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WAS MACHT EIGENTLICH...

Natja Brunckhorst bei der Premiere des Kinofilms "Amelie rennt".
Foto: picture alliance/Eventpress

… Natja Brunckhorst?

Dem Medienrummel um den Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" entfloh die damals 13-jährige Haupt­darstellerin 1981 ins Ausland. Seit der Rückkehr 1987 arbeitet sie als Schau­spielerin und seit 1998 auch als Drehbuchautorin. Derzeit läuft im Kino ihr aktueller Film „Amelie rennt", das nächste Projekt ist schon in Arbeit.

Bei den Premieren ihres neuen Films „Amelie rennt" in Berlin, München und Bozen saß Ende September die Filmemacherin Natja Brunckhorst im Publikum: „Der Film kam sehr gut an, und das Publikum hat viel gelacht. Das hat mich sehr gefreut", kommentierte die Berlinerin die ersten Reaktionen. Anfang Oktober hat sie für den humorvollen Film über eine renitente Großstadtgöre, die in der Schweiz ihr Asthma behandeln lässt, auch den Preis der „European Children’s Film Association" und den Gilde-Preis der deutschen Kinobetreiber erhalten. „In der Figur der starken Amelie steckt viel von mir drin", verrät Brunckhorst. Dass der Titel an den Kinohit „Lola rennt" erinnert, sei aber nicht gewollt: „Eigentlich sollte der Film ‚Alpenrennen‘ heißen, aber das hätte sich zu sehr nach Bergfilm angehört." Der Film mit Mia Kasalo und Jasmin Tabatabai in den Hauptrollen richtet sich eher an ein jüngeres Publikum, das man trotz humoristischer Filmsequenzen „nicht für doof verkaufen soll, weil Kinder meist deutlich intelligenter sind, als wir Erwachsenen denken." Brunckhorst macht bei ihren Arbeiten daher keinen Unterschied zwischen Jugend- und Erwachsenenfilm. Das Drehbuch für „Amelie" sei ihr flott von der Hand gegangen: „Das ging sehr schnell in rund zwei Jahren, aber im Grunde kann man vorab nie genau sagen, wie lange man für ein Drehbuch braucht", erzählt Brunckhorst, die sich als Autorin als „manischer Autodidakt" bezeichnet. „Ich habe mir das Schreiben selbst beigebracht. Manchmal ist es sehr anstrengend, aber auch sehr schön", sagt sie und ergänzt, dass es auch sehr viel Disziplin erfordert. Beim Drehbuchschreiben komme es aber vor allem auf Rhythmus in den Dialogen an: „Das hat mehr mit Musik zu tun und ist ähnlich wie Komponieren."

„Ich war verunsichert"

Natja Brunckhorst als süchtige Christiane F. in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.
Natja Brunckhorst als süchtige Christiane F. in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". - Foto: picture alliance/United Archives

Während die Besucher derzeit in den aktuellen Brunckhorst-Streifen strömen, arbeitet die Drehbuchautorin schon längst an ihrem nächsten Werk: „Ich kümmere mich gerade um die Finanzierung meines nächsten Projektes ‚Zwei zu eins‘. Das ist eine deutsch-deutsche Komödie über Kapitalismus und Sozialismus. Mehr verrate ich aber jetzt noch nicht." Die Dreharbeiten zu dem Film sollen ab Sommer 2018 beginnen, sodass er 2019 in die Kinos kommen dürfte. Brunckhorst ist als Autorin in der Filmbranche längst gut angekommen, hat genug zu tun und ist auch international gefragt. So war sie vor ein paar Wochen in Nairobi und hat sich mit 24 „verrückten Filmemachern" aus Kenia ausgetauscht. Als Schauspielerin war sie das letzte Mal 2011 in „Totem" zu sehen. Dass sie noch mal vor die Kamera tritt, kann sie sich derzeit eher nicht vorstellen: „Ich habe so viel mit meiner Schreibarbeit zu tun. Da habe ich gar keine Zeit, an irgendeinem Drehort abzuhängen." Eine große Schauspielkarriere habe sie sich ohnehin damals selbst „verbockt", weil sie wegen des als belastend erlebten Medienrummels zu oft nein gesagt habe: „Aber ich war damals jung und sehr verunsichert und hätte mehr Unterstützung gebraucht. Im Nachhinein finde ich es schade, dass nicht mehr daraus geworden ist."

„Ich war nie der Drogentyp"

Dem großen Interesse an ihrem Debütfilm „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", dem sie damals für sechs Jahre in London und Paris zu entkommen suchte, kann Brunckhorst sich bis heute nicht völlig entziehen: „Ich habe mich damit arrangiert, dass ich für viele immer noch das Drogenmädchen bin. Solange auf meinem Grabstein nicht ‚Christiane F.‘ stehen wird, kann ich damit leben." Sie könne sogar dankbar sein, dass sie damals diese Rolle bekommen hat: „Ohne sie hätte ich meinen Traumberuf nicht gefunden." Brunckhorst hat die reale Christiane F. ein paar Jahre nach Filmstart bei einem Konzert in Berlin zufällig getroffen: „Leider ist es bei dem einen Mal geblieben. Ich wäre für eine weitere Begegnung offen, aber sie lebt ihr Leben, ich meines." Sie habe von sich aus aber auch keine weitere Begegnung gesucht. Daher wisse sie nicht einmal, wie es Christiane heute geht. Brunckhorst, die heute in München lebt, geht heute immer wieder mal in Schulen, um mit Jugendlichen über ihren damaligen Film und über die Drogenproblematik zu reden: „Wenn ich Schüler frage, ob der Film sie eher antörnt oder abschreckt, sagen sie immer ‚abschreckt‘. Aber ich weiß nicht, ob sie ehrlich sind." Sie sei allerdings kein Experte für die heutige Drogenproblematik, ist aber der Überzeugung, dass bei Jugendlichen ein offener Dialog viel mehr hilft als der pädagogische Zeigefinger: „Deshalb gehe ich in Schulen, um eine Diskussion zu eröffnen." Was von besonderer Aktualität ist, weil „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gerade für eine Fernsehserie neu verfilmt wird. Brunckhorst selbst hat nie Drogen probiert: „Ich war eben nie der Drogen-typ", bekennt sie und zeigt sich froh darüber, dass ihre 28-jährige Tochter Emma, die ein Bachelor-Studium abgeschlossen hat und gelegentlich modelt, ohne solche Probleme durch die Pubertät gekommen ist.

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