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WAS MACHT EIGENTLICH...

Björn-Hergen Schimpf mit seinem „Kollegen“ Karlchen im Jahr 1990
Foto: imago images / Horst Galuschka

… Björn-Hergen Schimpf?

Als Pionier der RTL-Fernseh-Ära wurde er in den 80er-Jahren in Nachrichten- und Reisesendungen bekannt. Meist mit dabei war seine freche Handpuppe „Karlchen", die immer noch aktiv ist. Heute betreibt der 78-Jährige einen Bauernhof im Wendland.

Ich habe ja beim Fernsehen schon alles gemacht. Irgendwann muss ja auch mal Schluss sein", kommentiert Hergen Schimpf, der bei Radio Luxemburg noch den Vornamenszusatz „Björn" bekam, seinen Abschied vom Bildschirm. Zuletzt war er eine Zeit lang gelegentlich noch für das Reiseportal „Sonnenklar TV" auf Tour. „Dass inzwischen keiner mehr kommt und anfragt, ob ich nochmal eine Sendung übernehmen will, ist mir eigentlich egal." Ein Hintertürchen hält Schimpf sich dennoch offen: „Wenn jemand mir eine Reisesendung für Oldies anbieten würde, wäre ich sofort dabei", bekennt der Privatfernsehmann der ersten Stunde gegenüber FORUM. Schimpf, einst ein prominentes Fernsehgesicht, wird auch heute gelegentlich noch auf der Straße erkannt, manchmal auch an seiner markanten Stimme. Nachdem er mit seiner Rundfunk- und Fernsehzeit abgeschlossen hatte, kauften sich Schimpf und seine ihm inzwischen seit 56 Jahren verbundene Frau einen drei Hektar großen Hof im norddeutschen Wendland: „Mitten im Wald und an der Elbe. Dort gibt es genug zu tun, und die Arbeit an der frischen Luft hält uns fit." Die körperliche Betätigung hat bei Schimpf auch Spuren hinterlassen: Von seinen über 100 Kilo Körpergewicht früherer Zeiten sind heute noch etwa 80 geblieben. Nach einem ehrlichen Blick in den Spiegel sei der Entschluss zum Abnehmen gereift und dann in kleinen Schritten umgesetzt worden. „Weniger Essen, weniger Alkohol! So wurde ich Monat für Monat rund ein Kilo los." Die lange Pandemiezeit hat Schimpf gut überstanden, denn seine nächsten Nachbarn leben ein gutes Stück von seinem Hof weg. „Da ist Abstandhalten kein Problem."

Karlchen ist noch bei ihm

Björn-Hergen Schimpft, 78 Jahre, betreibt heute einen Bauernhof im Wendland
Björn-Hergen Schimpft, 78 Jahre, betreibt heute einen Bauernhof im Wendland - Foto: picture alliance / dpa

Gelegentlich hat Schimpf noch telefonischen Kontakt zu ehemaligen Kollegen bei Funk und Fernsehen. Aber weil er weit abseits im Wendland lebt, gibt es nur ganz selten mal ein Wiedersehen. „Vor zwei Jahren gab es mal ein Treffen der Alt-RTLer der Gründerjahre. Da gab es viel zu erzählen. Eine Wiederholung 2020 musste wegen Corona abgesagt werden. Vielleicht klappt es ja dann in diesem Jahr", freut Schimpf sich auf ein erneutes Treffen mit ehemaligen Kollegen. Etwas regelmäßiger tauscht er sich noch mit den einstigen RTL-Machern Hans Meiser und Uli Potofski aus. Einem alten Bekannten hält er jedoch bis heute die Treue: Die Handpuppe Karlchen, der er lange Jahre in Radio und Fernsehen bissige Kommentare zum Tagesgeschehen in den Mund legte, hat noch ihren festen Platz an seiner Seite. „Und er ist sogar schon fünffach geimpft", scherzte der bärtige „Puppen-Vater". Und Karlchen ist längst noch nicht im Ruhestand: Beim Video-Grußportal „WeWave" macht Schimpf für Firmenkunden mit Karlchens frecher Klappe Werbung. „Das macht mir nach wie vor einen Riesenspaß."

Zieht ein positives Fazit

Schimpf sitzt heute nach getaner Arbeit viel vorm Fernsehgerät, auch weil er auf dem Land kaum gutes Internet zur Verfügung hat und so die sozialen Medien nur wenig nutzen kann. Dabei wundert er sich manchmal, wie sein früherer Beruf sich inzwischen doch verändert hat: „Heute gibt es gefühlt 10.000 Sender, die alle mit Werbung Geld verdienen wollen. Von der Professionalität, dem technischen und personellen Aufwand kann man das heutige Fernsehen mit unseren RTL-Anfangszeiten gar nicht mehr vergleichen", sieht er doch erhebliche Unterschiede. Er selbst konzentriere seinen TV-Konsum auf 3Sat, Arte, die dritten Programme und ARD und ZDF. „Ich schaue sehr gerne Dokus, und da gibt es eine ganz tolle Sendung, die ich früher auch gerne moderiert hätte: ‚Terra X‘." Seine Freizeit verbringt Björn-Hergen Schimpf auch gerne mit Lesen und Musikhören, vor allem liebt er Blues, Oldtime-Jazz und Südstaaten-Rock. Außerdem ist er schon seit seiner Journalistenzeit viel auf Reisen und zweimal sogar schon durch Asien und Sibirien getourt. Heute reist er meist mit seiner Frau: „Einmal würden wir gern auch die Seidenstraße entlangreisen, von Hamburg nach Peking." Schimpf leistet sich noch ein weiteres Hobby: Er hat sich einen Oldtimer gekauft, der sein ganzer Stolz ist: einen MGA, Baujahr 1960. „Damit blubbern wir mit 70 PS gemütlich durch die Gegend. Das hat einen Riesenvorteil: Alle anderen Autofahrer sind freundlich und winken mir zu", erzählt Schimpf. Das sei für ihn womöglich so eine Art Fortsetzung seiner Fernsehtätigkeit im Rampenlicht: „Der Schimpf braucht eben Beifall. Und den bekommt er jetzt im MG an der Straßenkreuzung." Wenn er auf die bisherigen Jahre seines Ruhestandes zurückblickt, will er nur ein positives Fazit ziehen: „Mir geht es wirklich richtig gut." Einen Wunsch aber hat er noch: „Ich möchte irgendwann auf der Wolke sieben in der ersten Reihe sitzen und von oben auf die nächsten 500 bis 1.000 Jahre hinunterschauen, um mitzuerleben, wie es auf der Welt weitergeht."

Bei der vielen Armut, dem vielen Leid, den wachsenden Klimaproblemen und der ungleichen Verteilung der Lebenschancen zwischen Nord und Süd sieht er durchaus erhebliches Konfliktpotenzial.

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