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WAS MACHT EIGENTLICH...

José Feliciano, hier bei einem Konzert 1986, wurde blind geboren und erlernte mehrere Instrumente
Foto: picture alliance / Horst Galuschka | Horst Galuschka

… José Feliciano?

Sein Klassiker „Feliz Navidad" ist aus der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken und sein Cover des Doors-Hits „Light My Fire" machte ihn 1968 zum Superstar. Der heute 75-Jährige veröffentlicht weiterhin Platten und gibt Konzerte. Wegen seiner Verdienste um kranke Kinder wurde in seiner Wahlheimat Leobersdorf 2018 ein Uferweg nach ihm benannt.

Alle Jahre wieder zur Adventszeit läuft im Radio José Felicianos Weihnachtsklassiker „Feliz Navidad" gefühlt in Endlosschleife. Mit diesem 1970 selbst komponierten Hit, der weltweit zu den bekanntesten Weihnachtssongs gehört, schaffte Feliciano endgültig den internationalen Durchbruch. Immer wenn er „Feliz Navidad" höre, überkomme ihn der Stolz, einer der wenigen aktuellen Künstler zu sein, der ein Weihnachtslied für ein ganzes Millennium geschrieben hat: „Ich bin gesegnet! Das Lied kann der Bäcker pfeifen, der Müllmann singen und der Bauarbeiter summen. Es ist ein Lied für alle", charakterisierte Feliciano im österreichischen „Kurier" seinen Dauerbrenner. Zu dessen 50. Geburtstag produzierte er zu Weihnachten 2020 mit 30 Künstlern aus neun Ländern eine Jubiläums-Version, um in einem „politisch spaltenden Pandemie-Jahr" die Menschen zusammenzuführen und wenigstens kurzzeitig zu erfreuen.

Auch Mozart-Interpretationen

José Feliciano, 75, veröffentlicht weiterhin Platten und gibt Konzerte
José Feliciano, 75, veröffentlicht weiterhin Platten und gibt Konzerte - Foto: picture alliance / abaca | Hahn Lionel/ABACA

„Ich hätte nie gedacht, dass mein kleiner Song so viele Jahr lang für Aufmerksamkeit sorgt." Rückblickend auf seine lange Karriere betont Feliciano: „Ich glaube, dass ich vom Leben mehr bekommen habe, als ich erwartet habe. Ich habe gute Freunde und darf tun, was mir Spaß macht." Daher sei er ein glücklicher Mensch, „der Gitarre spielen kann und sich keine Gedanken über einen Boss machen muss, der ihn feuern kann". Bis heute hat der 75-Jährige, der blind geboren wurde, 110 Millionen Platten verkauft und insgesamt neun Grammys erhalten. Mit seinem Latin-Sound eroberte er ab 1966 von Puerto Rico aus die Musikwelt, war der erste in den USA erfolgreiche Vertreter dieser Musikrichtung und wurde Vorbild von Stars wie Gloria Estefan, Marc Anthony oder Jennifer Lopez.

Bis heute blieb Feliciano der lateinamerikanisch inspirierten Musik treu. Im niederösterreichischen Leobersdorf hat er 2015 ein Anwesen in der Nachbarschaft seines langjährigen Managers und Freundes Helmut Schärf gekauft. In einem dort eingerichteten Tonstudio bastelt das Duo weiterhin an neuen Songs und neuen musikalischen Ideen. Unter den acht CDs, die Feliciano allein 2016 veröffentlicht hat, waren sogar Mozart-Interpretationen auf der klassischen Gitarre: „Es hat lange gedauert, bis wir alles im Kasten hatten. Ich glaube, Mozart wäre stolz auf mich gewesen", sagt der Latino-Star. 2017 stellte er bei 33 Konzerten in England und Irland ein Jazz- und R‘n‘B-Album vor, mit dem er erstmals seit 1970 wieder in die Top 25 der britischen Charts aufstieg. Im Vorjahr überraschte er unter anderem mit einem Kinderbuch „José Feliciano’s Feliz Navidad", der Dokumentation „José Feliciano: Behind the guitar" und dem gleichnamigen neuen Album. Mit der Filmdokumentation über sein Leben will der blinde Musiker seine persönliche „Geschichte mit anderen teilen und junge Menschen dazu inspirieren, ihre großen Träume mit harter Arbeit und festem Willen umzusetzen". Feliciano hat schon immer seine Vielseitigkeit bewiesen. Bereits 1975 trat er als Kleindarsteller in der TV-Serie „Kung Fu" auf. Ein paar weitere Filmrollen folgten, etwa in dem bekannten Brüder-Coen-Klassiker „Fargo", wo er 1996 sich selbst spielte und auch einen Song darbot: „Warum soll man nicht in einem Film mitspielen, wenn sich die Möglichkeit ergibt?", begründet er seine Einsätze als Laienschauspieler. Von seiner österreichischen Wahlheimat, die er wegen Corona schon über ein Jahr nicht mehr aufsuchen konnte, ist Feliciano nicht nur wegen der angenehmen Temperaturen sehr angetan. Schon 1988 hatte er der Alpenrepublik den Song „Sound of Vienna" gewidmet. In Wien ist er seit 2011 auch als Geschäftsmann aktiv und bietet Besuchern in seinem landestypischen Kaffeehaus sogar seine eigene Kaffeemarke „Don Feliciano" an. Dass ihn manche Kritiker als „besten Gitarristen der Welt" bezeichnen, weist Feliciano bescheiden zurück: „Ich bin nur einer von vielen." Immer noch ist er ein Saitenvirtuose, auch wenn seine Stimme auf seinem letzten Album von 2020 „Behind the guitar" etwas an Kraft verloren hat. Auf sein Alter von inzwischen 75 Jahren angesprochen, verrät der mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrte Feliciano 2020 im ORF-Interview: „Ich habe fast Angst. Denn als ich ein junger Mann war, haben Menschen über 70 alt ausgesehen. Deshalb tue ich mein Bestes, nicht alt auszusehen und mich nicht alt zu fühlen." Nach seinen Plänen für 2021 gefragt, antwortet der gläubige puerto-ricanische Bauernsohn: „Warum fragt ihr nicht Gott? Er wird das besser wissen als ich." 2018 wurde Feliciano nach einem Konzert im Vatikan von Papst Franziskus sogar zu einer Privataudienz empfangen.

„Bester Gitarrist der Welt"

Junge Menschen liegen Feliciano, der mit zehn Geschwistern aufgewachsen ist, besonders am Herzen: „Ich liebe es, Kindern zu helfen." Nach einem Konzert 2016 für die Miami Children’s Health Foundation wurde er in deren Hall of Fame aufgenommen. In New York wurde nach dem sozial Engagierten eine Schule benannt und wegen seiner langjährigen Unterstützung des Kindertherapiehofes „Regenbogental" in Leobersdorf gibt es dort seit 2018 eine „José-Feliciano-Promenade".

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