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WAS MACHT EIGENTLICH...

Dionne Warwick bei einem Auftritt in den 70er-Jahren in der ZDF-„Hitparade“
Foto: picture-alliance/ dpa

… Dionne Warwick?

In den 70er- und 80er-Jahren wurde sie mit rund 60 Top-100-Hits zur Legende. Sie verkaufte 150 Millionen Platten, erhielt etliche Musikpreise und wurde 2016 in die „Rhythm and Blues Hall of Fame" aufgenommen. Für ihr Lebenswerk bekam sie 2019 ihren siebten Grammy. Im Herbst verabschiedet sich die 79-Jährige mit drei Konzerten von den deutschen Fans.

Im Herbst 2020 geht Dionne Warwick kurz vor ihrem 80. Geburtstag auf „Farewell Tour". Dies bedeute jedoch keinen endgültigen Abschied von Bühne und Studio, sondern nur einen Rückzug vom strapaziösen Tournee-Leben. Unter dem Motto „She’s back: One last time" gastiert sie auch dreimal in Deutschland, wobei das Konzert am 22. Oktober in Berlin den Abschluss bilden wird. Einzelne Konzerte will Warwick aber weiter geben, solange das Publikum Spaß an ihren Auftritten hat. „Wenn ich aber das Gefühl habe, dass ich mich stimmlich oder vom Äußeren her sehr verändere, dann werde ich dankbar aussteigen", verkündete sie 2018 im US-Fernsehen. Die Zeiten ihrer ganz großen Hits sind schon lange vorbei. Während Warwick zwischen 1963 und 1985 mit über 60 Titeln Dauergast in den Hitlisten war, wurden gute Platzierungen danach immer seltener. 1985 stand sie mit „That‘s What Friends Are For", ihrem Beitrag zur Aids-Hilfe, noch mal vier Wochen auf Platz eins der amerikanischen Charts. Danach kam sie nur noch zweimal unter die Top 100, zuletzt 1998 auf Rang 87 mit der Rap-Version ihres Klassikers „What the World Needs Now Is Love".

Lebte lange in Brasilien

Dionne Warwick verabschiedet sich im Herbst mit drei Konzerten von ihren deutschen Fans
Dionne Warwick verabschiedet sich im Herbst mit drei Konzerten von ihren deutschen Fans - Foto: imago images / MediaPunch

Trotz ihres Alters ist Warwicks Tatendrang kaum zu bremsen. Fünf Jahre nach ihrer letzten Platte, dem Duett-Album „Feels So Good", brachte sie 2019 zwei neue Alben heraus: das R’n’B-orientierte „She’s Back" und die Weihnachtssong-Kollektion „Dionne Warwick & the Voices of Christmas". Noch im Februar 2020 gehörte die vom Magazin „Rolling Stone" als „Pionier-Chanteuse des schwarzen Middle-of-the-road-Pops" bezeichnete Warwick zu den Teilnehmern der amerikanischen „Masked Singer"-Musikshow, schaffte es im Maus-Kostüm aber nicht bis ins Finale: „Meine Stimme ist unglücklicherweise – oder zum Glück – unverwechselbar! Aber es war eine so spaßige Erfahrung für mich", kommentiert sie ihre schnelle „Demaskierung". Weniger positiv sind für Warwick aber die Folgen der Corona-Pandemie: Ihre erfolgreiche Show, die von Anfang April bis Ende Juni im „Ceasars Palace" in Las Vegas viermal wöchentlich auf dem Programm stand, muss derzeit pausieren.

Nach ihrer großen Zeit lebte Warwick fast 23 Jahre lang zeitweise in Brasilien, wo sie sich in Bahia ein Haus gekauft hatte. Sie teile mit diesem Land die Wertschätzung der Familie und die Freiheit der Glaubensausübung. Dies hält sie in gleichem Maße weder in den USA noch in vielen anderen Ländern der Welt für möglich. Ohnehin sei die Welt derzeit „im chaotischsten Zustand aller Zeiten", drückt Warwick ihre Zukunftssorgen aus. „Es gibt Rassentrennung in den USA, und es gibt Rassentrennung in Großbritannien, und es gibt Rassentrennung überall: Es ist überall immer noch dasselbe." Wie sie 2018 im US-Fernsehen erklärte, werde sie deshalb auch nach Beendigung ihrer Karriere in ihr „Paradies" Brasilien zurückkehren, um dort den Lebensabend zu verbringen. Aus Liebe zu ihrer „zweiten Heimat" hat sie sogar Portugiesisch gelernt und singt bei Konzerten oft auch einige brasilianische Kompositionen. Vielfach wurde Warwick auch für ihr humanitäres Engagement ausgezeichnet, weil sie beispielsweise Benefizkonzerte organisierte oder den Erlös ihrer Plattenumsätze für wohltätige Zwecke spendete. Allein „That’s What Friends Are For" spielte über drei Millionen US-Dollar für die amerikanische Aids-Hilfe Amfar ein. Diesen Song trug sie auch 2012 vor, als sie in Deutschland die „Goldene Kamera" für ihr Lebenswerk bekam. Trotz ihrer zahlreichen Charity-Einsätze hat Warwick sich nie irgendeiner Bewegung angeschlossen: „Ich bin kein Marschierer, ich bin ein Macher", erklärte die erste afroamerikanische Amerikanerin, die jemals einen Pop-Grammy gewonnen hat. Warwick unterstützt auch die Lesben- und Schwulenbewegung LGBT, zuletzt 2017 in Chicago mit einem Wohltätigkeitskonzert. Ein ähnliches Konzert hatte sie schon 2012 für die Welthungerhilfe organisiert und dieser dann den Erlös ihrer Platte „One world, one song" spendiert.

Tante von Whitney Houston

Weniger Glück als mit ihrer Musik hatte die sechsfache Ehrendoktorin Warwick offensichtlich mit finanziellen Dingen: Bei ihrer Scheidung musste sie sich hohen Zahlungsforderungen ihres Ex-Gatten William Elliott erwehren. 2007 kamen siebenstellige Steuerschulden an die Öffentlichkeit und im Zusammenhang mit geschäftlichen Fehlinvestitionen musste sie 2013 den Offenbarungseid leisten. Zufrieden ist Warwick dagegen mit den Karrieren ihren Kinder: Ihr älterer Sohn David, Schauspieler und Singer-Songwriter, hat schon einige Songs für sie geschrieben und mit ihr auf Tour performt. Der zweite Sohn Damon hat als Musikproduzent ein Album seiner Mutter herausgebracht und schon mit Stars wie Pink oder Christina Aguilera gearbeitet. Musik liegt eben in der Familie, die früher als Gospelchor auftrat: Warwicks Schwester Dee Dee ist erfolgreiche R’n’B-Interpretin, Cousine Leontyne Price reüssierte als Operndiva und Nichte Whitney Houston als Pop-Star. Vielleicht setzt sich diese Erfolgsgeschichte ja auch bei Warwicks sechs Enkeln fort?

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