serie „Der Kurier der Kaiserin“ in den 70er-Jahren.
Erika Pluhar mit Klausjürgen Wussow in der Serie „Der Kurier der Kaiserin" in den 70er-Jahren. - Foto: picture alliance / United Archives / Impress

Sie selbst habe heute keine Angst vorm Sterben und plädiert stattdessen für eine bewusst wahrgenommene Gegenwart. Jede berufliche Zusage beantworte sie mit den Worten: „Wenn ich noch am Leben bin." Sie sei froh, dass sie mit dem Theaterspielen bereits vor 20 Jahren aufgehört habe. „Ich war nie nur Schauspielerin. Diese Bretter haben mir nie die Welt bedeutet. Die Welt bedeutet mir die Welt." Das was man früher als Ensemble gekannt habe, gebe es heute so nicht mehr: „Es gibt insgesamt zu viele Schauspieler, und sie gehen immer mehr zu anderen Ausgaben über, filmen, drehen ganze Serien, werden Kommissare." Sie habe inzwischen auch aufgehört, noch große Pläne zu schmieden: „Ich wollte so gerne noch weitere Filme machen, aber bis man das Geld zusammen hat, braucht man fünf, sechs Jahre! Deshalb sage ich: Erika, vergiss es!" Neben rund 40 Rollen in Kinofilmen und Fernsehen hat die Wienerin bei mehreren Filmen auch Regie geführt, zuletzt 2014 in der Fernseh-Produktion „Laguna", in der sie an der Seite ihres Adoptivsohnes Ignaz Pluhar eine Hauptrolle spielt. Erika Pluhar, die am 25. Februar im Stadtsaal Wien mit Freunden öffentlich ihren 80. Geburtstag feiert, möchte auch im neunten Lebensjahrzehnt weiter schreiben: „Das ist mein Leben." Seit 1981 sind über 20 Bücher von ihr erschienen. Vor „Anna, eine Kindheit" (2018) erschienen zuletzt der autobiografische Roman „Die öffentliche Frau" (2013) und der Roman „Gegenüber" (2016).

Als Sängerin tourt sie mit ihrer Band derzeit mit dem Programm „Bossa à la Pluhar". Konzerte geben werde sie aber wohl nicht mehr so lange. „Ich gehe ganz sicher nicht als geriatrisches Wunder auf die Bühne. Noch bin ich dort alterslos. Wenn das nicht mehr so ist, bleibe ich zu Hause." Sie sei André Heller sehr dankbar dafür, dass er sie zur Musik gebracht hat. „Singen ist eine der schönsten Sachen. Ich kann es nur jedem empfehlen", betonte Pluhar kürzlich in der NDR-„Talkshow". Mit Heller verbinde sie seit dem Tod ihrer Tochter wieder eine enge Freundschaft, da er ihr in dieser schweren Zeit ein ganz wichtiger Partner gewesen war. Zwar komme Heller in dem Buch „Anna" nicht besonders gut weg, aber sie habe ihn darüber vorab informiert und er habe das abgesegnet.

Lebensgefährte brachte sich um

In der „Talkshow" sprach Pluhar auch über ihren Hang zu exzentrischen Männern: „Ich war mit den spektakulärsten Mannsbildern verheiratet, aber als ich sie geheiratet habe, waren sie noch gar nicht so spektakulär." Der inzwischen verstorbene Udo Proksch hatte ein Schiff versenken lassen, um die Versicherung zu betrügen und wurde danach 1992 als Mörder zu „Lebenslänglich" verurteilt. Pluhar hat bis heute Zweifel an seiner Schuld. Ihr zweiter Mann war der versponnen zu den Sternen strebende Künstler André Heller und ihr langjähriger Lebensgefährte, der Schauspieler Peter Vogel, nahm sich das Leben.

Erika Pluhar war immer auch eine politische Künstlerin, hält öfters Vorträge und engagiert sich öffentlich gegen Rechtsextremismus. Sie wollte sich nie ganz „einer Szene" zuordnen lassen, gilt aber als den österreichischen Sozialdemokraten nahestehend. Vor einem guten Jahr hat sie ihre Landsleute in ihrem „Lied an Österreich" angesichts aktueller Probleme zu besonnener Vernunft angehalten, vor verängstigtem Nationalismus gewarnt und zum Erhalt der Freiheit aufgefordert.

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