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WAS MACHT EIGENTLICH...

Der Moderator Fritz Egner wurde Mitte der 80er-Jahre mit der Ratesendung "Dingsda" bundesweit bekannt.
Foto: picture alliance/BREUEL-BILD

… Fritz Egner?

Mit der Ratesendung „Dingsda" wurde er zwischen 1985 und 1994 dem bundes­weiten TV-Publikum bekannt. Nach Fernseh-Hits wie „Glücksspirale" oder „Versteckte Kamera" zog er sich 2005 vom Bildschirm zurück und macht seitdem wieder verstärkt Rundfunk.

Mehr als 300 Interviews hat der Hörfunk-Moderator Fritz Egner im Laufe seiner über vier Jahrzehnte währenden Karriere geführt, viele Künstler zu Hause besucht und sie dabei näher kennengelernt. Die Musik ist bis heute die Triebfeder des Münchener Radiomachers und hat ihn seit 1967 durch die halbe Welt geführt: „Musik war für mich immer der Notarztkoffer", bekennt er. Seine Erlebnisse und etliche Anekdoten hat Egner 2013 in seiner Autobiografie „Mein Leben zwischen Rhythm and Blues" zusammengetragen. Er bekennt, dass James Brown zu seinen absoluten Lieblingsmusikern zählt, seit er ihn 1968 in New York erstmals live erlebt hat. „Das war pures Dynamit in Form von Rhythm and Blues und hat mich tief beeindruckt." 1985 durfte Egner in London sogar spontan ein 45-minütiges Backstage-Interview mit Brown führen. Auf seinen vielen Reisen hat der Moderator in Plattenläden immer nach Neuheiten und Raritäten gestöbert. So liegen inzwischen über 5.000 CDs und 50.000 Langspielplatten in seinem heimischen Archiv. „Und meine digitale Mediathek umfasst mittlerweile 45.000 Files. Die meisten einzelnen Tonträger besitze ich von Prince, James Brown, den Beatles, den Stones und Elvis Presley." Durch seine allererste Platte – Little Richards „Tutti Frutti" mit der B-Seite „Long tall Sally" – hat er 1956 die schwarze Musik kennengelernt und kam fortan nicht mehr von ihr los. Seine Sammlung von Platten und Interviews ist heute ein reicher Fundus für seine beliebte Hörfunksendung „Fritz & Hits – die größten Künstler der Musikgeschichte". Jeden Freitagabend von 20 bis 24 Uhr präsentiert Egner dort vor allem Stars der 60er- und 70er-Jahre mit ihren Hits und garniert alles mit Interview-Ausschnitten. Mit seiner „Spezialsendung", die 30 Jahre lang bei BR3 lief und seit 2016 bei BR1 im Programm ist, hat er wesentlichen Anteil daran, dass der BR heute einer der erfolgreichsten Musiksender Deutschlands ist. „Solche Specials sprechen sicher nicht das Massenpublikum an, aber zur richtigen Sendezeit kann man damit Hörer binden, die auf Inhalt Wert legen und Radio nicht als Hintergrundbeschallung nutzen", versucht Egner den Erfolg seiner Sendung zu erklären. „Ich bin in der Gestaltung der Sendung vollkommen frei. Ich suche alles selbst aus. Und jedes Stück hat etwas mit mir zu tun – das ist ein Privileg." Seinem Stil sei er über all die Jahre immer treu geblieben: „Ich kann nichts verkaufen, was ich selbst nicht wenigstens annähernd schätze und mit dem Hörer teilen will."

50.000 Langspielplatten zu Hause

Wenn der 68-Jährige auf seine Laufbahn zurückschaut, ist er dankbar, dass er 1974 einen Tontechniker-Job beim Sender AFN in München ergatterte und dort amerikanischen Profis über die Schulter schauen konnte. Als er für einen nicht erschienenen Moderator einspringen musste, wurde das zum Ausgangsunkt seiner Hörfunk- und Fernsehkarriere. Gerne erinnern sich die Fernsehzuschauer noch an Egner-Quotenhits wie „Dingsda", wo Erwachsene von Kindern erklärte Begriffe erraten mussten, an die „Versteckte Kamera", „Entweder oder" oder die „Glücksspirale". Obwohl auch die Show „WWW – die witzigsten Werbespots der Welt" bei Sat 1 ein Erfolg war, zog sich Egner 2005 wieder ans Münchener Rundfunkmikrofon zurück, das er auch zuvor nie ganz verlassen hatte. „TV ist ein teamabhängiger Erfolg oder Misserfolg. Beim Radio bin ich für das Resultat allein verantwortlich", vergleicht Egner die beiden Medien und ergänzt: „Die unverbrauchte Begeisterung fürs Radio hält mich fit." Er bedauert, dass es heute nicht mehr so viele Radio-Moderatoren mit Strahlkraft gibt: „Es fehlen Vorbilder, hier genauso wie im Ursprungsland des Personality-Radios, den USA." Talente würden meist vom Fernsehen abgezogen, und die Formatierung des Programms mache die Sender immer weniger unterscheidbar. „Das britische Radio ist aber immer hörenswert. Die Engländer sind Musikfreaks und lieben das informative Musikradio." Heutzutage würden die neuen Medien den alten immer mehr die Show stehlen, weil sie einfacher und zeitlich unabhängig konsumierbar sind. Auch unter den heutigen Musikern gebe es durchaus noch welche, die später mal in einer Sendung wie „Die größten Künstler aller Zeiten" auftauchen könnten: „Man muss sie nur länger suchen. Im Radio findet man sie nur in speziellen Nischen, denn sie sind nur selten formattauglich und entsprechen eher weniger dem Massengeschmack."

„Die Engländer sind Musikfreaks"

Egner beklagt, dass es auf dem deutschen Musikmarkt zu wenig Unterstützung für junge Talente gibt, die dadurch kaum durchhalten könnten: „Kaum jemand investiert in sie, deshalb sind sie international unterlegen." Auch die Casting-Shows sind wenig hilfreich, denn sie leiden nach Egners Meinung darunter, dass oft Leute mit ungebremstem Drang zur Selbstdarstellung auftretem, die keine Scham besitzen, sich bis auf die Knochen zu blamieren: „Solche Menschen dienen längst zur Belustigung eines voyeuristischen Publikums. Ernstzunehmende Karrieren werden so kaum geboren."

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