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WAS MACHT EIGENTLICH...

Alfred Holzwarth (rechts) in den 70ern beim Pferde­rennen in Güdingen.
Foto: Privat

… Alfred Holzwarth?

Er lernte Kaufmann, war Straßenbahnfahrer und wurde Toto-Direktor im Saarland. Als er 1998 mit 67 Jahren als Geschäftsführer der Sporttoto-GmbH in Rente ging, hatte er eine bewegte Laufbahn hinter sich. Heute lebt Alfred Holzwarth zurückgezogen in Saarbrücken.
Am 10. November wird er 88 Jahre alt.

Vom Straßenbahnschaffner zum Toto-Direktor – Alfred Holzwarth scheint das Rezept zum Glücklichsein zu kennen: „Ich habe immer gemacht, was mir gefallen hat." Kurze lockige Haare, immer etwas verschmitzt guckend, so kannten ihn seine Freunde und Geschäftspartner.

„Mit 87 Jahren sollte eigentlich ich zuerst gehen", sagt Alfred Holzwarth zum Tod seiner Frau, die Ende Juli überraschend schnell verstorben ist. Er scheint mit sich im Reinen zu sein, wenn er im Garten seines Hauses sein Leben Revue passieren lässt. „Jetzt huck’ ich dòo".

Holzwarth wohnt in Saarbrücken auf dem Homburg, zwischen Güterbahnhof und Wald. Aber weder von der Schnellstraße noch der Bahn ist etwas zu hören. Sein Garten ist eine kleine gepflegte Wildnis: „Bei mir haben Insekten viel Raum." Außerdem hält er vier Hühner.

Holzwarth hat Kaufmann gelernt. Seine Karriere startete er als Straßenbahnfahrer: „Zu jenen Zeiten gab’s im Büro etwa 20.000 Franken Gehalt. Bei der Straßenbahn konnte ich über den Schichtdienst bis zu 60.000 Franken verdienen! Mit 16 Jahren bin ich zu Hause ausgezogen und habe mir ein Leben ohne jede Hilfe aufgebaut."

Fiel bei seinem Chef in Ungnade

Als Straßenbahnfahrer sei er der SPD beigetreten. Als aufrührerischer junger Mann wurde er Juso-Vorsitzender, 2. Vorsitzender im Ortsverband und schließlich Vorsitzender in Malstatt. Dort konnte er für die Arbeiter-Partei SPD in zehn Jahren über 1.000 neue Mitglieder begeistern. Unter Lafontaine wurde Holzwarth Schatzmeister im Unterbezirk. Acht Jahre war er politisch im damaligen Stadtverband aktiv.

Der Toto-Direktor Alfred Holzwarth wird am 10. November 88 Jahre alt.
Der Toto-Direktor Alfred Holzwarth wird am 10. November 88 Jahre alt. - Foto: Wolfgang Willems

Beruflich ging es Ende der 50er-Jahre zur Sparkasse. „Steinzeit" würden heutige Informatiker sagen, denn Holzwarth erlebte mit Hollerith-Maschinen Computer-Geschichte. Danach ging es für Holzwarth in die Wechsel-Abteilung, damals ein beliebtes Instrument kurzfristiger Fremd-Finanzierung. Der SPD-Vorsitzende Karl-Heinz Schneider, 1965 Vorstandsvorsitzender der Saarbrücker Stadtwerke, holte Holzwarth als Direktions-Assistenten zur Stadt.

Die 70er-Jahre waren eine Ära der Veränderungen bei den Stadtwerken. Als Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft waren sie auch für die Omnibusse zuständig. Die Straßenbahn abzuschaffen – so Holzwarth selbstkritisch – sei aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen, der mit der Einführung der Saarbahn Ende der 90er-Jahre korrigiert worden sei. „Bei der letzten Fahrt der Straßenbahn nach St. Arnual war ich 1965 dabei."

Weil sowohl Holzwarths Vorgesetzter Stadtwerke-Direktor Schneider wie der SPD-Politiker Lafontaine 1976 Oberbürgermeister in Saarbrücken werden wollten, fiel der Lafontaine-Unterstützer Holzwarth bei seinem Chef in „Ungnade": Er verlor seine Assistenten-Stelle bei der Stadtwerke-Geschäftsführung und wurde als Parkhaus-Chef ins „Abseits" geschoben. Seine Idee, den aufkeimenden Parkplatz-Problemen mit dem Bau des Parkhauses Lampertshof zu begegnen, sei bei der städtischen Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft ein Karriere­sprungbrett gewesen.

Trotzdem war das kein „Abstellgleis", Holzwarth wurde von Lafontaine „gezwungen" – „ich hatte keine Ahnung vom Glücksspielgeschäft" – mit 56 Jahren zu Toto, Lotto und Spielbank zu wechseln. Mit der Übernahme der Toto-Lotto-Geschäftsführung war Holzwarth „aus Neutralitätsgründen" nur noch zahlendes Mitglied der SPD.

Als einen Gewinn für das Land bezeichnet Holzwarth Hartmut Ostermann. Den konnte er überzeugen, seinen Firmensitz von München nach Saarbrücken zu verlegen. Heute betreibt die Victor’s Hotelgruppe fünf Hotels im Saarland. Der frühere Bauunternehmer investierte nach Gesprächen mit Holzwarth in das ruinös dastehende Schloss Berg in Nennig. Mit Unterstützung des damaligen Finanzministers setzte Holzwarth durch, dass Schloss Berg zu einem Luxushotel mit Drei-Sterne-Gastronomie ausgebaut wurde. Dazu kam Nennig als fünfter Spielbank-Standort für das Saarland.

Als Rentner ein „grosser Leser"

„Ein Mächtiger verlässt die Politik" hieß es zu Holzwarths Verabschiedung in der Tageszeitung, als er nach zwei „Über-Jahren" 1998 mit 67 Jahren in Rente ging. Als „Don Alfredo" prägte er das geflügelte Wort „De Oskar (Anm. d. Red: Lafontaine, damals saarländischer Ministerpräsident) hadd die Macht unn ich hann das Geld".

Pragmatisch zupackend und dann durchsetzungsfähig, so nutzte Alfred Holzwarth die finanziellen Möglichkeiten von Saar-Toto für Stadt und Land. Es gab nicht nur Geld für den Sport, auch Kultur und Ökologie profitierten von den Fördergeldern. „Ich habe die Schecks überreicht. Das hat Ansehen gebracht."

Holzwarth ist keiner, der im Zorn zurückblickt. „Ich habe viel gemacht, weil ich Spaß an der Arbeit hatte." Und: „Immer ist etwas dabei herausgekommen". Als alternder Rentner sei er „ein großer Leser", sagt Holzwarth. Aber er trifft auch regelmäßig alte Weggenossen: beispielsweise Günther Junker, den ehemaligen Kongresshallen-Chef ebenso wie den Stadtverbandsbeigeordneten Karl-Heinz Wiesen und den Restaurant-Betreiber Hans-Jürgen Lohhöfer.

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