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WAS MACHT EIGENTLICH...

Sabine Kaack (rechts) mit Witta Pohl in einer Folge der TV-Serie „Diese Drombuschs“
Foto: imago images / United Archives

… Sabine Kaack?

Durch Fernsehserien wie „Diese Drombuschs", „SOKO 5113" wurde sie ab den 80er-Jahren zu einer beliebten TV-Darstellerin. Heute arbeitet die 63-Jährige vor allem als Sprecherin für Hörspiele und -bücher und tritt bei Lesungen und mit eigenem Bühnenprogramm auf.

Heute würde ich sagen, dass mir damals eine Art Berufsverbot erteilt wurde", klagte Sabine Kaack kürzlich gegenüber der „Bunten". Aufgrund ihrer Schwangerschaft wurde sie 1992 angehalten, ihren Vertrag vor der letzten Staffel der „Drombuschs" zu kündigen, damit eine Ersatzdarstellerin eingesetzt werden konnte. Auch durch stürmische Proteste der Zuschauer ließen sich die Verantwortlichen damals nicht umstimmen. „Ich hatte danach immense Schwierigkeiten gehabt, größere Aufträge zu bekommen." In der Folge durfte sie allenfalls kleinere Sachen drehen, als Mutter eines Kleinkindes habe sie auch einiges absagen müssen. „Damit war ich weg vom Fenster. Die Branche ist knallhart. Entweder man funktioniert oder bleibt auf der Strecke." Obwohl sie danach noch in einigen TV-Serien und Fernsehspielen eingesetzt wurde, ist sie seit ihrer Rolle in „Notruf Hafenkante" 2016 von den Besetzungslisten verschwunden. Zuletzt erhielt sie 2017 noch ein Engagement im Kinofilm „Montrak". So sei sie heute froh, ihre Brötchen mit dem Sprechen von Hörbüchern, Hörspielen oder Werbespots verdienen zu können. „Mir fehlt die Schauspielerei und die Arbeit beim Fernsehen sehr. Es gibt so schöne Charaktere für Frauen in meinem Alter", sagt Kaack. Aber irgendwie sehe sie bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten immer die gleich besetzten Rollen: „Es wäre großartig, wenn jemand den Mut hätte, etwas für mich zu entwickeln, was sich abseits der üblichen Rollenbilder bewegt", hofft sie auf ein Umdenken bei den TV-Sendern.

„Mir fehlt die Schauspielerei"

Über Wasser halten kann Kaack sich heute auch mit Gastauftritten beim Theater. So war sie zuletzt 2018 mit den Stück „Der letzte der feurigen Liebhaber" auf Tournee. Eine Ende 2020 bis März 2021 geplante Tournee mit der romantischen Komödie „Geliebte Hexe" musste coronabedingt abgesagt werden. Zuvor stand sie schon im Bremer Theater am Goetheplatz, am Schloßtheater Celle oder beim Ohnesorg-Theater (2020: „Kalenner-Deerns") auf der Bühne. Der Mundart gehört ohnehin die Liebe der „Drombusch"-Darstellerin. Seit 2016 ist sie im Rahmen des immateriellen Unesco-Kulturerbes offizielle Botschafterin des niederdeutschen Theaterspiels und setzt sich besonders für die Ausbreitung des Niederdeutschen im Norden der Bundesrepublik ein. 2019 erschien das Buch „Dor bin ik to hus", in dem Kaack Mundart-Geschichten aus ihrer Heimat liest. Bewährt hat sich ihre Zusammenarbeit mit der Krimiautorin Rieke Husmann bei der Hörbuchproduktion der bekannten „Insel"-Krimireihe rund um die Kommissarin Hella Brand. Gerade erschienen ist „Inselkälte". Auch die von Kaack gesprochenen Hörbücher „Das Insel-Weihnachts-Wunder" (Janne Mommsen) und „Verdammte Liebe" (Melanie Mezenthin) kamen gerade in den Handel. Inzwischen hat Kaack auch ein abendfüllendes Bühnenprogramm geschrieben: Seit 2018 präsentiert sie regelmäßig mit wechselnden Gästen unter dem Titel „Literaturkonzert" die Poesie und Lyrik großer Dichter – sie liest, rezitiert, spielt und singt. Premiere feierte im Mai 2021 das Bühnenprogramm „Zwei auf einer Bank – Das kleine Friesencafé", das Kaack gemeinsam mit dem Autor Janne Mommsen gestaltet und das auch als Hörbuch erscheint. Im Juni ehrte sie in ihrem Geburts- und seit 2013 Wieder-Wohnort Nortorf gemeinsam mit Jürgen Worlitz ihre „Entdeckerin" Helga Feddersen mit der Veranstaltung „Helga-Feddersen-Erinnerungen", bei der sich das Publikum an Geschichten rund um die verstorbene Volksschauspielerin erfreuen konnte.

Trennung als Neuanfang

Privat geht Sabine Kaack seit der Scheidung als „glücklicher Single" durchs Leben, ihr 28-jähriger Sohn Pelle steht inzwischen auf eigenen Beinen. „Ich lebe allein, habe ein schönes Umfeld und einen innigen Freundeskreis", betont sie kürzlich in der „Bunten". Die Trennung von ihrem Mann habe sie für einen Neuanfang genutzt: „Ich habe einen Cut gemacht und unglaublich viel Ballast abgeworfen", verriet sie 2020 dem Frauenmagazin „Meins". Ein Coach habe ihr dazu geraten, mehr auf ihre besondere Stimme zu setzen und neue Facetten ihres Berufes auszuprobieren. Sie sei froh, dies umgesetzt zu haben und nun in Nortorf „ein einfaches, aber wunderbares Leben" zu führen.

Kaack plädiert öffentlich für eine größere Wertschätzung der Frauen über 50 in allen Lebensbereichen und setzt sich bei „Terre des femmes" für mehr Frauenrechte ein: „Wir Frauen dürfen uns nicht aufs Abstellgleis schieben lassen!" Gelegentlich coacht sie sogar andere Frauen, damit diese mehr Selbstvertrauen gewinnen und sich gegen die anhaltenden Benachteiligungen zur Wehr setzen können. „Je älter man wird, desto mutiger sollte man ans Leben herantreten. Wichtig ist auch, sich nicht demotivieren zu lassen", rät sie. Auch wenn die großen Fernsehgagen heute fehlen, hat Sabine Kaack keine finanziellen Nöte: „Ich habe klug vorgesorgt und mich keinen Versprechungen hingegeben." Trotzdem aber möchte sie gern ihr Leben lang arbeiten und hofft, dass ihre Gesundheit das weiterhin erlaubt.

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