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WAS MACHT EIGENTLICH...

„Strietzel“ Stuck startete 1971 bei dem ADAC-Eifelrennen auf dem Nürburgring
Foto: imago / WEREK

… Hans-Joachim Stuck?

Ab 1970 wurde er zur Rennfahrer-Legende und fuhr erfolgreich bis 2011. Von 2012 bis 2020 war er Präsident des Deutschen Motorsportbundes. Der heutige Motorsport-Repräsentant der Volkswagen AG wurde am 1. Januar 70 Jahre alt.

Hans-Joachim Stuck, Sohn des als „Bergkönig" gefeierten Rennfahrers Hans Stuck, erwarb schon als Jugendlicher automobile Erfahrungen auf dem Nürburgring, wo sein Vater Fahrerlehrgänge abhielt. Mit einer Sondergenehmigung bekam er als 16-Jähriger den Führerschein und startete ab 1970 eine Motorsportkarriere, die in verschiedenen Funktionen bis ins Jahr 2020 andauerte. Unter dem von seiner Patentante verliehen Spitznamen „Strietzel" wurde der Garmischer zur deutschen Automobil-Legende und blieb seinem Sport auch nach Karriereende als Motorsport-Präsident und Volkswagen-Repräsentant treu.

Eigentlich war er viel zu groß

Hans Joachim Stuck zu Gast in der "Markus Lanz"-Show im Dezember 2019 in Hamburg
Hans Joachim Stuck zu Gast in der "Markus Lanz"-Show im Dezember 2019 in Hamburg - Foto: picture alliance / Stephan Persch | Stephan Persch

Stuck, der ab 2012 als Präsident beim Deutschen Motorsportverband (DMSB) tätig war, begründete dies im Vorjahr so: „Mein Ziel war es immer, dem Motorsport nach meiner aktiven Karriere ein bisschen von dem zurückzugeben, was ich über viele Jahre erleben durfte." Dies sei ihm in vielen Bereichen gelungen. Deshalb übergab er das Amt 2020 aus persönlichen Gründen in andere Hände. In seinen zwölf Amtsjahren hatte Stuck viele Änderungen und Strukturreformen in seinem Sport-Verband entscheidend mitgeprägt. Vor allem lag ihm am Herzen, dass „sein" Nürburgring so modernisiert werden konnte, dass er heutigen Sicherheitsanforderungen genügt. Ganz zurückziehen will sich Stuck aber auch als 70-Jähriger nicht: „Bei der FIA (Internationaler Automobilclub-Dachverband, Anm. d. Red.) bin ich weiterhin als Steward in der Formel E tätig und auch künftig wieder im Einsatz", betonte er kürzlich im „Motosport-Magazin". Stuck wünscht sich für den Automobilsport gute Aufstiegsmöglichkeiten vom Kart- bis in den Formel-Bereich. Als erfolgreicher Tourenwagen-Pilot liegt ihm auch ein guter Tourenwagen- und GT-Sport am Herzen: „Mit den GTs haben wir jetzt ein perfektes Werkzeug in der Hand, um den Menschen spektakulären Motorsport zu bieten, wenn das Thema richtig gehandhabt wird", gibt sich Stuck zuversichtlich und hofft darauf, dass es in allen wichtigen Klassen chancenreiche deutsche Fahrer geben wird, „um weiterhin führend mit dabei zu sein." Zu seinem 70. Geburtstag am 1. Januar wünschte er sich vor allem Gesundheit „und dass unsere schöne Welt möglichst schnell wieder in so eine Ordnung kommt, wie sie einmal gewesen ist". Im Vorjahr während des ersten Lockdowns hatte Stuck für das Tiroler Traditionsgasthaus „Stanglwirt" in seinem Wahlheimatort Going vorbestellte Speisen ausgefahren. „Der schnellste Lieferservice des Landes" warb das Lokal mit dem Renn-Promi.

Stucks Karriere ist reich an glanzvollen Erfolgen, obwohl er mit seinen 1,94 Meter für einen Rennfahrer eigentlich viel zu groß war: zweimal Formel-1-Podest, Sportwagen-Weltmeister 1985, je zweimal Platz eins in den 24-Stunden-Rennen von Le Mans und Sebring, DTM-Champion 1990, dreimal Sieger beim Nürburgring-Marathon, zahlreiche Erfolge bei Tourenwagenrennen und in der Formel 2 sowie Werksfahrer bei allen deutschen Herstellern außer Mercedes. Aus heutiger Sicht ist es Stuck vor allem wichtig, dass er in all den turbulenten Jahren überlebt hat, vor allem seinen schweren Unfall 2007 auf dem Nürburgring. Damals wurde er mit Brustbeinprellung und Lendenwirbelriss in die Klinik geflogen. Da habe er halt Glück gehabt, resümierte „Strietzel" kürzlich im Magazin „Speedweek". „Was mir fehlt, aber mich nicht ärgert, ist, dass ich keinen Formel-1-Grand-Prix gewinnen konnte. Ansonsten bin ich mit dem, was ich erreicht habe, mehr als zufrieden." Rückblickend habe er aber am liebsten immer in einem Auto „mit Dach überm Kopf" gesessen. Es freue ihn besonders, dass er auf der Rundstrecke in vielen Fahrzeugen unterwegs war: „Von den Nachwuchsformeln über Formel 1 bis zu den Touren- und Sportwagen und sogar im Truck." Das 24-Stunden-Rennen in Le Mans 1987 bezeichnet Stuck heute als seine beste fahrerische Leistung, weil er auf regennasser Piste fast vier Stunden ununterbrochen am Steuer saß. „Sensationell" findet Stuck, dass die Autorennen heute viel sicherer geworden sind und die Fahrer sich dank moderner Technik mehr aufs Fahren konzentrieren können. „Nicht so gut finde ich, dass heute der Fahrer technisch nicht mehr so entscheidend ist für Sieg oder Niederlage", betonte der einstige „König von Hockenheim" im Januar 2021 im „Motorsport-Magazin".

Die Söhne fahren auch Rennen

Einblicke in sein Fahrerleben und seine sportliche Motivation gibt Stuck heute auch als Vortragsredner. Seine Erfahrung aus vier Motorsport-Jahrzehnten nutzt seit 2007 auch der Automobilhersteller Volkswagen: Stuck berät den Vorstand in Motorsport-Angelegenheiten und bei der strategischen Entwicklung möglicher Sporteinsätze der verschiedenen Konzern-Marken.

Sein fahrerisches Talent hat Stuck an seine beiden Söhne Ferdinand und Johannes weitervererbt: 2007 bildete er mit Johannes beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring sogar ein Team. Bei Stucks letztem Rennen 2014 an gleicher Stelle wurde er mit beiden Söhnen auf einem Reiter-Lamborghini Gallardo Zehnter.

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