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WAS MACHT EIGENTLICH...

Klaus Ludwig 1981 auf dem Hockenheimring.
Foto: imago images / Pressefoto Baumann

… KLAUS LUDWIG?

Vier Jahrzehnte regierte „König Ludwig" im deutschen und internationalen Rennsport. Je dreimal gewann er die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) und die legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans. 1998 wurde der Rheinländer mit 50 Jahren Sportwagen-Weltmeister. Am 5. Oktober wird er 70 Jahre alt.

Ich bin gerade im Wald, da ist die Verbindung nicht so gut, lass uns doch morgen telefonieren." Klaus Ludwig, der ehemalige deutsche Rennfahrerheld als Waldarbeiter? Die Frage beantwortet er am nächsten Vormittag in unserem unterhaltsamen Telefongespräch völlig entspannt auf seiner Gartencouch in der Herbstsonne liegend mit einem glasklaren „ja" und erklärt: „Ich muss ja in meinem Revier mal vorbeischauen und das ein oder andere in Ordnung bringen, hier und da mal ein bisschen aufräumen und gewisse Dinge hegen und pflegen. Das ist eine schöne und verantwortungsvolle Aufgabe." Klaus Ludwig, der Heger und Pfleger.

„Ich bereue nichts"

Klaus Ludwig bei der 65. ADAC Westfalenfahrt 2019.
Klaus Ludwig bei der 65. ADAC Westfalenfahrt 2019. - Foto: imago images / Kräling

Nur wenige Meter vom Kurvenlabyrinth der Nürburgring-Nordschleife entfernt, in den tiefen Wäldern um die Hohe Acht, ging der Hobbyjäger Klaus Ludwig gerne auf die Pirsch. Dort hatte er in seinem Jagdrevier eine schmucke Jagdhütte, die „einer meiner liebsten Plätze der Ruhe und Erholung war." In diesem Refugium holte sich der Rennfahrer die innere Ruhe. „Ich brauchte diese Abgeschiedenheit, um Kraft zu tanken. Hier konnte ich mich in der Vergangenheit vom lauten Rennalltag erholen. Ich liebe die Natur", so Ludwig. 2001 entdeckte er sein Traumrevier, nachdem er seine Jagdhütte in den Nürburgring-Wäldern verkauft hatte. „Ein kleines, aber feines Jagdrevier im Kesselringer Tal", erzählt er begeistert. „Ich habe im Revier vier Täler. Ein bisschen Bergjagd-Romantik. Das liebe ich." Langweilig wird es dem heutigen Renn-Rentner nicht. „Ich bin gesund und noch fit, achte auf mein Körpergewicht, spiele Golf und Tennis, surfe, fahre Motorrad und Ski und pflege meinen Garten und das Drumherum um unser Haus in Kalenborn (zwischen Nürburgring und Bonn, Anm. Red.)." Doch bis es so weit war, war Ludwig in der ganzen Welt unterwegs. „Ja, es war schön, ich habe Gott und die Welt kennengelernt. Lästig war nur das Hin- und Herfliegen zwischen den USA und Deutschland, in einem Jahr sogar 18 Mal. Wegen des ständigen Jetlags ist mein Biorhythmus immer häufiger durcheinandergeraten. Ich habe aber auch meine Familie mit meiner Frau und den zwei Buben vermisst, die mir in all der Zeit eine Oase waren und Rückhalt und die Kraft gegeben haben, eine volle Rennsaison mit all ihren Belastungen durchzustehen", gesteht der Ex-Rennprofi. „Aber ich bereue nichts, alles hat wahnsinnig Spaß gemacht, es war eine schöne Zeit mit vielen schönen und weniger schönen Erinnerungen, es gab Höhen und Tiefen." Klaus Ludwig ist ein „Rennsportverrückter", wie er sich selbst gern nennt.

In seiner vier Jahrzehnte währenden Rennfahrerkarriere avancierte Ludwig zu einem der erfolgreichsten deutschen Tourenwagen- und Langstreckenpiloten – obwohl er im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Stuck, Stommelen, Ertl, Heyer und Mass nie ein Formel-1-Rennen bestritt. Seine sportliche Blütezeit aber war die Ära der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) von 1984 bis 1995. Sie hat den Bonner nachhaltig geprägt. 37 Siege (davon 22 mit Mercedes) in 219 Rennen sprechen für sich. Seine DTM-Erfolge brachten ihm den Titel „König Ludwig" oder „Mister DTM" ein. Dreimal gewann er den 24-Stunden-Klassiker in Le Mans. „Insgesamt zehn Mal bin ich dort angetreten, und jedes Mal bin ich nachdenklicher geworden. Im Laufe der Zeit hat sich eine richtige Hassliebe zu Le Mans entwickelt", blickt Ludwig zurück. „Aber Le Mans ist eine der wichtigsten Motorsportveranstaltungen der Welt. Le Mans steht auf einer Stufe mit den Klassikern wie Wimbledon, Monaco, Indianapolis oder der Tour de France. Wer hier als Marke gewinnt, zeigt absolute technische Kompetenz und Zuverlässigkeit, für die Piloten gilt das gleiche", so Ludwigs Einschätzung. Außerordentlich bedauert er, dass der US-Klassiker Daytona ihm verwehrt geblieben ist. „Ich hätte gerne einmal Daytona gewonnen, dann hätte ich alle großen Klassiker im weltweiten Langstreckenbereich gewonnen. Daytona war mir nicht gegönnt."

Nach einem Unfall war Schluss

Nach dem Gewinn der Sportwagen-WM mit Mercedes 1998 hatte der Rheinländer das Ende seiner einzigartigen Karriere verkündet. Doch nach nur einem Jahr als Rentner ließ sich der rüstige Ruheständler 2000 zu einem Comeback überreden. Als Zugpferd für die wiederbelebte DTM stieg der 50-Jährige noch mal in das Cockpit eines Mercedes CLK. „Ich wollte Anschubhilfe für die DTM leisten und alles dafür tun, dass aus der Serie etwas wird", begründete Ludwig seinen Rücktritt vom Rücktritt. Mit zwei Siegen am Sachsenring verewigte sich „König Ludwig" mit 50 Jahren als „ältester DTM-Rennsieger aller Zeiten" in den Geschichtsbüchern. Er habe einen guten Job für die DTM gemacht „und damit habe ich auch meine Schuldigkeit getan." Nach seinem Unfall beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2012 war endgültig Schluss als Profi-Rennfahrer.

Seit dem Ende seiner aktiven Laufbahn widmet sich Ludwig den Klassikern unter den Rennautos. „Ich fahre wunderschöne alte Autos für das Museum. Da bin ich sehr stolz darauf, dass ich das darf", so der Mercedes-Markenbotschafter, der noch an Klassikrennen teilnimmt und verschiedene Gaststarts absolviert.

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