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WAS MACHT EIGENTLICH...

Ricky Shane wird demnächst in einem biografischen Film zu sehen sein.
Foto: Lena Fingerle

… Ricky Shayne?

Als exotischer Sänger wurde er in Deutschland 1966 durch Top-Hits wie „Ich sprenge alle Ketten" und „Mamy Blue" bekannt. Nach einem Karriereknick versuchte er sich als Modeverkäufer und Kioskbetreiber. Demnächst wird er in einem biografischen Film zu sehen sein.

Der ständige Wohnortwechsel scheint bei Ricky Shayne zu einem Lebensmotto geworden zu sein: „Ich gehöre zu keiner Nation. Ich gehöre zur Mutter Natur", bekundet der 73-Jährige. Der Sohn einer Französin und eines Libanesen wuchs im Libanon auf, zog als 15-Jähriger mit seiner Mutter nach Frankreich und ließ sich dann mit 20 Jahren in Italien nieder, wo er es als Sänger zu zwei Hits und einer Goldenen Schallplatte brachte. Danach lockte ihn ein Filmangebot nach Deutschland, das dann zum Ausgangspunkt einer Schlagerkarriere wurde. Der glutäugige junge Mann sang sich mit Titeln des Komponisten-Duos Giorgio Moroder und Michael Holm in die Herzen vor allem der weiblichen Fans und durfte 1971 in der Filmkomödie „Hurra, wir sind mal wieder Junggesellen" erneut vor die Kamera. Vor allem mit dem Cover des Pop-Top-Hits „Mamy Blue" schaffte Shayne sogar den internationalen Durchbruch. Weil er eigene musikalische Wege gehen wollte, wurde es dann recht still um ihn. Er wanderte in die USA aus und versuchte über zwei Jahrzehnte lang ohne großen Erfolg, dort in der Musikbranche Fuß zu fassen. Immer wieder trat er aber bei Konzerten, auch mit bekannten Kollegen, vors Publikum. Zwischendurch gab er 1975 in Deutschland ein kurzes Bildschirm-Gastspiel in einer „Derrick"-Folge und trat in Oldie-Shows auf. 1989 konnte er sogar mit den von Dieter Bohlen komponierten Titelsongs („Once I‘m gonna stay forever", „Samurai") der TV-Serie „Rivalen der Rennbahn" ein kleines Comeback feiern. In den 90er-Jahren verlieren sich die Spuren des Musikers Shayne. Anfang des neuen Jahrtausends kehrte er aus den USA nach Deutschland zurück und lebte einige Jahre in Düsseldorf. Dort entwarf er mit seiner Frau Mode und verkaufte sie im eigenen Geschäft.

„Ich bin kein Cola-Verkäufer"

Als der erwünschte Erfolg ausblieb, eröffnete Shayne 2009 im Düsseldorfer Arbeiterviertel Flingern einen Getränkekiosk. Sein Büdchen und seine spontanen Gitarrendarbietungen waren anfangs eine Pilgerstätte für seine ehemaligen Fans: „Fast 30 Jahre kräht fast kein Hahn nach dir. Dann eröffnest du nichtsahnend einen Kiosk und schon rennen die Leute dir die Bude ein", wundert sich der Sänger noch heute. Doch nach einem Einbruchsdiebstahl und dem Abflauen des öffentlichen Interesses musste Shayne sein Büdchen Ende 2010 aufgeben. „Ich bin ein Rock‘n‘Roller, kein Cola-Verkäufer. Aber ich werde es vermissen", resümiert er.

„Ich musste damals zu viele Kompromisse machen. Und Kompromisse sind ein wichtiger Faktor, nicht nur im Showbusiness. Ich habe viel Schrott gesungen, aber das Beste daraus gemacht und Erfolg gehabt", blickte er kürzlich in einem Interview des Deutschlandfunks zurück. Eigentlich wollte er ja Rock-Star werden: „Ich habe schon immer Blues, Rhythm and Blues und Rock‘n‘Roll geliebt", beschreibt er seine musikalischen Präferenzen. In diese Richtung gehen auch aktuelle Pläne: „Aber es ist noch zu früh, um darüber schon Näheres zu sagen." Wenn Shayne sich in der aktuellen Musikszene umschaut, so schätzt er vor allem Musik, die „authentisch und sauber gemacht ist" und Musiker, die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen: „Es gibt ja eine Menge Musiker beiderlei Geschlechts, die kennen nicht mal den Unterschied zwischen einer Gurke und einem Mikrofon", redet er Klartext. „Die meisten Menschen können damit nicht umgehen, wenn jemand so direkt ist. Aber letztendlich ist mir das scheißegal. Ich sage trotzdem, was ich denke." Von den deutschen Kollegen mag er vor allem Udo Lindenberg: „Ein bombastischer Typ, dessen Fresse mehr erzählt als das pastorale Gesamtwerk von Herbert Grönemeyer."

Versuche mit bildender Kunst

Ricky Shaynes bewegtes Leben hat den Regisseur Stephan Geene inspiriert, darüber ein Theaterstück zu schreiben und einen dokumentarischen Film mit dem Titel „Mutwillig, Shayne" zu drehen. Das Bühnenstück wurde 2017 auf dem Donaufestival im österreichischen Krems mit Shayne und seinen Söhnen und im Dezember auch zweimal in Berlin gezeigt. Es beschäftigt sich – ebenso wie der derzeit produzierte Film – mit dem kometenhaften Aufstieg und dem raschen Fall des Teenager-Schwarms. In einigen Szenen ist Shayne selbst zu sehen, in anderen übernehmen seine Söhne Tarek (24) und Imam (22) die Rolle ihres Vaters. Der autobiografische Film, der mit den drei Shaynes schon weitgehend abgedreht ist, kommt etwa in einem halben Jahr ins Kino.

In seiner Düsseldorfer Zeit hat Shayne sich auch an Bildender Kunst versucht und seine Grafiken 2010 sogar in einer Ausstellung präsentiert. Diese kreative Tätigkeit übt er auch heute noch aus. Neben Grafiken beschäftigt er sich inzwischen auch mit der Malerei. In seiner Freizeit ist Shayne als Fotograf aktiv und macht natürlich weiter Musik: Am liebsten spielt er auf seiner Gitarre echten Blues. Dass er vor einigen Jahren Düsseldorf verlassen hat und jetzt in Glasgow in Schottland lebt, hat seiner Aussage zufolge keinen speziellen Grund. Er ist halt gerne immer wieder mal unterwegs: „Wahre Musiker kennen eben keine Grenzen."

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