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WAS MACHT EIGENTLICH...

In der Rolle der Tonya (hier mit Omar Sharif) im Filmepos „Doktor Schiwago“ gelang ihr 1965 der internationale Durchbruch
Foto: picture alliance / ZUMA Press

… Geraldine Chaplin?

Die Tochter der Stummfilm-Legende Charlie Chaplin machte sich ab den 60er-Jahren in etlichen internationalen Kinoerfolgen einen Namen als Schauspielerin und übernahm allein unter der Regie ihres langjährigen Lebensgefährten Carlos Saura neun Hauptrollen. Die Schauspielerin will auch mit 76 noch nicht ans Aufhören denken.

Mit zunehmendem Alter wird Geraldine Chaplin ihrem Vater immer ähnlicher. Dazu erzählte sie im Vorjahr dem Filmmagazin „Ray" eine schöne Anekdote: Als sie in einem Geschäft in Cannes an der Kasse stand, rätselten zwei hinter ihr stehende Damen hörbar darüber, woher sie wohl das Gesicht der „Vorderfrau" kennen. Bei einer fiel dann der Groschen: „Ah, das ist doch die Tochter von Laurel und Hardy!" Geraldine Chaplin findet es aber keineswegs lästig, ständig auf ihren berühmten wirklichen Vater angesprochen zu werden: „Die meisten Menschen sind ja sehr freundlich und respektvoll und wissen erstaunlich gut über die Filme meines Vaters Bescheid", erklärt sie. Ihr eigener Charlie-Lieblingsfilm sei „Goldrausch" aus der „Tramp"-Phase. Direkt dahinter stuft die engagierte Tierfreundin „Ein Hundeleben" ein.

Schönheits-OPs waren nie Thema

Geraldine Chaplin war 2019 zu Gast auf der 69. Berlinale in Berlin
Geraldine Chaplin war 2019 zu Gast auf der 69. Berlinale in Berlin - Foto: picture alliance / Photoshot

Geraldine Chaplin macht keinen Hehl daraus, dass sie vom Ruhm ihres Vaters enorm profitiert hat. Als Kind hatte sie 1952 ihren ersten Filmauftritt in Charlies „Rampenlicht". Und danach „nutzte ich die guten Kontakte, die mein Vater hatte, schamlos aus." Ihr Familienname habe ihr viele Türen geöffnet und ihr auch die Rolle der Tonya in „Doktor Schiwago" verschafft, mit der ihr 1965 der internationale Durchbruch gelang. Seitdem hat Geraldine Chaplin in mehr als 100 meist anspruchsvollen Kinofilmen renommierter Regisseure mitgewirkt und viele internationale Auszeichnungen erhalten. Sie selbst sieht ihr Lebenswerk heute etwas kritischer: Sie wolle nicht behaupten, nur in guten Filmen mitgewirkt zu haben, denn manchmal habe sich ein fertiger Film erst hinterher als miserabel herausgestellt. „Aber ich bin wirklich gerne Schauspielerin", sagte sie 2019 in der „Neuen Züricher Zeitung" (NZZ). Denn dabei könne sie gut Menschen studieren, was sie sehr liebe. „Mein Sohn ist Psychologe und ich sage immer, dass wir eigentlich den gleichen Beruf haben." Ihre 34-jährige Tochter Oona ist ebenfalls Schauspielerin geworden, und 2009 haben beide in alter Familientradition auch gemeinsam in „Imago Mortis" vor der Kamera gestanden.

In den letzten Jahren wurden Geraldines Einsätze aber seltener. „Heute spiele ich nur noch Horrorgräfin und böse Großmutter", scherzt sie in der „Welt". „Ich bin nicht – wie fast jede Frau meines Alters – geliftet. Das sieht im Spiegel nicht schön aus, ist aber gut fürs Geschäft." Deshalb habe sie keine Schönheitsoperation machen lassen und trotzdem jetzt keine Probleme mit Nahaufnahmen. „Es gibt kaum noch Schauspielerinnen, die wie alte Frauen aussehen. So kann ich Omas spielen!" Zumindest eines könne sie versprechen: „Wenn die Jobs ausbleiben, liege ich sofort auf dem Operationstisch." Nach „Sanddollars" (2014), den sie als ihren mutigsten Film bezeichnet, folgten noch „Amapola", „Ich und Kaminski" (2015), „Forbidden Room" und „Sieben Minuten nach Mitternacht" (beide 2016) sowie 2018 „Jurassic World – Das gefallene Königreich" und das italienische Zweite-Weltkriegs-Drama „Red Land". Dazwischen lagen noch zwei Episodenrollen in den Fernseh-Miniserien „Hinter den Mauern" und „Dick’s Electric Dreams". Geraldine Chaplins bisher letzte Arbeit ist das auf der Berlinale 2019 gezeigte „Holy Beasts", wo sie eine alternde Punk-Diva spielt, die unbedingt das Musicalprojekt eines verstorbenen Freundes zu Ende bringen will und darüber wahnsinnig zu werden droht. Chaplin setzt sich auch privat zunehmend mit dem Älterwerden auseinander: „Ich hasse es, alt zu sein! Es ist weder würdevoll noch lustig! Und man wird nicht automatisch weiser", sagte sie der „NZZ". „Mein Spiegelbild passt jetzt schon nicht mehr zu der Person, die ich eigentlich bin." Keine Probleme hat Chaplin damit, ihre schlanke Figur zu erhalten, obwohl sie nicht besonders auf ihre Gesundheit achtet: „Ich ernähre mich auch schrecklich. Andere würden davon sterben." So bestehe ihr Frühstück oft aus zwei Tafeln Schokolade, und sie esse viel rotes Fleisch. „Allerdings gehe ich viel spazieren, bin täglich zehn bis 14 Kilometer unterwegs! Aber nicht wegen der Gesundheit, nur zum Spaß!" Dass sie jetzt mit über 76 Jahren immer noch Arbeit finde, bezeichnete sie als Glück, ebenso ihre gesamte Karriere: „Talent liegt nicht in den Genen. Ich hatte einfach Glück. Segelohren sind genetisch bedingt, aber sicher nicht Talent!", spielt sie auf eines ihrer Merkmale an.

Schweizer Dorf ist ihre Homebase

Chaplin, die Englisch, Französisch und Spanisch spricht, unterhält heute Wohnungen an verschiedenen Orten, weil sie sich überall zu Hause fühlt: „Ich habe keine Wurzeln, keine Heimat. Ich fühle mich auf der Welt fremd und heimisch zugleich." Obwohl sie einen englischen Pass hat, bezeichnet sie inzwischen die Schweiz als Homebase. „Wir leben in dem kleinen Dorf Corsier, mit 1.500 Einwohnern. Ich genieße das Dorfleben. Man weiß immer, was die anderen machen." Das Haus, zehn Minuten Fußweg von Charlie Chaplins früherem Wohnsitz entfernt, hat sie von ihrer Mutter geerbt. Egal, an welchen ihrer Wohnsitze sie sich gerade aufhält, liebe sie es, im Café zu sitzen und die Leute zu beobachten: „Ich stehle da viel für meine Rollen."

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