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WAS MACHT EIGENTLICH...

Michael Schanze 1978 in der Show „Hätten Sie heut’ Zeit für mich?“.
Foto: Picture Alliance / United Archives / Impress

…Michael Schanze?

Seine Vielseitigkeit als Sänger, Schauspieler und Moderator machte ihn in den 70er- und 80er-Jahren zum Bildschirm-Liebling. „Hätten Sie heut’ Zeit für mich", die „Michael Schanze Show" und viele Kindersendungen waren Quotenrenner. Heute spielt der 72-Jährige vor allem Boulevardtheater. 2018 feierte das von ihm komponierte Musical „Heidi" Premiere.

Wer weiß überhaupt, dass Michael Schanze 1976 bei den Weltmeisterschaften im Windsurfen auf den Bahamas den siebten Platz belegte? Obwohl der TV-Liebling der 70er-Jahre auch heute noch begeisterter Golfer und Segler ist, bleibt er dem Publikum aber eher mit Bildschirm-Aktivitäten in Erinnerung. Schon Anfang der 70er-Jahre moderierte Schanze bei der ARD das Wochenendmagazin „Mobile", übernahm dann 1972 beim ZDF die Personality-Show „Hätten Sie heut’ Zeit für mich", moderierte 1973 die Midem-Gala in Cannes und von 1977 bis 1985 sein Kinderquiz „1, 2, oder 3". Mitte der 80er-Jahre wechselte er zur ARD, wo er mit den Sendungen „Michael Schanze Show", „Telefant", „Flitterabend" und zuletzt von 1991 bis 2003 „Kinderquatsch mit Michael" sehr erfolgreich war. Ein schwerer Skiunfall, der letztlich zu einer Knieprothese führte, stoppte 2003 Schanzes Fernsehkarriere. Seither war er nur noch recht selten auf dem Bildschirm zu sehen. Für seine Fernseharbeit wurde Schanze mit vielen Preisen wie „Goldene Kamera" oder „Telestar" ausgezeichnet, und er war sowohl für den bedeutenden Grimme-Preis als auch für die Goldene Rose von Montreux nominiert. Außerdem wurde er 1984 in Cannes als bester Kinder-Entertainer Europas ausgezeichnet.

Der 72-jährige Michael Schanze spielt heute vor allem Boulevardtheater.
Der 72-jährige Michael Schanze spielt heute vor allem Boulevardtheater. - Foto: imago images / Future Image

Breites Rollenspektrum

Ein Tausendsassa und Multitalent wie Schanze ist auch mit Anfang 70 noch zu jung für den Ruhestand. Als nach seiner unfallbedingten längeren Fernsehpause vor 16 Jahren die Bildschirmkarriere ins Stocken geriet, besann sich Schanze auf seine Schauspielausbildung und sein musikalisches Talent. Er spielt seitdem verstärkt Theater, meist in Boulevardstücken, aber durchaus auch in ernsten Rollen und hat auch als Komponist Erfolge. „Es ist ein stilleres Glück, vielleicht sogar intensiver", zieht er für sein jetziges Tätigkeitsfeld ein positives Fazit. In den vergangenen Jahren war Schanze manchmal an drei Theatern gleichzeitig und in verschiedenen Rollen tätig. Die Palette reicht vom Gagler in Orffs „Astutuli" bei den Festspielen im Kloster Andechs (2007) über den Milchmann Tevje in „Anatevka" bei den Festspielen Bad Hersfeld (2012) und der Hauptrolle in „Ein Fall für Pater Brown" (2015) bis hin zum Tobler im Kästner-Lustspiel „Drei Männer im Schnee" oder einer Rolle im Musical „Kiss me, Kate" (2018). Dass Schanze inzwischen gewichtsmäßig auf rund 120 Kilo zugelegt hat, ließ sich sogar beruflich nutzen: Mit diesem Gewicht konnte er 2017 gut ein solch gestandenes Mannsbild wie den Dorfrichter Adam in Kleists „Der zerbrochene Krug" spielen. Im gleichen Jahr hatte Schanze auch eine Gastrolle in einer Folge der TV-Serie „Um Himmels Willen" übernommen. Dass er irgendwann mal eine „richtig gute Fernsehrolle" übernehmen könnte, hält er nicht für ausgeschlossen. Es habe durchaus schon Angebote gegeben, aber diese seien bisher nie mit seinen Theaterverpflichtungen zu vereinbaren gewesen. „Aber vielleicht klappt es mal. Das wäre toll!", verriet er kürzlich dem Frauenmagazin „Ohmymag". Eine Rückkehr als Showmaster kann er sich dagegen nicht mehr vorstellen. Er sei glücklich, dass er früher fürs Fernsehen arbeiten konnte, aber eine Showtreppe runterlaufen, „am besten noch mit einem Kind im Arm, Balletttänzerinnen an der Seite und einem Hund an der Leine", das käme nicht mehr in Frage. „Was ich damals gemacht habe, war damals richtig. Und was ich heute mache, ist heute wichtig", sagte Michael Schanze Ende 2018 der „Berliner Morgenpost".

Seit 1970 hatte er auch als Komponist gearbeitet. So komponierte er nach Texten von Christian Berg die Musik zu dem Familien-Musical „Eine Weihnachtsgeschichte", das 2014 Premiere feierte und im Dezember 2018 auf deutsche und österreichische Bühnen zurückgekehrt ist. Nach seinem 2017 entstandenen Musical „Bambi" ist derzeit Schanzes neuestes Werk auf Theatertour: Das Kinder-Musical „Heidi", zu dem er Musik und Text geschrieben hat, begeistert seit Ende 2018 Jung und Alt, zuletzt im April in Wien.

„Viele kleine Glückssteinchen"

Michael Schanze blickt heute positiv auf sein Leben zurück, obwohl er einige Schicksalsschläge zu verkraften hatte: Er verlor früh seinen Vater, wurde 2000 von seiner Frau verlassen und dann der schwere Skiunfall. Trotzdem sieht er eher das Positive. „Ich glaube, das Mosaik meines Lebens besteht aus vielen kleinen Glückssteinchen", sagte er 2018 der Illustrierten „Gala". Er habe aber gemerkt, dass man nicht der Vollendung dieses Glücksmosaiks hinterherrennen darf, sondern er will sich weiterhin über jedes einzelne Glückssternchen als Etappensieg freuen. „So kann ich in meinen letzten Momenten sagen: Ja, dieses Leben ist eine pfundige Sache gewesen."

Neben seinen künstlerischen Aktivitäten und gelegentlichen Moderationen kleinerer Veranstaltungen engagiert sich Schanze für mehrere Kinderhilfsorganisationen wie „Plan International", die SOS Kinderdörfer oder die Lebenshilfe Starnberg. Außerdem sitzt er im Stiftungsrat beim „Bündnis für Kinder. Gegen Gewalt", das ausgesuchte Projekte zu Gewaltprävention und Kinderschutz fördert

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