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WAS MACHT EIGENTLICH...

Voormann
Foto:picture alliance / dpa
… Klaus Voormann?

Er galt in den 60ern als „fünfter Beatle“ und spielte Bass bei Manfred Mann. Er gestaltete über 100 Plattencovers, darunter das Beatles-„Revolver“-Album, für das er 1967 den Grammy erhielt. Jetzt hat der 79-Jährige einen Comic über sein 50 Jahre altes „Meisterstück“ gezeichnet.

Für seine Gestaltung des „Revolver“-Covers bekam der Grafiker und Bassist Klaus Voormann damals von den Beatles gerade mal 50 Pfund. Trotzdem wurde er durch sein Meisterwerk, das 2011 unter die besten zehn Musikcovers aller Zeiten gewählt wurde, berühmter als durch seine Musik, die ihn immerhin mit Größen wie den Beatles, Lou Reed, Carly Simon oder B.B. King zusammenbrachte. „Er ist ein wunderbarer Mensch, ein verrückter Hund, ein leidenschaftlicher Kunst- und Musikliebhaber, ein prächtiger Vater und Ehemann, ein enger Freund und ein totales Arschloch“, würdigt Paul McCartney seinen langjährigen Weggefährten. Mit dem aufsehenerregenden „Revolver“-Cover war es Voormann gelungen, eine Brücke zu bauen zwischen den fröhlichen Beatles-Klängen der Anfangsjahre und der zuletzt weiterentwickelten Musik der Fab Four. Erinnerungsstücke aus der damaligen Zeit hütet Voormann heute in seinem heimischen Atelier, wo er alles sorgfältig beschriftet in Regalen verstaut hat. Auf einer Kiste liest man beispielsweise „Grammy 1966, alle Teile“. Seine wertvolle Musikauszeichnung ist ihm nämlich zu Bruch gegangen, sodass er sie in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammenpuzzeln musste: „Ein paar Teile habe ich aber leider verschlampt.“

 

Noch mit Paul und Ringo befreundet

 

Seine Goldenen Schallplatten hat Voormann aber zu Hause nicht ausgestellt: „Ich bin natürlich stolz darauf, dass ich solche Sachen gemacht habe“, obwohl er oft bei den ausgezeichneten Alben nur bei ein paar Stücken mitgespielt habe. „Wenn ich die alle aufhängen würde, hätte ich nicht den Platz dafür.“ Auf den „Revolver“-Grammy aus dem Jahr 1967 ist der rockende Grafiker aber immer noch richtig stolz. Im März fand ihm zu Ehren im Grammy Museum Los Angeles eine große Jubiläumsfete statt. „Ich wusste, die Fans wollten viele Fotos von den Jungs sehen. Ich wollte deshalb die Gesichter als Strichzeichnungen stilisieren. Und das wichtigste waren damals die Haare“, erzählt Voormann heute über seine kreative Idee, die Haare der Beatles wie Spaghetti zu einem Frisurenknäuel zu verbinden. Dieses „Revolver“-Motiv ist bis heute sehr beliebt: Es ziert Taschen, Schuhe, Krawatten oder Gitarrengurte und war sogar auf einer englischen Briefmarke abgebildet. Zu seinem Bedauern hat Voormann damals mit dem Erhalt der 50 Pfund Gage seine Urheber-Rechte an der Grafik abgetreten. Auch das begehrte Original besitzt er nicht mehr: Eagles-Gitarrist Joe Walsh hat es in den 70er-Jahren für lächerliche 1.500 Dollar in einem Secondhandladen ergattert.
Klaus Voormann ist heute selbst zur Legende geworden. Als Grafiker zeigt er seine Arbeiten auf Ausstellungen in der ganzen Welt. Mit den verbliebenen beiden Beatles ist er weiterhin gut befreundet, begleitet sie mit seinem Bass bei Plattenprojekten und Charity-Konzerten. Und als er selbst 2009 sein erstes Solo-Album produzierte, waren Paul und Ringo natürlich mit dabei. Mit Paul konnte er sogar kürzlich nach dessen Konzert in München alte Zeiten aufleben lassen: „Das ist dann immer wie früher.“ Eine besondere Freundschaft verband Voormann mit dem verstorbenen Beatles-Gitarristen George Harrison: „Bis heute träume ich oft von ihm. Vermutlich träume ich häufiger von ihm als von den anderen drei, weil ich mehr mit ihm zu tun hatte, vor allem nach dem Ende der Beatles“, erzählte er kürzlich der „Zeit“.

Die 50. Wiederkehr seiner Grammy-Auszeichnung hat Voormann zum Anlass genommen, seine Erlebnisse rund um die Cover-Gestaltung in einer Graphic Novel comicartig festzuhalten: „Birth of an icon – Revolver 50“ ist gerade auf dem Buchmarkt erschienen. „Ich wollte sowas immer schon mal machen, damit die Zuschauer ein bisschen in den Entstehungsprozess einbezogen werden.“ In dem reich illustrierten Buch, zu dem auch Ringo Starr eine „kleine, liebe und sehr herzliche Geschichte“ beigesteuert hat, gehe es ihm nicht darum, die alten Zeiten und ihre Protagonisten zu verklären, sondern beispielsweise zu erklären, „dass John ein sehr ungeduldiger, schroffer Mensch sein konnte. Und das wollte ich eben auch zeigen, beispielsweise wie er ,You Bastard’ sagt oder sowas“. Über den Entstehungsprozess der legendären Plattenhülle soll demnächst auch ein Dokumentarfilm entstehen.

Voormann bedauert keineswegs, dass er damals nicht als fünftes Bandmitglied bei den Beatles eingestiegen ist: „Wenn ich an die Kohle denke, wäre mir das schon recht gewesen. Aber das Leben hätte ich nicht führen wollen. Immer eingesperrt sein zwischen Flugzeug, Hotel und Bühne.“
So lebt der 79-Jährige heute zufrieden mit seiner zweiten Frau Christina in Tutzing, arbeitet in seinem Atelier und engagiert sich gemeinsam mit seiner Frau für Umweltprojekte: „Ich habe ein wunderbares Leben hier am Starnberger See. Es ist gut so, wie alles gekommen ist. Es ist sogar sehr gut.“ Auch Musik macht er ab und zu noch, nur so zum Spaß, wie vor ein paar Wochen mit alten Freunden in einer Hamburger Kneipe.

 

Peter Schmidt

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