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WAS MACHT EIGENTLICH...

Für ihre Rolle in Hitchcocks „Die Vögel“ wurde Tippi Hedren mit einem Golden Globe ausgezeichnet
Foto: imago images / Mary Evans

… Tippi Hedren?

Anfang der 60er-Jahre wurde sie als Hauptdarstellerin in Hitchcocks Thrillern „Die Vögel" und „Marnie" weltbekannt. Als der Star-Regisseur ihre Karriere nach sexuellen Anschuldigungen boykottierte, erhielt sie meist nur noch kleinere Film- und Fernseheinsätze. Die 90-Jährige war 2018 Gesicht der Gucci-Schmuck-Kampagne.

Im stolzen Alter von 88 Jahren wurde Tippi Hedren 2018 von der Edel-Modefirma Gucci ausgewählt, um deren Schmuck und Uhren zu präsentieren. Ein Werbespot zeigt die Hitchcock-Schauspielerin als mysteriöse Wahrsagerin, die in einer goldenen Kugel jungen Models die Zukunft voraussagt. Hedren kehrte damit wieder zu ihren Anfängen zurück, denn sie war in den 50er-Jahren bereits als Model erfolgreich, bevor Alfred Hitchcock sie 1961 in einem Werbespot als Ersatz für seine „Lieblings-Blondine" Grace Kelly entdeckte. In ihrer Autobiografie „Tippi – Die Memoiren" beschuldigte Hedren 2016 ihren Entdecker dann mehrmaliger sexueller Übergriffe, weil er sie vollkommen für sich vereinnahmen wollte: „Ich wollte Schluss damit machen, dass immer andere meine Geschichte erzählen, und endlich selbst Stellung nehmen!" Als sie nach „Marnie" Hitchcocks „rücksichtslose Belästigungen" endgültig zurückwies, bestand der Regisseur auf seinem noch zwei Jahre gültigen Exklusivvertrag und sorgte dafür, dass Hedren während dieser Zeit keine Rollenangebote mehr bekam. Heute beschreibt die Schauspielerin in der „Zeit" ihre zwiespältigen Empfindungen Hitchcock gegenüber so: „Dankbarkeit und Abscheu. Respekt und Fassungslosigkeit!" Aus Angst und Scham habe sie die sexuellen Übergriffe erst nach Hitchcocks Tod öffentlich gemacht, auch weil dieses Thema zuvor in der Branche tabuisiert war. Ihrer ebenfalls schauspielernden Tochter Melanie Griffith habe sie deshalb versucht, viel Selbstvertrauen mitzugeben, damit sie gegen männliche Übergriffe besser gewappnet ist. 

Tippi Hedren besuchte 2017 den Auftakt des Theaterstück "The Bodyguard" in Los Angeles
Tippi Hedren besuchte 2017 den Auftakt des Theaterstück "The Bodyguard" in Los Angeles - Foto: picture alliance / Newscom

Lebt in der Wüste mit Großkatzen

Hedrens Karriere war jedenfalls durch die Zwangspause entscheidend gebremst. Zwar setzte Charlie Chaplin sie 1967 in seinem Film „Die Gräfin von Hongkong" noch in einer Nebenrolle ein, aber ansonsten beschränkten sich Hedrens Angebote auf Fernsehserien und B-Movies. Dazu gehört auch 1994 die Fortsetzung ihres Erstlingserfolgs, „Die Vögel 2", den sie 2007 in einem Interview als „absolut schrecklich" bezeichnete. Nur ihr damaliger Mann Noel Marshall gab ihr 1981 in dem finanziell wenig einträglichen Großkatzen-Film „Roar – Die Löwen sind los" noch mal eine Hauptrolle. Dafür musste Hedren lange Zeit mit Löwen und Tigern zusammenleben und hatte bei der Filmarbeit zahlreiche Verletzungen erlitten. Trotzdem hält ihre Begeisterung für diese Tiere bis heute an: Sie gründete 1983 die Roar-Stiftung, die sich um Raubkatzen kümmert, und lebt seitdem in der Mojave-Wüste nördlich von Los Angeles in ihrem „Shambala"-Reservat mit Dutzenden Großkatzen zusammen. Waren es früher bis zu 60 Löwen, Panther, Tiger und Geparden, die oft sogar freien Zugang zu den Wohnräumen hatten, beherbergt Hedren heute dort in großen Käfigen etwa noch ein gutes Dutzend Exemplare, die von ihren Vorbesitzern verstoßen worden waren. Die Tier-Aktivistin hat 2003 ein Gesetz initiiert, das die Zucht von Raubkatzen und ihren Verkauf als Haustiere in den USA verbietet. Ihr Einsatz für Großkatzen bezeichnet Hedren 2018 in der „Zeit" als eine Art Mission, um „den Beweis zu führen, dass Alfred Hitchcock meine Karriere, aber nicht mein Leben zerstört hat!" Bei ihrer Arbeit für die Raubtiere bekommt Hedren gelegentlich Unterstützung von ihrer Enkelin Dakota Johnson („Fifty Shades of Grey"), während Tochter Melanie Griffith sich mit Löwen und Tigern nicht anzufreunden vermag.

Dakota Johnson ist ihre Enkelin

Trotz ihrer negativen Erfahrungen bezeichnet Hedren Hitchcock heute noch als genialen Filmemacher und ist auf „Die Vögel" und „Marnie" immer noch stolz. Jedes Jahr am „Labour Day" fährt sie nach Bodega Bay, dem Drehort der „Vögel", und schwelgt dort mit Filmfans in Erinnerungen. Hedren, die 2003 einen Stern auf dem Hollywood-Boulevard erhielt, stand nach langer Pause 2017 in „The Ghost and the Whale" letztmals vor der Kamera und spielte sich selbst. Über Tochter Melanie Griffith und Enkelin Dakota Johnson bleibt sie aber weiter mit der Branche verbunden. Von ihrer Enkelin, die sie heute gelegentlich bei Filmpremieren begleitet, schwärmt sie: „Sie ist eine wunderbare Schauspielerin." Die Fifty-Shades-Filme, in denen sich Dakota von einem Mann Schmerzen zufügen lässt, schaue sie sich allerdings nicht an. „Wer möchte schon seiner Enkelin beim Sex zuschauen?", fragte Hedren 2015 als Stargast der Viennale. Auch in Corona-Zeiten hält sie regelmäßigen Kontakt zu Tochter und Enkelin, hauptsächlich über das Telefon. Ansonsten lässt Hedren es sich auf ihrer Ranch gut gehen: „Meine einzige Routine ist, keine Routine zuzulassen! Und Ich wache jeden Morgen neben Johnny Depp auf!" Damit sei allerdings ihre derzeitige Lieblingskatze gemeint, deren vierbeinige Vorgänger sie nach Marlon Brando, Robert Taylor und Sean Connery benannt hatte. Nach ihrem Frühstück liebt Hedren es, ausgiebig zu lesen oder Fernsehen zu schauen: „Aber nicht allzu viele Nachrichten!" Seit 2014 unterstützt sie mit ihrer Fingernagel-Stiftung arbeitslose Migrantinnen bei der Gründung von professionellen Nagel-Studios.

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