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WAS MACHT EIGENTLICH...

Sabine Spitz beim Training am 26. August 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen. Sie gewinnt Bronze
Foto: picture-alliance / dpa | Frank May

… Sabine Spitz?

Die Radsport-Olympiasiegerin, zweifache Welt-, vierfache Europa- und 20-fache Deutsche Meisterin beendete 2019 ihre Karriere in den Mountainbike-Disziplinen Cross-Country und Marathon. Die Radsportlerin der Jahre 2003 und 2008 leitet ein Radcamp und engagiert sich für benachteiligte Jugendliche. Am 27. Dezember wird sie 50 Jahre alt.

Langsam spürt sie das Alter", begründete Ralf Schäuble, Trainer und Ehemann von Sabine Spitz, deren verletzungsbedingten Verzicht auf die 23. Teilnahme an der Cross-Country-WM 2018. Schon bei ihren fünften Olympischen Spielen 2016 war sie durch eine Knie-OP gehandicapt an den Start gegangen und hat so eine weitere Medaille verpasst. Dennoch wurde sie 2017 noch Vizeweltmeisterin im Marathon. Im August 2018 bestritt Spitz mit 47 Jahren ihr letztes Cross-Country-Rennen. Nach einem 3. Platz bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften 2019 machte sie dann aber endgültig Schluss mit dem Leistungssport. Die zweifache deutsche Radsportlerin des Jahres wurde mit der Aufnahme in die Hall of Fame des europäischen Radsports geehrt und erhielt 2019 den „Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport" für ihre konsequente Haltung gegenüber der Dopingproblematik im Radsport: Immer wieder hat sie verschärfte Kontrollen, härtere Strafen und eine strafrechtliche Verfolgung für erwischte Sünder gefordert und wurde dafür 2009 mit der IOC-Trophy ausgezeichnet. Bereits seit vielen Jahren engagiert Spitz sich auch als Botschafterin für „In Via", einen katholischen Sozialverband, der benachteiligte Jugendliche und Frauen unterstützt. Mit einem eigenen Stiftungsfonds stellt sie dem Verband zusätzlich finanzielle Mittel zur Verfügung: „Sicherlich ist auch das eine Aufgabe für mich in der Zukunft."

Lebt teilweise in Südafrika

Die 49-Jährige, öfter schon mal als „Oma Spitz" Geneckte, wird sicher noch das eine oder andere Mal bei regionalen Rennen an den Start gehen: „Ich werde so lange wie irgend möglich mit dem Mountainbike unterwegs sein und werde sicher noch ein paar Rennen fahren, aber nach Lust und Laune. Aber irgendwann ist es auch gut", beschreibt sie bei „MTB News" ihre weiteren sportlichen Ambitionen. Vielleicht werde sie sich nach der Corona-Zeit auch verstärkt in der Nachwuchsförderung einbringen.

Die Mountainbikerin wird am 27. Dezember 50 Jahre alt
Die Mountainbikerin wird am 27. Dezember 50 Jahre alt - Foto: picture alliance / dpa | Patrick Seeger 

Nach ihrem Karriereende 2019 hat Spitz ihren Plan umgesetzt, zumindest teilweise in ihre Wahlheimat Südafrika umzusiedeln. Dort hat sie in der Kleinstadt George an der Garden Route vor allem im Winter ihr zweites Zuhause und schon viele freundschaftliche Kontakte gefunden. „Südafrika wird in Zukunft für mich ein wichtiger Standort sein. Ich liebe die Wärme, das Land, und zum Mountainbike-Fahren ist es einfach genial." Künftig wird sie deshalb zwischen Deutschland und Südafrika hin- und herpendeln, auch wenn die Einschränkungen durch Corona das zuletzt eine ganze Zeit lang erschwert oder gar unmöglich gemacht haben. Auch in beruflicher Hinsicht sieht die gelernte Chemie-Laborantin am Kap durchaus eine mögliche Zukunft.

Die fünffache Olympiateilnehmerin war 26 Jahre lang als erfolgreiche Mountainbikerin immer mit Leidenschaft unterwegs und hat sich auch durch drei Knie- und zwei Schulteroperationen nicht von ihrem Ziel abbringen lassen. Heute versucht sie mit ihrer positiven Ausstrahlung, auch anderen Menschen den Spaß an ihrem Sport zu vermitteln. Sie betreibt während der Sommermonate in ihrer Schwarzwälder Heimat das Sabine-Spitz-MTB-Camp, wo man in der Sabine-Spitz-Mountainbike-Arena ein zweitägiges Fahrradtraining absolvieren kann, aber auch Tipps zu Ernährung, Gesundheit und Trainingsgestaltung erhält. „Weil es Spaß macht, Spaß zu vermitteln", begründet Spitz ihre Arbeit. „Biken ist für mich Passion und Berufung." Wenn sie nicht auf dem Rad sitzt, könne man sie am ehesten bei einer Tasse Kaffee antreffen: „Kaffee ist meine Droge", verriet sie kürzlich in den „Bike News". Dort rückte Spitz auch damit heraus, dass sie als Kind zuerst Fußball, dann Eishockey und Skifahren ausprobiert hat. Erst durch ihren späteren Mann und Manager wurde sie 1993 mit dem MTB-Virus infiziert und landete bei ihrem ersten Rennen auf dem letzten Platz! Doch schon im Jahr darauf schaffte sie bei der WM Platz 45, hängte ihren Beruf an den Nagel und fuhr schon 2000 zu ihren ersten Olympischen Spielen.

„Kaffee ist meine Droge"

Sabine Spitz ist heute auch noch als Weltcup-Expertin bei Red Bull TV tätig und für das Management des südafrikanischen Dormakaba-Teams vorgesehen. Für ihre langjährigen Sponsoren arbeitet sie weiter als Markenbotschafterin.

Mit Blick auf die Zukunft des deutschen Mountainbikens plädiert sie für bessere Strukturen in der Nachwuchsförderung, die zuletzt eher weniger erfolgreich gewesen sei. Im Damenbereich traut sie bei den nächsten Olympischen Spielen nur Ronja Eibl Medaillenchancen zu. Bei den Männern habe man dagegen mit Brandl, Egger, Zwiehoff und Schwarzbauer einige Kandidaten, die in Weltcup-Rennen unter die Top Ten fahren können.

Damit das Mountainbiken in Deutschland mehr Breite gewinnt und international wettbewerbsfähig bleibt, wünscht Spitz sich mehr Unterstützung und Medienpräsenz. In diesem Zusammenhang sei der „leichtfertige" Verzicht auf die WM 2021 im deutschen Albstadt ganz bitter für die hiesigen Athleten gewesen: „Leider wird die EM 2022 in München das nicht kompensieren", kritisiert Spitz den deutschen Radsportverband.

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