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WAS MACHT EIGENTLICH...

Michael Phelps holte 2009 bei den Weltmeister-schaften in Rom fünfmal Gold
Foto: picture-alliance / DPPI

… Michael Phelps?

Zwischen 2000 und 2016 wurde er mit 28 olympischen Medaillen und zahlreichen Schwimm-Weltrekorden zum bisher erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten. Der 35-Jährige, der auch eigene Sport­bekleidung vertreibt, leidet schon seit Längerem an Depressionen und hat dies jetzt in dem Dokumentarfilm „The Weight of Gold" thematisiert.

Michael Phelps ist überzeugt, dass die coronabedingte Verschiebung der Olympischen Spiele von Tokio auf das Jahr 2021 für die meisten Athleten eine besondere Herausforderung darstellt. „Es war die richtige Entscheidung, aber es bricht mir das Herz für die Athleten", sagte er kürzlich dem „Spiegel". Wenn ihm so etwas als Aktiver passiert wäre, wäre er wegen der Verunsicherung ausgeflippt. „Als jemand, der einige wirklich tiefe Phasen der Depression durchgemacht hat und noch immer damit zu tun hat, hoffe und bete ich, dass jeder dieser Sportler psychische Hilfe bekommt." Phelps hat 2014 seine Depressionen und sein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ADHS öffentlich gemacht und sogar Selbstmordgedanken nach Olympia 2012 eingestanden. Heutigen Athleten rät er, sich professionelle Unterstützung zu holen, und bietet jüngeren Sportlern auch seine Hilfe an. „Ich möchte in der Lage sein, ein Leben zu retten, wenn ich kann. Für mich ist das wichtiger, als eine Goldmedaille zu gewinnen." Als Co-Produzent des 2020 beim TV-Sender HBO erstmals gezeigten Dokumentarfilms „The Weight of Gold" will Phelps durch seine Interviews mit prominenten Sportlern auf die hohe psychische Belastung der Athleten aufmerksam machen.

Startverbot wegen Alkohol

Der Schwimm-Olympiasieger Michael Phelps (links) bei einer Preisverleihung 2019 in West Palm Beach
Der Schwimm-Olympiasieger Michael Phelps (links) bei einer Preisverleihung 2019 in West Palm Beach - Foto: imago images / ZUMA Press

Phelps’ Karriere ist außergewöhnlich: Bei vier Olympiastarts von 2000 bis 2016 blieb er 23-mal siegreich und hat mit achtmal Gold und weiterem Edelmetall bei den Spielen 2008 in Peking sogar den fantastischen Rekord seines Landsmanns Mark Spitz übertroffen. Achtmal war er Weltschwimmer des Jahres und zweimal Weltsportler des Jahres. Die Anzahl seiner Titel und Rekorde ist fast unüberschaubar und hat den heute 35-Jährigen längst zur Schwimm- und Sportlegende gemacht. Trotz der glanzvollen Karriere hat Michael Phelps auch Schattenseiten erlebt: Schon als 18-Jähriger wurde er 2004 wegen Trunkenheit am Steuer zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe und zur Teilnahme an einem Anti-Alkohol-Programm verurteilt. 2009 geriet Phelps in einer wettkampffreien Zeit unter Marihuana-Verdacht und erhielt eine dreimonatige Wettkampfsperre. 2014 wurde er erneut alkoholisiert am Steuer erwischt und mit einem sechsmonatigen Startverbot und einer Sperre fürs US-WM-Team belegt. Als Schwimmer sorgte Phelps aber immer wieder für Glanzleistungen, vor allem, als er nach seinem Comeback bei den Olympischen Spielen 2016 in Sydney gleich wieder fünf Goldmedaillen gewann. Nach seinem Karriereende 2017 kritisierte er öffentlich die mangelhaften Dopingkontrollen: Er sei sich sicher, an keinem Wettkampf teilgenommen zu haben, bei dem alle Athleten „sauber" gewesen waren. Vor Monaten aufkommende Gerüchte, er könnte eventuell doch wieder bei den für 2020 geplanten Olympischen Spielen in Tokio starten, wies Phelps gleich zurück. Schon länger leide er unter Schulterproblemen, werde mit Cortison behandelt und befürchte ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Er wolle heute lieber seine Kinder aufwachsen sehen und viel Zeit mit ihnen verbringen. Seine üblichen Schwimmrunden kann er derzeit wegen coronabedingter Schwimmbadschließungen nicht durchführen. Deshalb hält sich der Bewunderer von Basketball-Ass Michael Jordan und Fan der Baltimore Ravens mit Hanteltraining, Fahrradfahren und Golf fit.

Mit einem Ein-Millionen-Dollar-Olympia-Honorar seines Badehosen-Sponsors gründete das Schwimm-Ass 2008 die „Michael Phelps Stiftung", um den Schwimmsport zu fördern und einen gesünderen Lebensstil zu propagieren. Seine „Michael Phelps Schwimm-Schule" entwickelte das „im"-Gesundheitsprojekt, das seitdem Jugendliche zu Aktivität, Gesundheit und positiver Lebensplanung anhält. Er veranstaltet zugunsten seiner Stiftung zusätzlich jedes Jahr das Turnier „Michael Phelps Foundation Golf Classic". Seit 2017 gehört der Rekord-Schwimmer auch dem Präsidium von „Medibio" an, eine Gesellschaft, die sich der Diagnose von psychischen Erkrankungen widmet.

Depressive Phasen

Phelps ist überzeugt, dass es für ihn auch künftig immer wieder depressive Phasen geben wird: „Aber ich habe gelernt, dass mich meine Depressionen und Ängste zu dem machen, was ich bin", sagte er kürzlich dem „Spiegel". Obwohl er mit einigen aktuellen Top-Schwimmern befreundet ist, findet er es „verrückt, wie weit ich inzwischen vom Wettkampfschwimmen entfernt bin". Heute steht für ihn vor allem seine Familie im Mittelpunkt. Stolz ist er auf seine drei Söhne: „Zum dritten Mal Vater zu werden, bedeutet mehr als 28 Olympia-Medaillen", sagte er vor der Geburt seines Jüngsten im Vorjahr. In der Corona-Krise verbringt er viel Zeit zu Hause in Paradise Valley/Arizona und rät seinen Söhnen, sich an die geltenden Hygiene-Regeln zu halten und ihre Kontakte weitgehend zu reduzieren. Ein Clou ist jetzt dem Deutschen Schwimmverband gelungen: Seit diesem Sommer ist Phelps mit der von ihm entwickelten Schwimmbekleidung neuer „Technical Pool Partner" des DSV: Damit können künftig die deutschen Schwimm-Asse bei internationalen Wettkämpfen auf die Produkte der neuen Marke „Phelps" zurückgreifen.

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