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WAS MACHT EIGENTLICH...

Wolfgang Voelz beim Empfang zum 70. Geburtstag von Gerhard Schröder im Restaurant Sarah Wiener im Hamburger Bahnhof.
Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

… Wolfgang Völz?

Er war in mehr als 600 Film- und Fernsehrollen zu sehen und lieh etlichen Trickfilm-Figuren seine markante Stimme. Zudem war er Theaterschauspieler, Kabarettist und Hörspielsprecher. Nach einem Schlaganfall vor zwei Jahren lebt der 87-Jährige zurückgezogen in Berlin.

Für seinen ‚Käpt’n Blaubär’ – da hat er immer noch ein Herz für", verrät Roswitha Völz (83) über ihren Mann Wolfgang, mit dem sie nun schon seit 62 Jahren verheiratet ist. Mit seiner Sprechrolle in der „Sendung mit der Maus" ist der gebürtige Dresdner ab 1991 zu einem absoluten Kinderstar geworden. Seine stimmgewaltigen Einsätze in TV-Serien wie „Asterix", „Benjamin Blümchen", „Kalle Wirsch" oder „TKKG" trugen weiter zu seinem Ruhm als Synchronsprecher bei. Vor dem 50. Jahrestag der Erstausstrahlung der erfolgreichen TV-Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion" geisterte 2016 die traurige Nachricht durch die Medien, Völz habe gerade einen Schlaganfall erlitten und wolle Interviews und öffentliche Auftritte meiden. Bei der Jubiläums-Gala im September 2016 war dann der als Leutnant Mario Monti in der Orion „mitfliegende" Völz aber putzmunter: „Den Schlaganfall hatte ich schon vor zwei Jahren", erklärte er beim Autogramme schreiben, und seine Frau bestätigte, dass er diesen gesundheitlichen Rückschlag gut verkraftet habe. Die Raumpatrouillen-Serie war einer der größten Erfolge des Volksschauspielers. Auf die Frage, an was er sich dabei heute noch ganz besonders zurückerinnere, antwortet Völz schlagfertig: „Dass sie uns zu wenig Gage gezahlt haben."

Wolfgang Völz ist ein Familienmensch, vor allem mit seiner Frau verbindet ihn eine langjährige glückliche Partnerschaft. Wie man es zu einer solch langen Ehe schafft, verriet Völz anlässlich der Diamantenen Hochzeit 2015: „Indem man brav auf seine Frau hört." Und ergänzt spitzbübisch: „60 Jahre verheiratet. Nie an Scheidung gedacht. Nur an Mord!" Roswitha Völz, eine gelernte Tänzerin, hat da eine etwas andere Sichtweise: „Respekt, Vertrauen, Liebe und Familie gehören dazu, und man muss nicht dauernd Händchen halten." So habe es ihrer Ehe durchaus gut getan, dass ihr Mann wegen seiner Filmeinsätze öfters weg war. In der legendären TV-Serie um das Raumschiff Orion war das Paar sogar gemeinsam im Einsatz: Roswitha, eine gelernte Tänzerin, gehörte zu den Darstellern, die beim kultigen Phantasie-Tanz „Galyxo" im Serien-Casino „Starlight" die Glieder verrenkten.

Tochter und Sohn auch beim Film

Nach der Hochzeit 1955 ist der Danziger Völz in die Wohnung seiner Frau in Berlin-Wilmersdorf gezogen, wo das Paar heute noch lebt. In Roswithas Geburtsstadt fühlen sich beide seitdem sehr wohl. „Alles ist leicht erreichbar. Und es ist schön, dass unser Sohn Benjamin gleich um die Ecke wohnt", sagt Völz, der sich freut, dass sowohl der Sohn als auch die Tochter Rebecca ebenfalls als Synchronsprecher im Filmgeschäft ihr berufliches Glück finden.

Obwohl die „Raumpatrouille" an der Seite seines langjährigen Freundes Dietmar Schönherr wohl die für ihn erfolgreichste TV-Serie war, nennt Völz heute als Lieblingsrolle die des Butlers und Chauffeurs in der Detektiv-Serie „Graf Yoster gibt sich die Ehre". Mit dem im Vorjahr mit 103 Jahren verstorbenen Hauptdarsteller Lukas Amann hatte ihn eine langjährige Freundschaft verbunden. Von dem Tod des Schweizers war Völz daher besonders betroffen: Noch zu seinem 85. Geburtstag durfte er sich über die persönlichen Glückwünsche seines Serienpartners freuen. Eine besondere Verbundenheit bestand zwischen Wolfgang und Roswitha Völz sowie Dietmar Schönherr und seiner Frau Vivi Bach, bei denen sie 2005 in Ibiza ihre Goldene Hochzeit gefeiert hatten. Mit dem Tod Vivis 2013 und Dietmars 2014 endete vor wenigen Jahren dann diese langjährige Schauspieler-Freundschaft. Völz bedauert, dass auch zahlreiche prominente Kollegen längst verstorben sind, deren Filmrollen er synchronisieren durfte: Peter Ustinov, Ernest Borgnine oder Walther Matthau sind nur einige davon.

Das Ehepaar Völz engagiert sich schon lange auch gesellschaftlich: Gemeinsam unterstützen sie den Berliner Zoo und haben für die Rettung der Ku-Damm-Bühnen demonstriert. Wolfgang setzt sich für die Kampagne „Gib Aids keine Chance" ein und gehört dem Kuratorium der Berliner Aids-Hilfe an. Dafür wurde er 2002 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet. Wolfgang Völz bekennt sich privat zu einer besonderen Leidenschaft: „Ich lese gern sehr gut geschriebene Porno-Bücher. Es gibt wirklich gutes Zeug, richtig dolle Dinger", outet er sich als Liebhaber erotischer Literatur, zu der er nicht unbedingt Werke wie die bekannten „Feuchtgebiete" von Charlotte Roche zählen möchte.

„Ich wollte nie alt werden"

Obwohl er gesundheitlich angeschlagen ist, fühlt sich Völz auch mit 87 nicht unbedingt alt: „Ich wollte nie alt werden. Ich fand alte Leute inklusive meiner Großeltern immer entsetzlich, weil sie immer an uns rumgemäkelt haben." Zu seiner Zukunft hat Völz klare Pläne: „Gesund werden, gesund bleiben. Die meiste Arbeit habe ich abgesagt. Es ist so schön zu Hause. Ich fange an, meine Bücher nochmal zu lesen, meine Musik nochmal zu hören und erfreue mich an meinen Kindern und Enkelkindern." Und seinem Käpt’n Blaubär will er natürlich weiter seine Stimme leihen.

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