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WAS MACHT EIGENTLICH...

Pete Townshend im Jahr 1969. Er komponierte über 100 Songs für „The Who“
Foto: picture alliance / Avalon/Retna | Monitor Picture Library

… Pete Townshend?

Der Gitarrist der Band „The Who" schrieb zahlreiche Welthits und Rock-Opern wie „Tommy" und „Quadrophenia". Als Autor veröffentlichte er zuletzt eine literarische Internet-Serie und 2019 eine Novelle. Der 75-Jährige arbeitet derzeit an einem neuen „Who"-Album.

Pete Townshends „Windmühlen-Technik" mit dem kreisenden Arm beim Gitarrenspiel wird bis heute von vielen Rockmusikern nachgeahmt, und seine aggressive Technik mit Verzerrung und Feedback machten ihn zum Vorreiter von Hardrock und Heavy-Metal. In der Rangliste der 100 besten Gitarristen liegt Townshend auf dem beachtlichen zehnten Platz. Obwohl seine erfolgreiche Band „The Who" sich offiziell 1983 getrennt hat und zwei der damaligen Mitglieder (Keith Moon, John Entwistle) schon verstorben sind, veröffentlichte Townshend zusammen mit dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied Roger Daltrey später weiterhin Platten unter dem legendären Bandnamen. Das 2019 erschienene gemeinsame Album „Who", präsentierte nach 13 Jahren Pause erstmals wieder neues Material. Townshend stuft das Werk allerdings nicht als „richtiges Who-Album" ein, weil die Originalbesetzung schon seit Ende der 70er-Jahre nicht mehr existiert. Trotzdem nutzt er die Corona-Isolation zur Arbeit an einem weiteren Who-Album. Vielleicht sei der Lockdown ja ein Zeichen Gottes gewesen, das ihm mehr Zeit für die Studioarbeit verschafft hat, vermutete der religiöse Musiker 2020 in einem BBC-Interview. Auch ein weiteres Projekt ist in Arbeit: Townshend will seinen 2019 erschienenen Roman „Age of anxiety", in dem er tief ins Seelenleben extremer Künstlerexistenzen blickt, zu einem Musical umarbeiten: „Das kostet mich viel Zeit, aber es macht Freude." Er gilt ja ohnehin als einer der Erfinder des Rock-Musicals, seit er sein Solo-Album „Iron Man" und die Who-Alben „Tommy" und „Quadrophenia" zu Pop-Opern erweitert hatte. Eine fürs Vorjahr und dann für Frühjahr 2021 geplante Hallen-Tour der Who wurde coronabedingt jetzt noch weiter in die Zukunft verschoben: „Wir freuen uns auf ein Wiedersehen, wenn die Zeiten es erlauben", tröstet der Musiker die Fans auf seiner Website.

Hilft Menschen in Not

Pete Townshend arbeitet an einem neuen „Who“-Album
Pete Townshend arbeitet an einem neuen „Who“-Album - Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Phil Lewis 

Dabei steht Townshend eigentlich gar nicht gern auf der Bühne. „Die Reiserei nervt, und Konzerte sind oft Routine und keine Herausforderung mehr", gestand er 2020 dem „Spiegel". Wichtig sei ihm bei Auftritten nur, dass er die Fans glücklich machen kann. Das „wahre Glück" für ihn selbst sei seine finanzielle Unabhängigkeit, durch die er Menschen in Not helfen kann. Immer wieder verkauft Townshend auch Band-Erinnerungsstücke für wohltätige Zwecke. So wurde im Januar ein Bühnenkostüm für von Corona betroffene Musiker versteigert, und im Dezember 2020 stiftete er den Erlös aus der Versteigerung einer goldenen Stratocaster-Gitarre für in Not geratenes Bühnenpersonal. Für das Krebs-Projekt Teenage Cancer Trust hat Townshend schon 1997 das Patronat übernommen und 2012 durch die Gründung von „Who cares" die Bekämpfung von Krebs bei Jugendlichen auch in den USA weiter vorangetrieben. Sein Engagement gilt zudem schon seit den 80er-Jahren der Bekämpfung von Drogenmissbrauch sowie sexueller und häuslicher Gewalt. Froh ist Townshend, dass er von dem 2003 erhobenen Vorwurf, kinderpornografische Daten heruntergeladen zu haben, inzwischen rehabilitiert wurde: „Eine schlimme Zeit, eine Hexenjagd", kommentiert er im „Spiegel"-Interview. Unter großer medialer Begleitung seien seine Computer konfisziert worden, aber man habe kein belastendes Material gefunden: „Für mich und meine Frau war das die Hölle." Dennoch habe der Skandal ihm damals das Leben gerettet. Seine dadurch erzwungene musikalische Untätigkeit habe er zu einem medizinischen Check-up genutzt. Dabei habe man ein Darmkrebs-Geschwür entdeckt und rechtzeitig entfernen können. „Sonst wäre ich binnen 18 Monaten tot gewesen", blickt Townshend zurück, der 1981 eine Überdosis Drogen nur knapp überlebt hatte.

Scheut den Stillstand

Townshend scheut den Stillstand und will sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Er sei zwar auf seine früheren Erfolge stolz, möchte darüber aber nicht mehr unbedingt reden. „Ich will als jemand gelten, der weiß, was er jetzt tut, nicht als einer, der erzählt, wie man das früher gemacht hat", zitierte ihn kürzlich das „Luxemburger Wort". Seine Texte sind weiterhin zeitkritisch, seine neueste Single „Ball and chain" beschäftigt sich mit dem US-Gefangenenlager Guantanamo. Neben seiner Musik ist der schwerhörige Townshend („Ich bin 75 und trage Hörgeräte, aber ich bin nicht annähernd taub") auch als Autor tätig. Schon 1983 veröffentlichte er die Kurzgeschichten-Sammlung „Horse’s neck". Anfang des neuen Jahrtausends liefen im Internet über 20 Folgen seiner literarischen Fortsetzungsgeschichte „The boy who heard music", die von einer fiktiven 80er-Jahre-Rockband erzählt. Darüber hinaus schreibt Pete Townshend Artikel für Musikzeitschriften, Buchkritiken, Essays und Drehbücher für Radio- und Bühnenprojekte. Er lebt mit seiner zweiten Frau Rachel Fuller auf dem Land: „Ich habe dort viel Platz zum Wandern, ich habe Hunde und einen amerikanischen Camper, in dem ich gerade ein Finger-Drumming-Studio einrichte."

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