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WAS MACHT EIGENTLICH...

Penny McLean (vorne) mit Ramona Wulf (rechts) und Rhonda Health von Silver Convention
Foto: picture alliance / United Archives | United Archives / Helmut Reiss Lisa Neisius
… Penny McLean?

Titel wie „Fly, Robin, Fly" mit Silver Convention oder ihr Solo-Hit „Lady Bumb" machten sie Mitte der 70er-Jahre zur internationalen Disco-Queen. Seit 1988 veröffentlichte die Österreicherin insgesamt 20 esoterische Bücher. Ihre Erfahrungen mit übernatürlichen Wesen vermittelt die 71-Jährige heute auch in Seminaren und Vorträgen.

Auch wenn Penny McLean in ihrem letzten Bestseller „Gestorben ist noch lang nicht tot" aus dem Jahr 2018 versucht, den Menschen die Angst vorm Sterben zu nehmen, will sie ihr Leben doch nicht unnötig riskieren. In der Corona-Krise, die auch ihre Vorträge und Seminare beeinträchtigt, hat die einstige Disco-Queen sich ab März 2020 selbst einen „99-prozentigen Hausarrest" auferlegt, über dessen strukturierten Ablauf sie kürzlich bei „Spiegel Online" berichtete: Nach einem späten Frühstück geht sie zur Mittagszeit mit selbstgebasteltem Mundschutz und eigenem Desinfektionsmittel zum Supermarkt, macht um 14 Uhr ihre Gymnastik und bereitet dann für 17 Uhr das Mittagessen vor, dem eine einstündige Klavierübung und ein Englisch-Kurs mit Shakespeare-Texten folgen. Von 20 Uhr bis zum Schlafengehen gegen 22.30 Uhr sieht sie fern. Zu Penny McLeans üblichem Tagesprogramm gehören immer die Versorgung ihrer Pflanzen und das Werkeln im Haushalt: „Ich bin eine passionierte Handwerkerin. Es wird aber immer weniger, da es mich inzwischen oft so anstrengt", gestand sie 2019 dem „Mystica-Magazin".

Passionierte Handwerkerin

Mit dem Abflauen der Disco-Welle Anfang der 80er-Jahre endete auch die Karriere McLeans als Pop-Sängerin. Die musikalisch Hochbegabte hatte schon als Fünfjährige ein Konservatorium besucht und eine Ausbildung an Klavier, Flöte und Gitarre sowie im Gesang erhalten. Nach ersten Soloauftritten 1965 und ihrer Hochzeit mit dem Komponisten und Schauspieler Holger Münzer tingelte sie mit ihrem Mann als Folk-Duo „Holger und Tjorven" durch Münchner Szenelokale und trat mit den „MTH-Singers" auch bundesweit in Diskotheken auf. Nach ihrer Scheidung 1972 veröffentlichte sie als Barbie Münzer unter anderem solche Bandwurm-Titel wie „Bananendampferkapitän" und „Acapulcobanjopolka" und gründete ihre Band Penny Box. Anfang der 70er-Jahre bildete sie zusammen mit Linda G. Thomson und Ramona Wulff die Girl-Band Silver Convention, die 1975/1976 mit den Hits „Fly, Robin, Fly" und „Get up and Boogie" die Disco-Szene aufmischte und internationale Hitlisten stürmte. Produzent Michael Kunze erhielt 1976 für sein Projekt Silver Convention sogar einen Grammy und landete mit diesem Trio und dem Song „Telegram" 1977 beim Eurovision Song Contest auf dem achten Platz. Danach flaute die kurze Erfolgswelle rasch ab, und die drei Bandmitglieder gingen eigene Wege. Penny McLean hatte bereits 1975 mit „Lady Bumb" einen internationalen Solo-Erfolg gelandet und damit einen Disco-Modetanz populär gemacht. Auch die Nachfolge-Single „1, 2, 3, 4 … Fire" schaffte es 1976 in die Top Ten. Folgende Platten wie „Bunny-Honey, dance" und „Zwischen zwei Gefühlen" konnten sich nicht mehr in den Charts platzieren. 1979 trat Penny McLean dann noch mit dem Projekt Tut Ench Amun ohne großen Erfolg beim Luxemburger ESC-Vorentscheid auf. Nach dem 1982 gemeinsam mit Dieter Bohlen komponierten Achtungserfolg „Wenn Träume Flügel kriegen" und dem hinter den Erwartungen zurückbleibenden „Don‘t ever leave me now" endete 1985 McLeans Gesangskarriere. Damals war sie zeitweise auch als Schauspielerin tätig und stand beispielsweise im Münchner Theater am Einlass auf der Bühne und in den TV-Produktionen „Bistro" (1973) und „Lieder gehen um die Welt" (1982) vor der Kamera.

„Themen treten an mich heran"

Seit 1988 hat McLean sich vor allem als Autorin esoterischer Sachbücher einen Namen gemacht. Seit ihrem Erstling „Kontakte mit deinem Schutzgeist" sind bis heute 20 Werke über ihre übernatürlichen Begegnungen oder über Numerologie erschienen. Allein die „Engel-Trilogie" der Jahre 1988 bis 1991 erreichte Auflagen von über 500.000 Exemplaren und löste einen noch anhaltenden Engel-Boom aus. Laut eigenen Angaben ist McLean schon seit ihrem 17. Lebensjahr mit Astrologie und I Ging in Kontakt gekommen und hat sich danach fünf Jahre mit Anthroposophie beschäftigt und ab Mitte der 70er-Jahre noch zwölf Jahre Kabbala-Unterricht bekommen. McLean versucht seitdem, ihre übernatürlichen Kontakte für die Bewältigung ihres realen Lebens zu nutzen. Ihre Erfahrungen gibt sie in Ratgeber-Büchern weiter: „Alles, was empfohlen wird, habe ich selbst getan. Und manches ist mir so schwer gefallen, dass es fast nicht zum Schreiben dieser Bücher gekommen wäre." Sie hält inzwischen eine generelle Überprüfung heutiger Denkstrukturen für notwendig, „weil wir uns in den letzten Jahrzehnten mit beispielloser Arroganz über eine beachtliche Anzahl von grundlegenden Erfahrungen hinweggesetzt haben!", betont sie in einem Interview mit „Horizonworld". Deshalb müsse das gesamte Gesellschaftssystem im Sinne einer sozialen Neugliederung überdacht werden: Statt Ego-Pflege, Selbstliebe und Spaßgesellschaft müsse die Nächstenliebe im Vordergrund stehen. Ob ihre Karriere als Sachbuch-Autorin noch weitergeht, kann McLean nicht genau sagen, denn sie sei eine „Auftragsschreiberin": „Ich plane meine Themen nicht, sondern die Themen treten an mich ran! Alles wird wohl von einer sehr intimen Absprache mit der Höheren Instanz abhängen."

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