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WAS MACHT EIGENTLICH...

Brian Wilson (unten rechts) mit seinen Beach-Boys-Kollegen in den 60er-Jahren
Foto: dpa / empics

… Brian Wilson?

Als Kopf der Beach Boys schrieb er viele ihrer Welthits und zählt zu den einflussreichsten Songwritern der Popmusik. Wegen psychischer Probleme trennte er sich mehrfach von seinen Kollegen. Der 78-Jährige kommt im Juni 2021 noch mal für drei Konzerte nach Deutschland.

In der Familien-Band Beach Boys sind die Familienbande derzeit wieder mal erheblich belastet. Wenn der geniale, aber eigenwillige Brian Wilson im Juni 2021 im Rahmen seiner Europa-Tournee „Good Vibrations – Greatest Hits live" mit seiner Band für drei Konzerte nach Deutschland kommt, ist von den ehemaligen Mitgliedern der West-Coast-Legende nur noch Wilsons Schulfreund Al Jardine dabei. Da Brians Brüder und Bandkollegen Carl und Dennis vor der Jahrtausendwende verstorben sind, ist von den Gründungsmitgliedern außer Brian Wilson und Jardine nur noch Cousin Mike Love übrig geblieben, dem 1998 die Namenrechte für die Beach Boys zugesprochen worden waren. Dadurch ist das Verhältnis zwischen Love und Wilson dauerhaft belastet. Letztmals gemeinsam auf der Bühne standen die drei noch lebenden Ur-Beach-Boys 2012 zum 50. Bandjubiläum. Heute geht Mike Love mit dem 1965 hinzugekommenen Bruce Johnson unter dem alten Bandnamen auf Tour, während Wilson inzwischen als Brian Wilson & Band auftritt. Dieses Ensemble wird nun im Juni/Juli 2021 insgesamt 20 Konzerte in Europa geben und dabei die alten Beach-Boys-Klassiker und einige von Brians Solokompositionen zu Gehör bringen. Die Tour sollte ursprünglich bereits 2019 stattfinden, wurde aber wegen erneuter psychischer Probleme Wilsons auf unbestimmte Zeit verschoben. Nach der Corona-Zwangspause 2020 wird es nun im kommenden Jahr endlich soweit sein und auch das deutsche Publikum in den Genuss eines Livekonzertes des „bedeutendsten noch lebenden US-Komponisten" (Elton John) und „der weltbesten Tourband" (Paul McCartney) kommen: am 8. Juni in München, am 10. Juni in Berlin und am 11. Juni in Lingen/Emsland. Die Corona-Zeit hat Wilson genutzt, um sich auf diese Europa-Tour vorzubereiten: „Ich fühle mich gut. Ich habe geprobt, bin viel spazieren gegangen und freue mich darauf, euch bald wiederzusehen", lässt er auf seiner Website die Fans wissen.

Taub auf dem rechten Ohr

Das frühere Bandmitglied der Beach Boys Brian Wilson trat auf der Bühne des Auditorium Stravinski anlässlich des 51. Montreux Jazz Festival in Montreux im  Juli 2017 auf
Das frühere Bandmitglied der Beach Boys Brian Wilson trat auf der Bühne des Auditorium Stravinski anlässlich des 51. Montreux Jazz Festival in Montreux im Juli 2017 auf - Foto: picture alliance / KEYSTONE

Brian Wilsons Karriere hatte schon immer unter seinen gesundheitlichen Problemen zu leiden. Er war unfallbedingt schon seit früher Kindheit auf dem rechten Ohr taub. 1964 erlitt er bei einem Konzert einen Nervenzusammenbruch, der zu einem mehrjährigen Rückzug von Live-Auftritten führte. Wilson musste sich seither ständig psychologischer Behandlung unterziehen, überstand 1983 einen Selbstmordversuch und war zeitweise sogar entmündigt. Verstärkt wurden die Probleme noch durch Drogenexperimente, mit denen er seine Kreativität steigern wollte. Den Beach Boys stand er nur noch als Komponist und Produzent zur Verfügung, zeitweise zog er sich aber auch ganz von der Band zurück. Erst ab der Jahrtausendwende ging es Wilson wieder besser, sodass er seitdem sogar wieder auf Tour gehen kann. Er veröffentlichte bis heute zwölf Solo-Alben, arbeitete aber immer wieder auch für die Beach Boys und blieb dabei im Hintergrund. Seine eigenen avantgardistischen Kompositionen verschafften ihm hohe Anerkennung in Branchenkreisen, der ganz große Publikumserfolg blieb aber aus. Das Magazin „Rolling Stone" setzt Wilson auf Rang zwölf der besten Songwriter aller Zeiten. Dabei bescheinigen ihm Musikkritiker, dass er sein volles Potenzial eigentlich nie ganz ausschöpfen konnte. Noch einmal schaffte es der Komponist Dutzender Top-Hits der 60er-Jahre an die Chartspitze: Mit seinem Album „Brian Wilson presents ‚Smile‘" veröffentlichte er 2004 endlich das schon in den 60er-Jahren als Nachfolger des genialen Albums „Pet Sounds" sehnsüchtig erwartete, aber immer wieder zurückgestellte „Smile"-Projekt. Dafür erhielt Wilson nun einen Grammy und drei Nominierungen. Sein Stellenwert als Komponist zeigt sich auch darin, dass er 2011 zwei unvollendete Werke George Gershwins fertigstellte und auf seinem Album mit Gershwin-Interpretationen veröffentlichte. Für sein musikalisches Werk erhielt Wilson zahlreiche Ehrungen: zwei Grammys und neun Nominierungen, Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall of Fame (1988), Ehrendoktor für Musik der Uni Boston (2003), den Kennedy-Center-Preis für seinen Beitrag zur amerikanischen Kultur (2008) oder zuletzt 2016 eine Golden-Globe-Nominierung für seinen Song „One kind of love" aus dem Film „Love and Mercy", der auf Episoden seines Lebens basiert. 2016 ließ Wilson in seiner Biografie „Ich bin Brian Wilson" sein wechselhaftes Leben mit vielen Höhen und Tiefen Revue passieren. Von Ruhestand will er aber nichts wissen: „Wenn ich in Rente ginge, wüsste ich gar nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte", sagte er dem „Rolling Stone"-Magazin.

Zahlreiche Ehrungen

Die Kontroverse zwischen Wilson und Mike Love erhielt kürzlich neue Nahrung, als die Beach Boys in Kalifornien bei einer Spendenaktion für Donald Trump auftraten: „Wir haben absolut nichts mit der Trump-Benefizveranstaltung in Newport Beach zu tun!", distanzierten sich Wilson und Al Jardine von dem Auftritt ihrer ehemaligen Kollegen. Bereits im Frühjahr hatten sie scharf kritisiert, dass die Beach Boys in einem „Safari-Club" in Nevada aufgetreten waren, der die Trophäenjagd unterstützt.

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