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WAS MACHT EIGENTLICH...

Marlène Charell in den 70er-Jahren. „Tanzen ist wie Therapie. Das ist lebenswichtig“, sagt sie
Foto: picture alliance / United Archives / Schweigmann

… Marlène Charell?

Sie eroberte als Tänzerin die internationalen Show­bühnen und war vor allem in den 60er- und 70er-Jahren weltweit als Entertainerin und Moderatorin erfolgreich. Heute arbeitet die 76-Jährige hauptsächlich karitativ, etwa für die SOS-Kinderdörfer.

Als Marlène Charell 2007 in der Show „Willkommen bei Carmen Nebel" einen ihrer zuletzt seltenen Fernsehauftritte hatte, wurde ihr eine besondere Ehre zuteil: Eine neugezüchtete Kulturrosen-Sorte bekam den Namen „Marlène Charell". „Das hat mich sehr geehrt, denn ich habe einen besonderen Hang zu Blumen und liebe sie über alles", verriet sie 2019 in einem Interview des Mitteldeutschen Rundfunks. „Wenn ich meine Rose erblühen sehe, denke ich: Ich werde alt und grau, aber meine Rose ist nach wie vor wunderschön."

Obwohl Charell jahrelang mit ihrem Show-Talent eine feste Größe vieler bekannter TV-Shows war, macht sie sich heute auf dem Bildschirm rar. Ihren bislang letzten Fernsehauftritt hatte sie im Dezember 2013, als sie in der Sendung „Weihnachten bei uns" mit dem deutschen Fernsehballett ein Hit-Medley präsentierte. „Ein schönes, aber auch aufregendes Ereignis, denn wenn man nicht mehr 20, 30 oder 40 ist, wird es etwas komplizierter", erinnert sie sich. Charell könnte sich durchaus vorstellen, auch heute noch mal aufzutreten: „Ob es gut ist, weiß ich nicht", spielt sie auf ihr Alter und die körperlichen Belastungen beim Tanzen an. „Alles hat einmal ein Ende", betont die vielseitige Entertainerin. Von all ihren Aktivitäten als Schauspielerin, Moderatorin, Sängerin und Tänzerin hat sie eine eindeutige Priorität: „Ich würde mich sofort fürs Tanzen entscheiden. Das war meine Stärke." Rückblickend schwärmt sie: „Wenn ich tanze, bekomme ich kleine Flügelchen, das ist wie eine Therapie. Das ist lebenswichtig. Tanzen ist etwas ganz Besonderes." Deshalb tanzt sie auch heute mit 76 Jahren immer noch: „Aber nur in meiner Küche."

Marlène Charell engagiert sich heute vor allem im karitativen Bereich, etwa für die SOS-Kinderdörfer
Marlène Charell engagiert sich heute vor allem im karitativen Bereich, etwa für die SOS-Kinderdörfer - Foto: picture alliance / rtn - radio tele nord

ESC war größte Herausforderung

Wenn Charell jetzt auf ihre Karriere zurückblickt, versucht sie den großen Erfolg ihrer Shows so zu erklären: „Es war die gepackte Form: Singen, Tanzen, Schauspielen und Sprechen, das ganze Paket. Das war zur damaligen Zeit etwas ganz Besonderes, Außergewöhnliches. Und es kam gut an", sagt sie dem MDR. Deshalb bedankt sie sich auch bei ihren treuen Fans: „Wenn es sie nicht gäbe, hätte es keine Marlène Charell gegeben!"

Als eine ihrer größten beruflichen Herausforderrungen sieht Charell heute noch die Moderation des „Grand Prix d’Eurovision" (ESC) 1983 in München, denn sie sei jung und unerfahren gewesen. Ohne die heute üblichen technischen Hilfsmittel musste sie damals als erste Frau vor etwa 500 Millionen TV-Zuschauern in aller Welt ihre Texte vier Stunden lang in drei Sprachen moderieren und auch noch eine Gesangs- und Tanzeinlage bieten: „Ich empfinde heute noch Lampenfieber, wenn ich an diese Sendung denke." Gerne schaut sie sich bis heute den alljährlichen Song Contest an. „Ich bin sicher, auch die heutigen Moderatoren sind nervös und haben Lampenfieber." Als Jury-Mitglied sähe sie sich aber überfordert: „Ich habe oft danebengetippt. Das habe ich bis zum heutigen Tag nicht verstanden! Ist mein Geschmack so anders geartet?", spricht sie vielen anderen Fernsehzuschauern aus dem Herzen.

Viel Spaß gemacht haben ihr stets die Moderationen großer europäischer Fernsehshows, wie der „Internationale Artistenpreis" und die „Arena der Sensationen", wo sie viele bekannte Stars interviewen durfte. Ihre Tätigkeit als Schauspielerin kann Charell realistisch einschätzen: „Das war nicht so enorm. Ich habe zwar TV-Filme gedreht, aber ich denke nicht, dass das eine meiner Stärken war", gibt sie beim MDR zu. Von ihren wenigen Filmen ist ihr noch „Das bezaubernde Fräulein" der liebste. „Vielleicht war ich da auch am besten."

Tochter von Akrobaten

Dass sie für ihre internationalen Auftritte durch die halbe Welt touren musste, lag der Akrobatentochter von Kindesbeinen an im Blut: „Und leider werde ich überhaupt nicht sesshaft. Das ist etwas ganz Schreckliches", gesteht sie dem TV-Portal „eurovision.de". Die früher im Alter erhoffte Ruhe trete einfach nicht ein: „Ich werde unruhig, wenn ich zu lange an einer Örtlichkeit bin." Zum Glück hatte sie in ihrem Mann Roger Pappini bis zu dessen Tod 2019 über Jahrzehnte hinweg einen Gleichgesinnten an der Seite.

Gelegentlich arbeitet Charell immer noch als Moderatorin, ansonsten widmet sie sich ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten: Schon seit 2000 engagiert sie sich für die SOS Kinderdörfer und noch länger, nämlich seit den 90er-Jahren, ist sie Schirmherrin des Kreuzfahrer-Clubs „Columbus". Seit fast zwei Jahrzehnten wird nun auf den Kreuzfahrten dieses Veranstalters Geld für die SOS Kinderdörfer gesammelt: „Eine perfekte Symbiose: Seit 2001 haben wir jährlich bis zu 70.000 Euro gesammelt. Die Spenden haben wir persönlich zu den Dörfern gebracht, Häuser gebaut und die Ausbildung der SOS-Kindermütter übernommen." Die Ausbildung, Bekleidung und Ausstattung der Kinder zu finanzieren, vor Ort Brunnen zu bauen und den Fortgang der Projekte zu kontrollieren: „Das ist eine andere Art von Erfolg, aber auch ein schönes Gefühl", sagt Charell bei „eurovision.de". Wenn sie alle zwei Jahre wieder in die Dörfer komme, gebe es immer wieder viele Freudentränen.

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