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Als magisches Kindermädchen in dem Musical-Film „Mary Poppins“ 1964 wurde Julie Andrews berühmt.
Foto: picture alliance / Everett Collection
… Julie Andrews?

Sie gehört zu den beliebtesten Schauspielerinnen des amerikanischen Films und wurde 1964 als Kinder­mädchen in „Mary Poppins" weltberühmt. Die 84-jährige Oscar- und Golden Globe-Preisträgerin erhielt gerade in Venedig den Goldenen Löwen fürs Lebenswerk.

Julie Andrews erhielt in Venedig den Goldenen Leben für ihr Lebenswerk.
Julie Andrews erhielt in Venedig den Goldenen Leben für ihr Lebenswerk. Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Julie Andrews’ Auszeichnungen sind beachtlich: Ein Oscar 1956 für ihre Hauptrolle als „Mary Poppins" und zwei weitere Nominierungen, drei Golden Globes als beste Hauptdarstellerin in „Mary Poppins", „Meine Lieder – Meine Träume" (1966) und „Victor/Victoria" (1983) plus sechs weitere Nominierungen, zwei Grammys (1965, 2011), die Aufnahme in die Hall of Fame des amerikanischen Theaters, der amerikanische Screen Actors-Lifetime-Award, ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und die Adelung als „Dame" durch Queen Elizabeth II. Zudem ist Julie Andrews seit 2014 Ehrenbürgerin ihrer Schweizer Wohngemeinde Saanen, wo sie mit ihrem 2010 verstorbenen zweiten Ehemann Blake Edwards lange einen zweiten Wohnsitz hatte. Und auch heute reist der Reigen der Ehrungen nicht ab. Am 2. September erhielt Julie Andrews auf der Biennale in Venedig den „Goldenen Löwen" als Ehrenpreis fürs Lebenswerk. In ihrer Dankesrede blickte sie mit gemischten Gefühlen auf ihre über ein halbes Jahrhundert währende Karriere zurück. Besonders am Anfang habe sie sich unwohl gefühlt, weil sich der große Erfolg „wie ein Überfall" angefühlt habe. In den 60er-Jahren hatte sie drei Filme direkt hintereinander gedreht, zwei davon gehören zu ihren erfolgreichsten: „Mary Poppins" und „The Sound of Music" („Meine Lieder – meine Träume"). Andrews betonte, dass sie sehr dankbar für diesen frühen Erfolg sei, auch wenn sie seither das Gefühl habe, den Rest ihres Lebens nur versucht zu haben, an diese Anfangserfolge anzuknüpfen. Durch ihre ersten Filme war sie früh auf familienfreundliche Rollen festgelegt. Ihr Mann, der Regisseur Blake Edwards, versuchte zwar, mit anderen Rollen das leicht zuckersüße Image zu korrigieren, aber das Publikum sah Andrews weiterhin lieber in freundlichen Charakteren. Kein Wunder, dass sie mit ihrer Darstellung der Nanny in den beiden „Eloise"-Filmen (2003) und der Königin Clarisse in den beiden „Plötzlich Prinzessin"-Filmen (2001, 2004) mit ihrem gewohnten Rollentyp wieder große Erfolge feiern konnte. Auch in ihrem bisher letzten Film „Zahnfee auf Bewährung" (Tooth Fairy, 2010) blieb sie sich treu und spielte die Oberfee Lily. Ansonsten lieh Andrews zuletzt als Synchronsprecherin anderen Figuren ihre Stimme: So ist sie in den letzten drei „Shrek"-Filmen (2004-2010, Königin Lilian), „Ich – Einfach unverbesserlich" (I/III, 2010 und 2017) und 2018 in „Aquaman" zu hören. Immer wieder war Julie Andrews in den vergangenen Jahrzehnten auch ans Broadway-Theater zurückgekehrt, wo sie 1954 in „The Boyfriend" debütiert hatte.

Ernsthafte Stimmprobleme

Julie Andrews verlor 1997 infolge einer Stimmband-Operation ein Jahr lang fast völlig ihre Sprechfähigkeit und hat bis heute ihre volle Singstimme nicht wiedererlangt. In „Plötzlich Prinzessin" versuchte sie 2001 deshalb, in tieferen Stimmlagen zu singen, was sie als sehr schmerzhaft beschreibt. Erst 2010 trat sie erstmals nach ihrer OP wieder als Sängerin vors Publikum. 20.000 Zuschauer feierten sie mit Standing Ovations.

Große Wertschätzung erfuhr Andrews auch bei der diesjährigen Oscar-Verleihung: Preisträgerin Lady Gaga hatte sie im Vorfeld um ihren Rat gefragt, weil die Pop-Königin die ältere Kollegin wegen deren Leistung in dem 60er-Jahre-Musical „Meine Lieder – Meine Träume" sehr schätzt. „Das war sehr großzügig von ihr", kommentierte Julie Andrews diese Ehre.

Rückblickend auf ihre lange Karriere, bezeichnete Julie Andrews ihre Arbeit als Künstlerin als andauernden Lernprozess. „Jeder Film hat mich etwas klüger gemacht. Es war eine große Ehre für mich, mit so vielen großen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich bin total glücklich", sagte sie bei der Biennale 2019. 2008 hat sie ihre ersten beruflichen Erfahrungen in ihrer Autobiografie „Home" festgehalten. Seit Ende Oktober ist nun der Nachfolger „Home Work", in dem sie ihre Hollywood-Jahre thematisiert, auf dem Markt.

Hilfswerk gegründet

Auch heute mit 84 Jahren arbeitet Andrews noch weiter: Gemeinsam mit ihrer Tochter Emma (56) hat sie schon mehrere Buch-Projekte verantwortet. Ihr aktuelles Werk „The Very Fairy Princess" hat gerade die Nummer eins der amerikanischen Kinderbuch-Liste erobert. Beide Frauen entwickeln auch gemeinsam Stoffe für TV, Film und Bühne. Ihre neue TV-Serie „Julie’s Greenroom" ist weltweit gerade auf Netflix gestartet. Andrews arbeitet zudem als Musical-Direktorin und plant derzeit ein Revival von „My Fair Lady". Und am 10. Dezember dieses Jahres lädt sie zu einem Gesprächsabend ins Chicago Theatre ein, um mit ihrem Publikum über ihre Karriere zu plaudern. Julie Andrews hat sich auch für Wohltätigkeitsorganisationen engagiert und gemeinsam mit Blake Edwards das weltweit agierende Katastrophen-Hilfswerk „Operation USA" gegründet und sitzt bis heute in dessen Direktorium. Sie ist im Präsidium der Erbkrankheits-Stiftung „Hereditary Disease" und der Los Angeles Philharmony und unterstützt „Americans for the Arts". Von 1992 bis 2006 war sie Botschafterin der UN-Frauenorganisation Unifem.

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