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WAS MACHT EIGENTLICH...

Udo Kier 1974 als Graf Dracula. Dieser Streifen zählt zu seinen persönlichen Lieblingsfilmen
Foto: imago images / Ronald Grant

… Udo Kier?

Er hat seit den 60er-Jahren in über 250 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt und an der Seite großer Hollywoodstars gespielt. Auch in vielen deutschen Avantgarde-Filmen und Musikvideos war er zu sehen. Der 77-Jährige, seit 2020 Mitglied der Oscar verleihenden US-Film-Academy, kommt demnächst mit neuen Rollen in die Kinos.

Vor rund 30 Jahren ist Udo Kier nach Amerika ausgewandert und lebt heute in Palm Springs in einer umgebauten alten Bücherhalle aus dem Jahr 1965. „Es könnte hier nicht schöner sein, mit Garten und Swimmingpool", schwärmt der Schauspieler, der seit drei Jahrzehnten alte Möbel sammelt und auch über 1.000 Krawatten besitzt. „Abgesehen davon arbeite ich gern im Garten. Ich habe die ganzen Bäume selbst gepflanzt. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß", verriet er 2020 dem Mediendienst AD. Die häusliche Gartenarbeit beruhige ihn am besten, wenn er von seinen Schauspiel-Engagements nach Palm Springs zurückkehrt. Kier hat in seinen Filmen häufig Bösewichte gespielt, weil das Böse „keine Grenzen kennt und daher einfach interessanter ist". In seinen Rollen ist er auch häufig gestorben: „Ganz einfach ist das Sterben nicht. Man legt sich nicht einfach hin und macht die Augen zu."

Kaufte sich eine alte Schule

Zudem legt er Wert darauf, dass die Filmemacher sich für sein „Ableben" auch mal neue Varianten einfallen lassen. Seine Vorstellungen vom eigenen Tod hat Kier 2019 spaßeshalber so beschrieben: „Ich fahre mit meinem Mercedes 190 SL über die Klippen von Santa Monica, während die Sonne untergeht." Vorerst ist der deutsche Hollywood-Darsteller aber noch quicklebendig und kann über mangelnde Beschäftigung nicht klagen. 2019 feierte die Gesellschaftssatire „Bacurau" beim Filmfest in Cannes Premiere, in Venedig war er in „The Painted Bird" zu sehen und in der Satire „Iron Sky – The Coming Race" spielt er einen Adolf Hitler, der auf einem Dinosaurier reitet: „Ich habe noch nie ernsthaft einen Nazi gespielt", betont Kier, der schon mehrfach diesbezügliche Angebote abgelehnt hat. Ebenfalls 2019 gehörte er zu den Darstellern der RTL Now-Serie „M – Eine Stadt sucht ihren Mörder". Währenddessen versuchte er weiterhin, endlich seine erste Regie-Arbeit abzuschließen, in der ungewöhnliche Menschen im Mittelpunkt stehen, die auf der Straße leben. 2019 war er auch noch in „Haymaker" und in „The Blazing World" auf der Leinwand zu sehen und sprach in „Chompy & the Girls" die Titelrolle. In Vorbereitung sind derzeit seine neuen Filme „The Ark: An Iron Sky Story", „My Neighbor, Adolf" und die Doku „Hollywood Celebrity", in der Kier sich zum wiederholten Male selbst spielt, zuletzt tat er dies 2020 in „A Voice That Shook The Silence" über seinen früheren Förderer Christoph Schlingensief.

Udo Kier ist demnächst mit neuen Rollen in Kinofilmen zu sehen
Udo Kier ist demnächst mit neuen Rollen in Kinofilmen zu sehen - Foto: picture alliance / CraSH / imageSPACE / MediaPunch

Neben seiner umgebauten Bücherhalle in Palm Springs, die er stilgerecht mit Accessoires der 60er-Jahre ausgestattet hat, besitzt Kier auch noch ein Gästehaus in der gleichen Straße, ein Haus in Los Angeles und eine Ranch. In Deutschland hat er sich vor einigen Jahren eine ehemalige Schule im thüringischen Gehren gekauft, die er im Biedermeier-Stil eingerichtet hat. Dort bietet er jungen Künstlern die Klassenräume als Ateliers an. Fertig seien seine Häuser eigentlich nie, betont der Ausstattungs-Fan Kier. Wenn er etwas Schönes sehe, tausche er es zu Hause gegen einen vorhandenen Gegenstand aus. „Abgesehen davon lebe ich mit der Kunst von Wegbegleitern, also mit Kunst von Andy Warhol, Siegmar Polke oder Rosemarie Pockel. Viele sind damals Freunde für mich geworden, und die Lebenden sind es immer noch."

Lieber Telefon statt SMS

Zu seinen Lieblingsfilmen („Filme, die etwas verändert haben!") zählt Kier neben „Dracula" und „Frankenstein" auch „Narziss und Psyche", „Die Geschichte der O", Lars von Triers Werke „Breaking The Waves" und „Melancholia", seine Arbeiten mit Schlingensief und Fassbender („Lili Marleen", „Bolwieser") sowie „My Private Idaho", für das ihn US-Regisseur Gus van Sant 1991 eigens nach Hollywood geholt hatte. „Ich habe mehr als 200 Filme gemacht, 100 davon sind schlecht, 50 genießt man mit einem Glas Wein und die anderen 50 sind richtig gut", gibt Kier sich anlässlich seines 75. Geburtstages vor zwei Jahren selbstbewusst kritisch. Einblicke in sein umfangreiches künstlerisches Schaffen bietet die 2014 entstandene Doku „Arteholic" von Filmemacher Hermann Vaskes. Trotz seiner 77 Jahre will Kier vom Ruhestand noch nichts wissen: „Ich bin ja fit", versichert er. „Ich bin zwar kein Vegetarier, aber ich ernähre mich ziemlich gesund. Mir geht es gut, und ich bin ein Lucky Man." Selbst wenn er in Hollywood meist nur kleinere Rollen bekommt, versucht er immer, seine persönliche Note einzubringen und bleibt dadurch oft nachhaltig in Erinnerung. Wenn Kier nicht bei Dreharbeiten weilt, genießt er seine Wahlheimat in Palm Springs. Zu seinem Fitness-Programm gehören dort neben der Gartenarbeit auch tägliche Spaziergänge mit seinem Hund. Zu seinen Hobbys zählt er schöne Autos, seine geliebten Bäume und das Kochen für Freunde. Von den sozialen Medien hält Kier sich weitgehend fern, statt SMS zu schreiben telefoniere er lieber oder verschicke Mails. Dazu hat er auf Reisen stets seinen Laptop dabei. Immer wieder gerne besucht er auch seine Heimatstadt Köln: „Da gehe ich immer in den Dom und stelle zwei Kerzen auf: eine für die lebenden Freunde, eine für die verstorbenen", verrät der „Spezialist für grenzwertige Charaktere".

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